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International Ein Land mit Startschwierigkeiten

Seit fünf Jahren ist Kosovo unabhängig. Das Land kämpft nach wie vor mit Problemen – nicht alle sind hausgemacht. Doch es gibt auch Hoffnung. Und das gerade wegen der unter anderem in der Schweiz lebenden Diaspora.

Die Kosovaren feiern am Sonntag zum fünften Mal ihren Unabhängigkeitstag. Das noch junge Land steckt in vielerlei Hinsicht noch immer in den Kinderschuhen.

So gehört Kosovo, wirtschaftlich gesehen, weiterhin zum Armenhaus Europas. Das Handelsdefizit liegt bei 2,2 Milliarden Euro. Die Unterstützung der EU, aber auch anderen Staaten wie der Schweiz und den USA ist gross.

«Derzeit verfügt Kosovo über ein Budget, um seine Institutionen zu verwalten», sagt der kosovarische Botschafter in Bern, Naim Malaj, zu SRF News Online. Die Schweizer Hilfe für Kosovo in Form von verschiedenen Programmen und Projekten trage zur Verbesserung des Lebensstandards bei.

Starke Diaspora

Kosovos Einfuhren sind enorm. Und so kommt es, dass jeder Franken oder Euro, der aus dem Ausland kommt, auch wieder ins Ausland zurückfliesst.

Dies hat einmal historischen Gründe: Innerhalb Jugoslawiens war Kosovo die ärmste Region. Auf der anderen Seite führte eine verfehlte Wirtschafts- und Strukturpolitik seit der Ära Tito zu solch desolaten Startbedingungen für das junge Land.

Legende: Video Kosovo feiert Unabhängigkeitstag abspielen. Laufzeit 00:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.02.2013.

Der Wiederaufbau erfolgte direkt nach dem Kosovokrieg, als rund 2 Milliarden Euro Hilfsgelder gesprochen wurden. Mittlerweile ist auch die Unterstützung der im Ausland lebenden Kosovaren nicht zu unterschätzen. «Die kosovarische Diaspora spielte bereits in den 1980er- und 1990er-Jahren eine wichtige Rolle», erklärt Malaj weiter. Es sei somit logisch, dass die im Ausland lebenden Mitbürger weiterhin Kosovo unterstützen. Schätzungen zufolge werden jedes Jahr bis zu 500 Millionen Euro von Ausland-Kosovaren in die Heimat überwiesen.

Doch das Wirtschaftswachstum Kosovos ist zu schwach. Allein um die jährlich bis zu 35‘000 Schulabgänger auffangen zu können, müsste das Wachstum nicht wie bei jetzt vier, sondern eher bei acht Prozent liegen. Die Weltbank rechnete sogar aus, dass ein Wachstum von zehn Prozent nötig wäre, um den Nachbarn Albanien einholen zu können.

Korruption ein Problem

Ein Hoffnungsschimmer ist die jugendliche Bevölkerung. Schätzungen zufolge sind 50 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt. Dies verschaffe dem Land eine sonst in Europa seltene Aufbruchstimmung.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Ausland-Kosovaren in die Heimat zurückkehren. Sie profitieren zum Teil von einer guten Ausbildung, welche sie im Ausland genossen haben, und nehmen so an der wirtschaftlichen Entwicklung Kosovos teil. Dennoch: die Jugendarbeitslosigkeit ist sehr hoch.

Vorerst locken Jobs in Politik und Verwaltung. An der Universität in Pristina boomen die Studiengänge Politologie und Jura. Die zahlreichen jugendlichen Studienabgänger hoffen, so Karriere im eigenen Land zu machen.

In der Verwaltung lauert aber eine weitere Gefahr: die Korruption. Der vor fünf Jahren erhoffte Investitionsboom ist ausgeblieben. So bremsen Korruption und fehlende Rechtssicherheit die Entwicklung des Landes.

Die Korruption sei aber nicht nur ein Problem Kosovos, gibt Malaj zu bedenken. Sie müsse in der ganzen Region mit allen Mitteln bekämpft werden.

Brüssel verlangt Einigung

Bleibt noch die Problematik im Nordkosovo. Der Streit zwischen Serbien – das Kosovo als souveränen Staat nicht anerkennt – und Kosovo ist weiterhin latent.  Serben blockieren Strassen und verwehren Zöllnern Kosovos den Zutritt zur Grenze. Schmuggel und Schwarzmarkt florieren.

Im Norden des Landes, wo rund 40‘000 Serben die lokale Mehrheit bilden, hat Pristina nichts zu sagen. Serbien unterhält hier eigene staatliche Institutionen, und Belgrad sponsert seine Landsleute mit bis zu 300 Millionen Euro im Jahr.

