Evangelischer Bischof stellt sich gegen Rechtsextremismus

Die deutschen Kirchen äussern sich in diesen Tagen so politisch und kritisch wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie kritisieren die Rhetorik in Sachen Flüchtlinge der Christlich Sozialen Union (CSU) in Bayern und beziehen ganz klar Stellung gegen die AfD.

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Bildlegende: Markus Dröge, evangelisch-lutherischer Bischof von Berlin, äussert sich klar zu der Rhetorik der AfD. Keystone/Archiv

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Ein evangelischer Bischof?

In der Schweiz gibt es keine evangelischen Bischöfe, in Deutschland schon. Das hängt mit der Ausgestaltung der Kirchen nach der Reformation zusammen. Während in der Schweiz Huldrich Zwingli der Hauptreformator war, war es in Deutschland Martin Luther. Die lutherische Kirchenstruktur gleicht der katholischen, allerdings ohne Priesterzölibat.

An diesem Sonntag predigt der evangelische Bischof von Berlin, Markus Dröge in der Bartholomäuskirche. Er nimmt kein Blatt vor den Mund. Er vergleicht die Rhetorik der AfD offen mit jener der Nationalsozialisten. Er bezieht Stellung gegen einen, wie er sagt, neuen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus.

AfD-Chefin Frauke Petry hat davon gesprochen, man müsse den Begriff völkisch wieder positiv besetzen. Denn der Begriff ist durch die Nazis dauerhaft im Sinne von Blut, Boden, Rasse und vor allem Antisemitismus kontaminiert.

«Anknüpfen an die Nazi-Ideologie»

Bischof Dröge bestätigt seine Kritik nach der Messe nochmals. Wenn Frauke Petry den Begriff völkisch rehabilitieren wolle, sagt er: «Dann ist das für mich ein ganz klares Anknüpfen an die Ideologie, an die Geisteshaltung der Nationalsozialistischen Zeit. Und da sind wir als evangelische Kirche sehr empfindlich und wir nehmen sehr klar Stellung.»

Die evangelische Kirche ist auch deshalb so empfindlich, weil sich Teile der Kirche – die sogenannten Deutschen Christen – in den dreissiger Jahren von den Nazis instrumentalisieren liessen. Die Hakenkreuzfahne in der evangelischen Kirche war gang und gäbe. Geburtsregister von jüdischen Kindern wurden herausgegeben.

«Postfaktisches Zeitalter»

Es ist aber nicht nur die AfD, die in der Kritik des Bischofs steht. «Offensichtlich gehen im Moment die Positionen in der Flüchtlingspolitik sehr stark auseinander, besonders, was die CSU angeht.» Der bayerischen CSU wirft er vor, «dass sie in der Frage der Flüchtlingspolitik sehr stark auf die vermeintlichen Ängste der Bevölkerung eingehen und dabei auch Thesen übernehmen, die sonst von Rechtspopulisten vertreten werden.»

Bischof Dröge beobachtet, dass sehr stark Emotionen, und weniger die Fakten die Diskussion bestimmen, gerade auch von der CSU. Er kann seine Aussage auch statistisch untermauern. «Wir haben gerade eine sozialwissenschaftliche Untersuchung herausgegeben, die deutlich macht, dass die Akzeptanz der Flüchtlinge, und die Motivation, ihnen zu helfen, fast gar nicht gesunken ist. Obwohl die Ängste vor Terroristen da sind.»

Angela Merkel hat in diesem Zusammenhang unlängst von einem postfaktischen Zeitalter gesprochen.

Deutsche Kirchen sind sich einig

Die Kritik von Seiten der Kirche beschränkt sich nicht auf die evangelische Kirche. Auch die Katholische Kirche hat sich sehr dezidiert geäussert. «Da ist unsere Linie sehr klar und da passt auch keine Linie zwischen evangelischer und katholischer Kirche in Deutschland.»

Namentlich der katholische Kardinal Rainer Maria Woelki aus Köln hat der katholischen CSU unchristliches Verhalten vorgeworfen. Aber der Einfluss der Kirchen scheint nicht mehr so gross wie früher, denn die CSU kann es sich offenbar leisten, von der katholischen Kirche kritisiert zu werden.