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Schanghai-Kooperationsrat Ein ungefährlicher Rivale

In Kasachstan wurde in diesen Tagen Weltpolitik gemacht. Nicht eingeladen: der Westen. Die Analyse von Fredy Gsteiger.

Legende: Audio Schanghai-Kooperationsrat: Kein Rivale für den Westen abspielen. Laufzeit 3:09 Minuten.
3:09 min, aus Echo der Zeit vom 09.06.2017.

2001 war der Westen stark. Er hatte den Kalten Krieg gewonnen. Die Nato dehnte sich aus nach Osten, die EU ebenso. Prinzipien, die manche als westliche bezeichnen – Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte – befanden sich auf dem Vormarsch. Weltweit.

Russland und China sahen dem nicht tatenlos zu. Sie wählten den Schulterschluss, der auch zentralasiatische Länder einschloss.

Die Interessen der beiden Gründungsmitglieder dieses Schanghai-Kooperationsrats waren indes von Anfang an nicht deckungsgleich. China ging es darum, seinen Einfluss in Zentralasien zu stärken und Rohstofflieferanten an sich zu binden. Russland sah in der Organisation primär einen antiwestlichen Stosstrupp.

Ein beliebter Club

Dennoch gedeiht der Kooperationsrat aus Sicht der Initiatoren prächtig. Man legt Grenzstreitigkeiten bei, geht die islamistische Terrorismusbedrohung gemeinsam an, spannt in der Drogenbekämpfung zusammen und führt sogar Militärmanöver durch. Sie sind zwar eher eine vertrauensbildende Massnahme. Denn eine gemeinsame Sicherheitspolitik oder eine koordinierte Kommandostruktur existiert nicht mal ansatzweise.

Der Schanghai-Kooperationsrat ist aber offenkundig so attraktiv, dass er neue Mitglieder anlockt. Indien und Pakistan sind seit dem jetzigen Gipfel gar Vollmitglieder. Der Iran, Afghanistan, Weissrussland und die Mongolei stehen auf der Warteliste. Selbst die Türkei, deren Präsident dem Westen eine lange Nase drehen will, erwägt eine Mitgliedschaft.

Chinas Übermacht

Doch gerade punkto Mitgliederkreis sind sich China und Russland uneinig: Moskau will den Klub vergrössern, damit die Organisation gegenüber dem Westen mehr Gewicht auf die Waage bringt und die interne Dominanz Chinas verringert wird. Peking ist skeptisch.

Die Chinesen wiederum würden gerne milliardenschwere Fonds aufbauen für Infrastrukturausbau, Stipendien oder einen Krisenfonds. Das hingegen will Russland nicht. Es könnte bei der Finanzierung nicht mithalten; Chinas Übergewicht nähme also sogar noch zu. Die Rivalität zwischen der Supermacht und der blossen Grossmacht wird zwar von den Beteiligten stets kleingeredet, tatsächlich ist sie gross. Das stösst vor allem dem Juniorpartner Russland sauer auf.

Kein gefährlicher Rivale

Dazu kommt: Die Einigkeit im Schanghai-Rat wird geringer, je mehr Mitglieder er zählt. Und mit dem Vollbeitritt des demokratischen Indiens eignet er sich immer weniger als Allianz der Autokraten. Zumal eine solche immer weniger nötig ist. Denn das Gewicht des Westens in der Welt, demographisch, wirtschaftlich und politisch, schwindet ohnehin. Zum Teil unweigerlich, zum Teil selbstverschuldet durch den neuen US-Präsidenten.

Der Schanghai-Kooperationsrat wird dadurch längst nicht zu einem privilegierten oder gar natürlichen Partner des Westens. Ängste jedoch, es wachse da ein gefährlicher Rivale heran, sind übertrieben. Weit übertrieben.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Stanic Drago (Putinversteher)
    Unsere Hochnäsigkeit ist Grenzenlos. SCO wird bald halbe Weltbewölkerung in sich aufnehmen. Beitrittskandidaten gibt noch viel mehr. Egypten, Syrien, Serbien und Moldawien überlegen sich auch noch beizutretten. Konflikte in SCO sind vorprogramiert, aber ich errinere mich kaum an einen EU Summit wo nicht gestritten würde und Entscheidungen durchgeboxt würden. Verlust EUSA an Bedeutung, ist klar nur in letzte 130 Tage passiert und an allem ist nur Trump schuld.
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  • Kommentar von Bruno Vogt (bru.vogt)
    Eine lange Aneinanderreihung von Anschuldigungen und Behauptungen. Das Gewicht des Westens schwindet dank Trump? Aber nicht dank Obama oder Merkel? Wer hat geholfen Syrien und Libyen ins Chaos zu stürzen und damit Europa geschwächt? Und womit lassen sich solche Aussagen belegen? Ein Club der Autokraten? Das Erdogan immer autokratischer wird stört die NATO ja auch nicht. Europa muss aktiv an der Integration Eurasiens teilnehmen, wir sind teil dieses Superkontinenten und nicht teil Amerikas.
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    1. Antwort von melchior walcher (melchiorwalcher)
      Wenn wir immer weiter diesen Populisten wie Trump oder auch Blocher nachrennnen, schwindet unser Gewicht ganz automatisch. Das Chaos in Syrien stammt von Bush. Und er und seine Kumpanen stehen noch nicht einmal auf einer Fahndungsliste!! Das zb. ist ein ganz grosses Problem und Westeuropa hat dazu keine Position. Das Problem von Westeuropa ist, das es sich nicht von der USA emanzipieren kann. Denn die USA ist ein Auslaufmodel...
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    2. Antwort von Bruno Vogt (bru.vogt)
      Hr Walcher ich stimme Ihnen zu, dass sich Europa nicht von den USA emanzipiert. Das liegt daran, das europäische Spitzenpolitiker und Wirtschaftsführer dies nicht wollen. Zu verwoben und zu viele gemeinsame transatlantische Interessen gilt es zu verteidigen. Das der IS so stark werden konnte liegt am überstürzten Abzug amerikanischer Truppen aus dem Irak unter Obama. Natürlich hätte Bush niemals einmarschieren sollen, alle Präsidenten dienen schlussendlich den gleichen Interessen im Hintergrund.
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  • Kommentar von michael altorfer (altorfem)
    Interessant ist die Quintessenz dieses Artikels: Wir verlieren eh an Bedeutung, zum einen aus prinzipiellen Gründen und zum anderen wegen des US Präsidenten. Somit können wir ruhig weiter schlafen. Falsch: Wir sollten diese Konkurrenz sehr ernst nehmen und intensiv daran arbeiten mit den Eurasischen Länder gute Handelsbeziehungen zu pflegen/aufzubauen. Genauso gilt es die Chance zu nutzen, an dem von Trump angestrebtem Aufbau der USA mitzuarbeiten.
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