Genau dort setzt die Mehrheit der EU-Staaten den Hebel an. Serbien müsse aufhören, in Nordkosovo Einfluss zu nehmen, lautet die Forderung aus Brüssel. Nur dann dürfe Belgrad – aber auch Pristina – auf den EU-Beitritt hoffen.

«Der einzige Weg, um den Streit zwischen Serbien und Kosovo niederzulegen, ist der Dialog», sagt Botschafter Malaj zu SRF News online. Und ergänzt: Gespräche der beiden Staaten in der letzten Zeit hätten gezeigt, dass Veränderung möglich sei.

Euro als Zahlungsmittel

Im Februar 2008 erklärte Kosovo die Trennung von Serbien. Inzwischen haben 96 Staaten das Land anerkannt. Obwohl Kosovo nicht der Euro-Zone angehört, wird dort in Euro gezahlt. Das BIP pro Einwohner liegt bei knapp 2000 Euro. Seit Jahren liegt die Arbeitslosigkeit bei über 40 Prozent. Regierungschef ist seit 2008 der 44-jährige Hashim Thaci.

Eine Nation im Aufbau

Das Gebiet der einstigen serbischen Provinz Kosovo war mehrfach Schauplatz von Unruhen. Albaner beanspruchen als «Urbevölkerung» die ältesten Rechte, Serben betrachten die Region als Wiege ihrer Nation. Laut der OSZE sind 91 % der 1,8 Mio. Einwohner Albaner, 4 % Serben und 5 % übrige Minderheiten.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Antoinette Gasser, Kt. Uri
    Wir Schweizer haben uns den ehemaligen Flüchtlingen aus dem Kosovo weit gehend angepasst. Wir sind ja bekannt für unsere Integrationsfähigkeit. Also, lasst sie doch bei uns bleiben. Für Ruhe und Ordnung und Fortschritt in ihrem Heimatland sorgt ja unsere Armee.
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    1. Antwort von Mentor Alija, Pfaffhausen
      Sind die Schweizer wirklich bekannt für die Intergrationsfähigkeit oder evtl. selbst die Kosovo-Albaner?? Ich wusste echt nicht, dass die beste Armee der Welt, als Swiss-Armee:-) für Ruhe und Ordnung im Kosovo sorgt! Aber eins muss man sagen, die Schweiz hat Kosovo immer unterstützt und die Schweiz gilt als Muster was Völkerverschiedenheiten angeht,
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    2. Antwort von jc.heusser, erstfeld
      Hier noch etwas "Nachhilfe zu Ihrer Integration, Mentor Alija" Die Schweizer Truppen im Kosovo heissen "SWISSKOY" und Sorgen mit anderen dafür "das Ihr euch nicht gegenseitig die Köpfe einschlagt" !
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  • Kommentar von Vreni Müller, Chur
    Startschwierigkeiten? Wiso gehen nicht all die vielen, vielen Kosovaren, die hier in die Schweiz geflüchtet sind, wieder zurück? Kosovo ist frei! Kein Krieg mehr! Alles ok! Warum sind sie denn immer noch da? Diese Leute könnten ja jetzt ihrem Land helfen!
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    1. Antwort von Franz Bless, Winterthur ZH
      Gute Fragen Frau Müller, leider muss ich Ihnen sagen dass Sie Kosovo und Nördlichen Probleme überhaupt nicht kennen. Schon Morgen könnte Norden Kosovo Krieg mit den Serben ausbrechen dann wären wir wieder am selben Punkt wie in der Zeit zwischen 1996 und 2000 Wo von den Serben und deren Anhänger Täglich wehrlose Familien geplündert, verletzt und sogar getötet wurden. Mit vertuschen der vorgefallenen Taten kommt man da nicht voran
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Franz Bless: Nur diese Frage immer schön am Kochen halten. So hat man die zögerlichen Europäer an seinem Zügel und kann sicher sein, dass die Unterstützungsgelder auch in Zukunft fliessen. EU trägt die Sorge mit sich, dass wenn der Kosovo wirtschaftl. vor die Hunde geht, dass es Unruhen u. ev. Bürgerkrieg gibt. Bei diesem Szenario wäre dann Bosnien- Herzegovina der nächste Kandidat für Unruhen. Falls es dort knallt, denkt ihr dann, dass die dortigen Kroaten stille halten?
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Die Politik der EU und der USA im Kosovo ist ein Desaster und das Land wird auch in 10 Jahren nur unwesentlich weiter sein. Die Hoffnung das die in der Dispora lebenden Kosovaren zurückkehren werden ist Wunschkonzert. Je länger das wirtschaftl. Desaster in der EU anhält, destoweniger kann die Gemeinschaft Druck gegenüber Serbien ausüben. Serbien hat einen grossen, im Moment schweigenden Verbündeten, das ist Rusland, genauso wie auch Bulgarien.
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