Erste syrische Zivilisten verlassen Homs

Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer für wenige: In der syrischen Stadt Homs schweigen die Waffen. Ein paar Dutzend Frauen und Kinder konnten die hart umkämpfte Altstadt verlassen. Sie waren mit Tausenden anderen seit 600 Tagen von der Aussenwelt abgeschnitten.

Menschen gehen mit Hab und Gut durch eine vom Krieg zerstörte Strasse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Einige Zivilisten konnten die Altstadt von Homs verlassen. Reuters

In Syrien hat die Evakuierung der seit anderthalb Jahren belagerten Altstadt von Homs begonnen. Gemäss einer Einigung zwischen der Regierung und der UNO brachten Busse die ersten Zivilisten aus den umkämpften Vierteln.

Ein paar Dutzend Menschen hätten die Altstadt bisher verlassen können, sagt SRF-Korrespondent Philipp Scholkmann unter Berufung auf Berichte aus Homs. Bei den Evakuierten handle es sich vorwiegend um ältere Frauen und Männer. Auch Kinder seien dabei. Die Menschen wirkten erschöpft.

Evakuierung dauert mehrere Tage

Zunächst habe es geheissen, dass heute insgesamt 200 Frauen, Kinder und ältere Männer evakuiert werden. Die Operation solle aber offenbar über die nächsten Tage weitergehen, so Scholkmann. Die Hilfsorganisationen stünden bereit, um die Evakuierten zu versorgen. Was danach mit den Menschen geschehe, sei im Moment unklar.

Es sollen aber nicht nur Zivilisten evakuiert, sondern auch Nahrungsmittel in die Altstadt gebracht werden. «So lautet jedenfalls das Versprechen», sagt Scholkmann. Das Regime von Machthaber Baschar al-Assad habe bisher immer betont, es wolle sicher sein, dass keine Rebellen von Hilfslieferungen profitierten. Doch wie in der Praxis zwischen Zivilisten und Rebellen unterschieden werden soll, ist für Scholkmann unklar.

Waffenruhe scheint zu halten

In der Altstadt von Homs sind seit anderthalb Jahren etwa 3000 Menschen eingeschlossen, die nach Aktivistenberichten bereits hungern. Der Hilfsaktion war eine Einigung zwischen dem Assad-Regime, den Aufständischen und der UNO vorausgegangen.

Seit den Morgenstunden ist eine Waffenruhe in Kraft, die drei Tage lang gelten soll. «Nach den Berichten, die wir haben, hält die Waffenruhe im Moment», sagt Scholkmann. Nichts deute aber darauf hin, dass danach die Gefechte beendet würden.

Signalwirkung für Friedensgespräche?

Eine erfolgreiche Umsetzung der erst jetzt erzielten humanitären Vereinbarung im Zusammenhang mit Homs hätte Signalwirkung für die zweite Runde der Genfer Friedensgespräche, die am kommenden Montag beginnen soll. Der syrische Vize-Aussenminister Faisal Mekdad hat die Teilnahme an den Friedensgesprächen bestätigt, berichtet das syrische Staatsfernsehen.

Die erste Runde der Friedensgespräche war Ende Januar ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Vertreter der Regierung und der Opposition hatten in Genf heftig über die Hilfe für Homs diskutiert, ohne dass sie eine Einigung erzielten.

Krieg fordert bisher 130'000 Tote

Im syrischen Bürgerkrieg sind nach Schätzungen von Aktivisten bisher mehr als 130'000 Menschen getötet worden. Friedliche Demonstrationen gegen das Assad-Regime waren Anfang 2011 von den Sicherheitskräften blutig niedergeschlagen worden. Im Laufe der Zeit formierte sich ein bewaffneter Widerstand, der heute stark zersplittert ist.