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International «Eine Schändung der Republik»

Zum wiederholten Mal hat sich Frankreichs Staatspräsident François Hollande am Abend an seine Landsleute gewandt. Wieder hat ein Anschlag das Land erschüttert – und wieder fordert Hollande die Franzosen zur Einheit auf. Für die tödliche Geiselnahme in der Normandie fand er deutliche Worte.

Legende: Video Auszüge aus Hollandes Rede (französisch) abspielen. Laufzeit 1:17 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.07.2016.

Nach der Geiselnahme in einer Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray hat sich am Abend Präsident François Hollande an die Franzosen gewandt.

Er sprach von einer «neuen Bewährungsprobe für die Nation». «Eine Kirche anzugreifen, einen Priester zu töten, das ist eine Schändung der Republik, die die Gewissensfreiheit garantiert», sagte er in einer im Fernsehen übertragenen Erklärung aus dem Pariser Élyséepalast.

Hollande rief das Land zur Einheit auf. «Was die Terroristen wollen, ist, uns zu spalten.» Die Regierung werde die in den vergangenen Monaten verschärften Anti-Terror-Gesetze voll anwenden. «Aber ich sage ganz klar: Unsere Rechte zu beschränken, von unseren Verfassungsregeln abzuweichen, würde nicht mehr Wirksamkeit im Kampf gegen den Terrorismus bringen, aber ganz sicher den kostbaren Zusammenhalt unserer Nation schwächen», so Hollande.

Premier spricht vom «Krieg der Religionen»

Premierminister Manuel Valls sprach von einem «Krieg der Religionen». Das Ziel des Anschlags war seiner Ansicht genau das. «Wenn sie einen Priester angreifen, die katholische Kirche, dann sieht man gut, was das Ziel ist», sagte Valls in einem Interview des Senders TF1. Es gehe darum, die Franzosen gegeneinander aufzuhetzen. Er rief die Franzosen auf, zusammenzustehen. «Unsere Antwort ist die Demokratie.»

Einschätzungen des Terrorismus-Experten Markus Kaim

 «Es ist schwer zu beurteilen, ob wir es bei dem Anschlag gegen eine Kirche mit einer neuen Stufe des Terrors zu tun haben. Wir wissen derzeit noch nicht, ob es sich um einen Anschlag handelt, der vom IS in Auftrag gegeben und vorbereitet wurde – oder ob es sich um einen Anschlag handelte, der vom IS inspiriert wurde, der Tatort und die Tatzeit aber von den Tätern selbst bestimmt wurden. Ähnliche Fälle hatten wir auch in den vergangenen Tagen schon. Deshalb müssen wir offenlassen, ob der religiöse Ort eine besondere Rolle gespielt hat. [...] Das muss man nun der Polizeiarbeit überlassen. Ich halte mich zurück, die Tat dem IS zuzuschreiben. Wenn wir doch eines aus den Anschlägen der vergangenen Wochen gelernt haben, dann das: Die Grenze zwischen politisch motiviertem Terrorismus und psychischer Krankheit oder persönlicher Instabilität ist fliessend geworden. Und vor diesem Hintergrund bin ich etwas zurückhaltend mit sehr schnellen Zuweisungen.»
Markus Kaim ist Sicherheitsexperte bei der Stiftung für Politik und Wissenschaft in Berlin. Er machte die Aussagen in der «Tagesschau».

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Schüpbach (Artio)
    "Hollande rief das Land zur Einheit auf. «Was die Terroristen wollen, ist, uns zu spalten.»" Glaube nicht unbedingt, dass die in jedem Fall so weit denken können. Zudem ist so ein Land wie Frankreich ja auch kein naturwissenschaftliches Gebilde, sondern ein menschlich-historisches Konstrukt. Und auf die Erdkugel und die Schwerkraft können auch IS-Geister keinen Einfluss nehmen.
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  • Kommentar von Bruno Janthiang (Bruno Janthiang)
    Die Geister, die die Franzosen in der Kolonialzeit und danach riefen. Und als die "Franzosen" aus den Kolonien in IHR Frankreich zogen, da hat man sie wie Dreck behandelt. Nun kommt die Antwort, weil man früher versagt hatte.
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    1. Antwort von Oliver Schaub (Oliver Schaub)
      Sie denken also, die Franzosen haben es nicht anders verdient?
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Es ist tatsächlich so, dass sich die Franzosen damals hier in Indochina sehr schändlich und arrogant benommen haben. Das stimmt leider.
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    3. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Bruno Janthiang: Und warum ging das solange bis jetzt die Rache kommt. Die Kolonialzeit ging ja bereits nach dem 2. Weltkrieg zu Ende. Die meisten Zeitzeugen sind gestorben. Warum gibt es denn keine thailändischen Terroristen, die Frankreich angreifen. Auch Thailand war eine zeitlang unter französischer Fuchtel. Und was ist mit uns Schweizern. Sollen wir uns für Niederlage in Marignano oder für die Besetzung durch Napoleons Truppen auch rächen? Sie sehen: Ein Statement voller Widersprüche.
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    4. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Thomas Leu, was speziell Thailand betrifft irren Sie sich gewaltig, das da ist hier anders verlaufen. Und die Kolonialzeit der Franzosen in Indochina ist nach der Niederlage in Dien Bien Phu endgültig zu Ende gegangen.
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    5. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Bruno Jangthiang, es sind nicht die Asiaten aus Indochina, die über Frankreich herfallen und das Land mit Terroraktionen überziehen.
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    6. Antwort von Bruno Janthiang (Bruno Janthiang)
      Herr Haller, ich habe nichts von Indochina geschrieben, das waren sie. Frankreich war sehr stark in Nordafrika und auch stark im Nordwesten von Afrika. Und darauf gehe ich aus, auf die afrikanischen Länder.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Schon wieder: 2. (!) Versuch, eine Aeusserung zu dieser Terrorwelle zu schreiben: Immer noch verurteilen die scheuklappentragenden Ideologen wichtige Politiker, Forum-Kommentatoren und sogar der französische Präsident, weil sie alle Klartext sprechen, was sich in Europa abspielt, statt sich ebenfalls den Fakten realistisch zu stellen! Diese Feststellung verletzt bei SRF offenbar das Netiquette, weil Klartext einfach gegen die bekannten "IS"-Verharmloser gerichtet ist! Unglaublich!
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