Erdogan beklagt Islamfeindlichkeit

Der weltweite Terror bringe den Islam in Verruf. Das sagte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bei der Eröffnung einer Moschee in den USA. Die Muslime machten nach den zahlreichen Anschlägen eine schwierige Zeit durch. Scharf kritisiert wurde Erdogan vom EU-Parlamentspräsidenten.

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Bildlegende: Bei der Einweihung einer Moschee zog Erdogan gegen Islamfeindlichkeit zu Felde. Keystone

Bei seinem Besuch in den USA hat der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan Islamfeindlichkeit als Reaktion auf Anschläge von Extremisten beklagt. Er kritisierte dabei auch die Rhetorik im Rennen um die US-Präsidentschaft.

«  Terrorismus hat keine Religion »

Recep Tayyip Erdogan
Präsident der Türkei

Der «Terrorismus hat keine Religion», sagte Erdogan bei der Einweihung einer komplett von der Türkei finanzierten Moschee in Lanham im Bundesstaat Maryland. Viele liessen dies aber ausser Acht.

«Hetzerische Rhetorik»

«Leider machen wir eine für Muslime schwierige Zeit durch, die durch den Terrorismus in aller Welt geschlagen sind und auf die nach den Attentaten oft mit dem Finger gezeigt wird», fügte der türkische Staatschef vor tausenden Zuhörern hinzu und nannte die Anschläge in Brüssel und Paris sowie die Anschläge vom 11. September 2001 auf die USA. Muslime zahlten «den Preis» des Argwohns wegen «einer Handvoll Terroristen».

Erdogan kritisierte dabei ausdrücklich die «hetzerische Rhetorik bestimmter Präsidentschaftsbewerber in den USA» und fuhr fort: «Leider sind wir in einer Phase zunehmender Intoleranz und Vorurteile gegenüber Muslimen in den Vereinigten Staaten und der Welt». Muslime würden pauschal als Terroristen verunglimpft.

Nicht akzeptabel

Er «beobachte mit Bestürzung und Verwunderung, dass derzeit einige Kandidaten für die Präsidentenwahl in Amerika diese Position verteidigen.» Es sei aber nicht akzeptabel, dass alle Muslime für die Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington in Verantwortung gezogen würden.

Der führende US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hatte nach einem islamistisch motivierten Anschlag im kalifornischen San Bernardino Anfang Dezember ein generelles Einreiseverbot für Muslime in die USA gefordert.

110-Millionen-Dollar-Bau

Die nun eingeweihte Moschee des islamischen Zentrums Diyanet solle «eine entscheidende Rolle» dabei spielen, die USA mit ihrem Islam auszusöhnen, sagte Erdogan. Die muslimische Gemeinschaft trage «zur Stärkung der USA» bei.

Die neue Moschee im 10'000-Einwohner-Ort Lanham wurde für rund 110 Millionen Dollar im Stil der ottomanischen Architektur des 16. Jahrhunderts erbaut. Sie soll die grösste Moschee der USA sein und hat als einzige im Land zwei Minarette.

Scharfe Kritik aus Brüssel

Erneuten Gegenwind erhielt Erdogan allerdings aus Brüssel. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf kritisiert. «Es ist nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt», sagte der Politiker der «Bild am Sonntag».

«Satire», so Schulz weiter, «ist ein Grundelement der demokratischen Kultur.» Politiker müssten damit leben, auch der türkische Staatspräsident.

Erdogan-Video polarisiert

1:05 min, aus 10vor10 vom 29.3.2016

«Grundrechtsverletzungen»

Die Türkei hat sich mehrfach wegen einer ARD-Satire beschwert, in der Erdogan wegen seines Vorgehens gegen die Meinungs- und Pressefreiheit verspottet wird. Der Umgang der Regierung in Ankara mit oppositionellen Medien steht seit längerem international in der Kritik. So wurden die Zeitung «Zaman» wie auch die Nachrichtenagentur Cihan unter Zwangskontrolle gestellt.

Zudem läuft ein Prozess gegen «Cumhuriyet»-Journalisten, denen Spionage vorgeworfen wird. «Wir dürfen zu Grundrechtsverletzungen in der Türkei nicht schweigen, nur weil wir in der Flüchtlingsfrage zusammenarbeiten», sagte Schulz.