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International Exit-Polls in der Ostukraine: 81 Prozent für Rebellenführer

Die prorussischen Separatisten haben in der Ostukraine Wahlen durchgeführt. Laut Nachwahlbefragungen hat der Rebellenführer Sachartschenko vier von fünf Stimmen erhalten. Der ukrainische Präsident nannte den Urnengang eine Farce.

Legende: Video Wahlen in der Ostukraine abspielen. Laufzeit 00:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.11.2014.

Die prorussischen Separatisten haben im Konfliktgebiet der Ostukraine Wahlen durchgeführt. Die Proteste der ukrainischen Regierung wie auch zahlreicher westlicher Staaten im Vorfeld änderten daran nichts. Nun liegen die ersten Resultate der Nachwahlbefragungen vor. Laut diesen hat der Rebellenführer Alexander Sachartschenko über 81 Prozent der Stimmen erhalten.

Alexander Sachartschenko
Legende: Alexander Sachartschenko ersetzte am 8. August 2014 Alexander Borodai als Ministerpräsident der «Volksrepublik» Donezk. Reuters/archiv

Die Wahlen in den selbst ernannten «Volksrepubliken» Lugansk und Donezk waren ruhig verlaufen, die Menschen konnten weitgehend ungestört zu den Urnen gehen. Dafür sorgten auch zahlreiche bewaffnete Sicherheitskräfte. Wie SRF-Korrespondent Christof Franzen berichtet, gingen allerdings nicht alle Wähler ganz freiwillig an die Urnen. Einige der über 400 Wahllokale blieben geschlossen, weil es in einigen Orten zu neuen Kämpfen zwischen der ukrainischen Armee und Aufständischen kam.

Keine internationalen Wahlbeobachter

In Teilen des umkämpften Gebietes haben Regierungstruppen die Kontrolle. Sie liessen – wie auch die Separatisten vor einer Woche bei der ukrainischen Parlamentswahl – keine Abstimmung zu. Internationale Wahlbeobachter waren bei den Abstimmungen nicht zugegen.

Menschen bei Gemüsekörben hinter einem Armee-Lastwagen
Legende: Wahl-Motivator: Wer gewählt hat, erhält billiges Gemüse. Zu symbolischen Preisen: Ein Sack Kartoffeln kostet 10 Rappen. Keystone

Bereits Stunden vor Urnenschluss verkündeten die Wahlleitungen eine hohe Wahlbeteiligung. Ergebnisse werden allerdings erst für Montag erwartet. Die meisten Wahllokale sollten bis 20 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) geöffnet bleiben. Wegen des grossen Andrangs wurde allerdings im Gebiet Lugansk die Stimmabgabe um zwei Stunden verlängert – bis 22 Uhr Ortszeit.

Russland provoziert weiter

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko kritisierte den Urnengang als «Pseudowahlen, die von Terroristen und Banditen auf besetztem Gebiet» organisiert worden seien: «Es ist eine Farce vor den Mündungen von Panzerrohren und Gewehrläufen, die heute die beiden Terrororganisationen in Teilen des Donbass aufgeführt haben.»

Die Wahlen verstiessen gegen das Abkommen von Minsk, das auch Russland unterzeichnet habe. Weil Kiew die Wahlen als Gesetzesbruch sieht, hat der Geheimdienst ein Strafverfahren «wegen des Versuchs der Eroberung der Staatsmacht» eingeleitet.

Auch die EU und die USA verurteilten die Wahl als nicht legitim. Dagegen haben führende russische Politiker die Wahlen für gültig erklärt. Die Staatsduma in Moskau erkenne die Wahl an und wolle mit den neuen Volksvertretungen zusammenarbeiten, sagte Franz Klinzewitsch von der Kremlpartei Geeintes Russland.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan Berger, BE
    Gerade so gut könnte man in einem von IS besetzten Gebiet die Leute befragen ob sie für oder gegen den IS stimmen. Das Ergebnis wäre klar ersichtlich: Wer keinen Kopf mehr hat war dagegen. Da keine Wähler in der Ostukraine erschossen worden sind, kann man davon ausgehen, dass sich alle an die Vorgabe der Rebellen gehalten haben. Wer will schon seinen Kopf riskieren in einem Konfliktgebiet, das von Kriminellen besetzt und von einem russischen Geheimdienstler im Würgegriff gehalten wird.
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    1. Antwort von F georgi, Zürich
      Sie haben ja absolut Recht Herr Berger. Aber seien wir doch mal ehrlich: vor ein paar Monaten war die Ostukraine absolut bedeutungslos für Europa und darin hat sich auch absolut nichts geändert. Ob da in Donezk irgendwer irgendwen wählt oder nicht ist so bedeutungslos wie wenn da ein Sack Kartoffeln umfällt. Es ist natürlich traurig für die Leute dort, obwohl es vielen sicherlich egal ist ob sie in einer Demokratie oder Diktatur leben. Uns kann es am Ende wurscht sein. Die Welt ist nicht fair
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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Putin hat erreicht was er wollte. Seine Taktik ist aufgegangen. Was der Rest der Welt dazu sagt, interessiert ihn nicht. Er braucht den Zugang , bald wird sich Putin bei einer anderen Gelegenheit wieder sehr zurückhalten und sich nicht einmischen. So wird sein Ansehen wieder an Gewicht zulegen
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Wahlen in der Ostukraine? Wer erwartet da, dass an diesen auch nur ein Haar an Legitimation gelassen wird oder dass man in Richtung neutral darüber benachrichtigt wird? Auch wenn sich in dieser Geschichte der Westen in fast sämtlichen Schwerpunkten als der agierende Schurke entlarvt hat, ändert das nichts und man fährt im gleichen Stil weiter. Erinnert an die kompromisslos sture Dummheit, die sonst vor allem bei Tyrannen zu beobachten ist.
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    1. Antwort von David Neuhaus, Winterthur
      Danke Herr Weiler es gibt einem Hoffnung zu sehen, dass es doch etliche Mitbürger gibt, die sich nicht von der plumpen Propaganda in unseren Medien manipulieren lassen und das Rückgrad und den Mut besitzen dagegen anzuschreiben.
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