Erster republikanischer Anwärter für die Präsidentschaftswahl?

Im traditionell demokratisch wählenden Bundesstaat New Jersey ist der republikanische Gouverneur Chris Christie mit einem Glanzresultat wiedergewählt worden. Für viele Beobachter dürfte er damit ein heisser Anwärter sein für das Rennen ums Weisse Haus im Jahr 2016.

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Bildlegende: Republikaner Chris Christie in Siegespose: Er überzeugte auch demokratische Wähler. Keystone

Der Republikaner Chris Christie hat über 60 Prozent der Stimmen geholt in New Jersey – einem demokratisch wählenden US-Staat. «Er ist ein Pragmatiker, der ein loses und freches Mundwerk pflegt, und der sehr wenig von Ideologie hält», beschreibt ihn Christoph von Marschall. Er ist diplomatischer Korrespondent des Berliner Tagesspiegels.

Christies Charakter mache ihn manchmal bei seiner eigenen Partei unpopulär, aber bei den Wählern und Bürgern mache ihn genau das besonders populär.

Pragmatismus statt Ideologie

Seine Politik steht für Pragmatismus statt Ideologie. Das ist auch die grosse strategische Frage für die republikanische Partei mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2016. Im Fall New Jersey hat ein Pragmatiker gezeigt, dass Republikaner Wahlen gewinnen können. «Es ist ein klares Signal, welche Art von Republikaner, die Mehrheit amerikanischer Bürger gerne wählen möchte und welche nicht», sagt von Marschall.

Christie wird bereits als Top-Kandidat der Republikaner für die Präsidentschaftswahl 2016 gehandelt. Bis dahin ist es aber noch eine lange Zeit. Drei Jahre bis zur Wahl und mehr als zwei Jahre bis zur Kandidatenaufstellung. Die Chancen stünden gut, aber es könne sich doch das eine oder andere noch verändern, so der diplomatische Korrespondent.

Gesundheit als politischer Gradmesser

Chris Christie hat gesundheitliche Probleme, er ist stark übergewichtig und hat sich darum vor einiger Zeit ein Magenband einsetzen lassen. Diese Tatsache werde ihm in der Politik sicher helfen, sagt von Marschall: «Weil es eben nicht nur etwas mit der Gesundheit zu tun hat, sondern es hat auch etwas mit dem Charakterbild von Christie zu tun.»

Letztlich seien die Fragen: Wie diszipliniert ist dieser Mann? Kann er seinen Esshunger und seine Freude an gutem und fettem Essen im Zaum halten? Und wird er dann – so werden Amerikaner fragen – auch diszipliniert sein in der politischen Parteiausübung? Oder lässt er da sozusagen auch seinen Freuden, Lüsten und Instinkten freien Lauf? Von Marschall ist überzeugt: «Insofern ist diese Frage, wie Christie mit seinen Gesundheitsproblemen umgeht auch eine Charakterfrage, die in der Politik eine Rolle spielen wird.»