Zum Inhalt springen

International EU-Budget: Kompromiss auf Kosten der Beamten in Brüssel?

Wie soll sich die EU bis 2020 finanzieren? Die Staats- und Regierungschefs nehmen einen zweiten Anlauf, um einen Kompromiss zu finden. Wenn sie sich einigen, dann wohl auch auf Kosten der EU-Beamten in Brüssel.

Laut einem britischen Abgeordneten verdienen in Brüssel 2000 EU-Beamte mehr als der britische Premierminister David Cameron: «Da liegen doch noch Einsparungen drin, bei den fetten Gehältern der Brüsseler Bürokraten-Bonzen.» Noch schockierender sind die Zahlen einer holländischen EU-Parlamentarierin: «5000 EU-Beamte verdienen mehr als unser Ministerpräsident. Ein Skandal!» Seit Tagen überbieten sich Politiker und Medien in Europa mit solchen Zahlen. Experten halten die Vergleiche für methodisch fragwürdig.

EU-Verwaltung warnt im Voraus

Die EU-Kommission verteidigt sich: «Die Lobbyisten verdienen viel mehr als selbst die bestbezahlten EU-Beamten», betonte der für die Verwaltung zuständige Kommissar Maros Sefcovic. Die europäischen Staaten, Anwaltskanzleien und Unternehmen schickten die besten Leute, aber niemand verrate, was diese Leute verdienen.

Die EU sieht sich jetzt schon als David im Kampf gegen den Lobby-Goliath. Einsparungen bei sich selbst hält sie darum für gefährlich: «Machen wir die EU nicht kaputt!», warnt Sefcovic. Die EU-Beamten arbeiteten länger und härter als ihre Kollegen in den Hauptstädten Europas. Trotzdem hätte die EU-Verwaltung den Abbau von 2500 Stellen angeboten. Damit könne aber nicht viel eingespart werden, denn die Verwaltungskosten machen laut Sefcovic weniger als 6 Prozent des EU-Gesamtbudgets aus: «Wer hier spart, setzt für kleine Einsparungen viel auf das Spiel.»

Das ist eine eindringliche Warnung. Doch die Staats- und Regierungschefs könnten sich bei ihren Gipfelgesprächen darüber hinwegsetzen. Denn nachdem sie einander in zähen Vorverhandlungen nur kleine Kompromisse abgerungen haben, könnte es verlockend sein, danach wenigstens einen angeblich grossen Sieg gegen die so genannten Eurokraten zu verkünden.

EU ringt um Budget

Am Donnerstag und Freitag beraten die EU-Länder das Budget für die nächsten sieben Jahre. Veranschlagt sind eine Billion Euro. Ein erster Gipfel war im November 2012 am Widerstand Grossbritanniens gescheitert. Strittig war der Ausgleich zwischen reichen und armen EU-Ländern. Weitere Kürzungen sollen die grossen Geberländer nun günstig stimmen.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

14 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von E.Wagner, Zug
    Das ist ein richtiges Kasperletheater in Brüssel und einmal mehr wird in diesem Forum die CH beworfen, weil sie eigenständig bleiben will. Aber die gleichen Schreiberlinge vergessen immer wieder, dass Geld in die EU von der Schweiz fliesst, und nicht zu knapp, als nicht EU-Mitglied und nicht umgekehrt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von K. Räschter, Schweiz
    Diese Beamten in Brüssel sind garantiert keine Armen. Die kassieren aktuell nicht gerade wenig; u.a. extrem hohe Spesen. Also wenn man diesen Beamten in Brüssel die Gehälter und vorallem Spesen auf normales Niveau runterschraubt, ist dies nur gerecht gegenüber anderen Beamten in den EU-Ländern.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Sascha Freitag, Ermatingen
    6% vom Gesamtbudget, also von einer Billion Euro! Das hätte dem einen oder anderen Pleitestaat schon ein bisschen geholfen. Wird wohl kein Beamtenabzockergesetz in der EU geben. Hat man die Zügel einmal aus der Hand gegeben, wird man sie nicht mehr vor einer Revolution bekommnen. ;) Gestern lief ein schönes Filmchen im Fernsehen, gedreht vor dem Haupteingang der Hauptzentrale der EU. Vor 8:30 war da keiner, ausser die wirklich fleissige Putzfrau.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Irmentraud Kokke, Im Zwergen Wunderland
      Ganz ohne Verwaltung geht es nun wirklich nicht. Der noch nicht festgestellte Haushalt soll im übrigen für 7 Jahre (2014-2020) reichen. Natürlich sollte er zurecht gestutzt werden. Aber restliche 94 % stünden zur Verteilung an. Und die Pleitestaaten wurden während vieler Jahre von der EU fürstlich unterstützt. Griechenland beispielsweise in Summe mit über 100 MRD.€. Was hat es genutzt? Nichts, alles versickert, suchen wir den Zaster doch mal bei Ihnen in der Schweiz !
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sascha Freitag, Ermatingen
      Natürlich braucht es eine Verwaltung, kein Thema. Wenn aber junge Leute aus Deutschland nach einem Hochschulabschluss des Geldes wegen lieber als Funktionäre in Brüssel tätig sind, muss man sich schon fragen, was da schief läuft? Genau diese Leute werden gebraucht auf dem deutschen Arbeitsmarkt, aber bei einem Anfangsgehalt, dass das 2 bis 3 fache beträgt in Brüssel, wird einem die Wahl nicht gerade schwierig gemacht. Und die Löhne bleiben dort nicht stehen wie in der Privatwirtschaft. ;...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen