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Bus-Unglück in Bayern «Erschreckende Bilder, die man sich kaum vorstellen kann»

Legende: Video Ein sichtlich bewegter Verkehrsminister abspielen. Laufzeit 1:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.07.2017.
  • Bei einem schweren Reisebus-Unglück auf der Autobahn A9 in Nordbayern sind 18 Menschen ums Leben gekommen.
  • 30 der insgesamt 48 Bus-Reisenden wurden verletzt, zwei von ihnen schwer.
  • Die Reisenden kamen aus der Oberlausitz und dem Grossraum Dresden. Es war offenbar eine Seniorengruppe, die an den Gardasee reisen wollte.

Der Reisebus war am Morgen in Bayern nahe bei Münchberg bei sich stauendem Verkehr auf einen Sattelzug aufgefahren und vollständig ausgebrannt. Übrig blieb nur noch ein verkohltes Gerippe des Wracks.

Die Bergung und Identifikation der Leichen war daher nicht einfach. Auch der Anhänger des beteiligten Sattelzugs geriet in Brand. Der Lastwagenfahrer erlitt einen Schock.

Die Leichen der 18 Todesopfer konnten bis am Nachmittag geborgen werden, wie die Einsatzkräfte mitteilten. Die Opfer waren nach Erkenntnissen der Polizei zwischen 66 und 81 Jahre alt. Neben einigen Senioren aus Sachsen waren laut dem sächsischen Innenstaatssekretär Michael Wilhelm auch Reisende aus anderen Bundesländern dabei. Das Ziel der Reisenden war der Gardasee.

«Was wir gesehen haben, ist erschreckend, wie man es sich kaum vorstellen kann», sagte der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt an der Unfallstelle. Die Rettungskräfte seien nur zehn Minuten nach der Alarmierung am Unfallort gewesen. Doch aufgrund der grossen Hitze hätten sie nichts mehr tun können.

Es ist noch nicht klar, wieso es zum sehr schnellen Feuer gekommen ist.
Autor: Alexander DobrindtVerkehrsminister

«Es ist noch nicht klar, wieso es zum sehr schnellen Feuer gekommen ist. Der Bus ist schräg auf den vor ihm befindlichen Lastwagen aufgefahren. Er muss sofort in Flammen gestanden haben», sagte der Verkehrsminister.

Das ist der schlimmste Unfall, den wir je auf unserem Gemeindegebiet hatten. Das ist der Wahnsinn. Das ist einfach katastrophal.
Autor: Karl Philipp EhrlerBürgermeister von Markt Stammbach

Im Bus sassen 46 Fahrgäste und zwei Fahrer. Die Reisegruppe kam aus Sachsen. Nach bisherigen Informationen handelte es sich um deutsche Staatsangehörige. Über den Reiseanbieter ist nichts bekannt.

«Unverantwortliche Autofahrer»

Verkehrsminister Dobrindt wie auch der Innenminister von Bayern, Joachim Herrmann, kritisierten das Verhalten von Autofahrern: «Wegen des unverantwortlichen Verhaltens einiger Autofahrer konnte die Rettungsgasse nicht rasch gebildet werden», sagt Herrmann. Sie hätten die Rettungskräfte behindert.

Auch die Gaffer auf der Gegenfahrbahn wurden von Herrmann kritisiert: «Sie haben sich teilweise selbst in Gefahr gebracht durch abruptes Abbremsen.»

Legende: Auf der A9 in der Nähe von Nürnberg hat sich der schwere Unfall ereignet. srf

Anteilnahme aus Berlin

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Kanzlerin Angela Merkel habe «davon mit grosser Bestürzung erfahren». Ihre Anteilnahme gelte den Opfern und ihren Angehörigen sowie den Verletzten.

13 Kommentare

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  • Kommentar von martin blättler (bruggegumper)
    Für diese explosionsartige Brandausbreitung kommt eigentlich nur die Klimaanlage in Frage.Das meistverwendete Trägermittel ist hochentzündlich und setzt beim Brennen Fluorwasswestoff frei-ein Zug genügt.Daimler-Benz und VW wurden unter Strafandrohung gezwungen,auf diesen Stoff umzustellen.Halleluja Umweltschutz.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Blättler: Das seit 2011 vorgeschriebene Kältemittel R-600a (Isobutan) ist zwar brennbar, allerdings ist die in Klimaanlagen verwendete Menge mit ca. 50 Gramm sehr gering. Isobutan ist schwerer als Luft, die Zündtemperatur liegt bei 460°C. Rein spekulativ gedacht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein aufgeschlitzter Treibstofftank oder anderweitig leicht entzündliches Gefahrengut zu brennen anfängt, um ein Vielfaches grösser als dass infolge einer zerstörten Klimaanlage ein Brand entsteht.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Ich war am vergangenen Freitag zwischen 12 bis 13 Uhr und später von 16.30 Uhr bis 18.00 auf der Autobahn von Bern - Basel und zurück unterwegs: die Hinfahrt war soweit "normal", die Rückreise war keinen Deut besser als die Situation, wie sie heute in Bayern gewesen sein muss: regelmässig stockender bis stehender Kolonnenverkehr ohne sichtbare Behinderung. Eine Rettungsgasse zu bilden wäre eine echte Herausforderung gewesen. Ich weiss schon, warum ich in der Regel mit der Bahn unterwegs bin.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Naja, von Bern nach Basel fährt man grundsätzlich mit dem Zug.... Wenn die Autobahnen zu klein sind, reicht es eben, wenn einer infolge einer engen Ausfahrt vorzeitig abbremsen muss, damit es weiter hinten zum Stau kommt. Was aber wirklich bedenklich stimmt, ist der Umstand, dass, wie letzte Woche im Raum Bern der Fall, die Polizei einen Nachmittag lang(!) dazu aufrufen muss, endlich eine Rettungsgasse zu bilden, damit Feuerwehr, Sanität, Bergungsfahrzeuge durchkommen können....
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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Anderen Quellen (Leipziger Volkszeitung) zufolge, kann auch ein Brand im Niederflur-Heckmotor diese Tragödie erst verursacht haben. Weiter wird bemängelt: „Weil Hersteller in Reisebussen noch immer leicht brennbare Materialien verbauen dürfen, haben eingeschlossene Passagiere im Brandfall keine Chance.“ Finde es persönlich völlig unverständlich, dass bezüglich verwendeter Materialien im Innenausbau, für Bushersteller nicht ähnlich strenge Auflagen gelten wie für Flugzeugbauer.
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    1. Antwort von Klaus Kreuter (Klaus Kreuter)
      Vorschnelle Statements sind nicht angebracht. Überlasst den Untersuchungsbehörden dies und man wird bald wissen was da los war. Es ist alles schlimm genug. Empörend finde ich das Verhalten der Autofahrer die keine Rettungsgasse zugelassen haben. Da sollte man knallhart durchgreifen.
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