US-Attacke in Syrien «Es könnte bei diesem einen Schlag bleiben»

Die USA haben auf den mutmasslichen Giftgas-Einsatz in Syrien reagiert. Das passe eigentlich nicht zu Trumps Strategie, sagt SRF-Korrespondentin Priscilla Imboden.

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2:47 min, vom 7.4.2017

SRF News: Wie begründet Trump diesen Schritt?

Priscilla Imboden: Mit dem Giftgasangriff auf die Zivilbevölkerung, den die USA Assad zuschreiben. Das sei eine schreckliche Tat gewesen, erklärte Donald Trump. Assad habe sich nicht an die Abmachungen gehalten, sein Chemiewaffenarsenal abzubauen. Er zeigt damit, dass er reagiert, im Gegensatz zu Obama, der bei einem weit schlimmeren Chemieangriff in Syrien auf einen Militärschlag gegen Assad verzichtete.

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Priscilla Imboden

Priscilla Imboden

Priscilla Imboden ist schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin und seit Frühjahr 2013 als USA-Korrespondentin für SRF tätig. Davor arbeitete sie während acht Jahren in der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF in Bern.

Ein Flughafen wurde angegriffen. Hat der US-Präsident auch einen weiterführenden Plan, was Syrien betrifft?

Das ist soweit nicht bekannt. US-Aussenminister Rex Tillerson erklärte, es finde keine Strategieänderung statt. Die USA kämpfen bereits in Syrien mit rund 1000 Soldaten und Kriegsflugzeugen gegen die Terrorgruppe «Islamischer Staat» (IS). Dieser Angriff ist aber der erste auf syrische Regierungstruppen. Er birgt durchaus Risiken. Wenn Assad geschwächt wird, so stärkt das den IS, was kaum im Interesse der USA ist. Insofern könnte es bei diesem einen Schlag bleiben.

«  Wenn Assad geschwächt wird, so stärkt das die Terrorgruppe Islamischer Staat, was kaum im Interesse der USA ist. »

Hat Präsident Trump für diesen Raketenangriff die Rückendeckung des Kongresses?

Ja, die hat er grösstenteils. Sowohl republikanische wie demokratische Abgeordnete begrüssen den Abschuss der Raketen auf Syrien. Das sei angemessen und gerecht. Doch es gibt auch Kritik: Tim Kaine, Hillary Clintons Vizepräsidentschaftskandidat erklärte, Trump hätte die Bewilligung des Kongresses einholen müssen.

«  Der rasche Militär-Schlag passt nicht unbedingt zusammen mit der ‹America First›-Strategie Donald Trumps. »

Präsident Trump hat Russland informiert, aber nicht in seine Entscheidung über den Angriff einbezogen. Begibt er sich damit auf Konfrontationskurs zu Putin?

Das ist wohl das grösste Risiko. Russland unterstützt die Regierung Assad und kämpft mit ihr gegen die Rebellen und gegen Islamisten, die das Assad-Regime stürzen wollen. Das Pentagon hat dem russischen Militär mitgeteilt, dass die USA den Flugplatz der syrischen Armee angreifen werden. Man wollte damit verhindern, irrtümlich russische Soldaten oder Flugzeuge zu treffen. Russland hat inzwischen auf den Angriff reagiert und sieht die militärische Kooperation mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus in Syrien infrage gestellt.

Will Trump mit dieser Aktion innenpolitisch vom schwierigen Start seiner Amtszeit ablenken?

Das ist möglich, aber schwierig zu sagen. Der rasche Militär-Schlag passt nicht unbedingt zusammen mit der «America First»-Strategie Donald Trumps. Er hat gesagt, die USA würden sich fortan nicht mehr in Konflikte einmischen, die keine direkte Bedrohung für die amerikanische Bevölkerung darstellten. Es geht keine solche direkte Gefahr vom Assad-Regime aus. Insofern ist dieser Entscheid erstaunlich. Doch wenn es bei diesem einen Schlag bleibt und wenn er nicht weitere Probleme schafft, kann Präsident Trump gegen innen und aussen Handlungsbereitschaft signalisieren, also auch gegenüber Iran und Nordkorea.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Bildlegende:Zoombare Karte auf die angegriffene Luftwaffenbasis SRF