Fall Blatter: Bundesanwaltschaft schlägt in Frankreich zu

Die Bundesanwaltschaft hat im Rahmen des Strafverfahrens gegen Sepp Blatter Büros des französischen Fussballverbands in Paris durchsuchen lassen. Beschlagnahmt wurden Dokumente im Zusammenhang mit der Zahlung von zwei Millionen Franken an Uefa-Präsident Platini.

Nachdenklicher Blatter mit Hand an der Stirn und nach unten gerichtetem Blick. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Blatter wird verdächtigt, Uefa-Präsident Platini illegal zwei Millionen Franken bezahlt zu haben. Keystone

  • Büros des französischen Fussballverbands in Paris durchsucht
  • Dokumente zum Verfahren gegen Sepp Blatter sichergestellt
  • Schweizerische Bundesanwaltschaft hatte Rechtshilfe beantragt und war vor Ort

Die Finanzstaatsanwaltschaft Frankreichs hat am Dienstag die Büros des französischen Fussballverbands durchsucht. Anwesend war auch die Schweizerische Bundesanwaltschaft (BA), die Frankreich um Rechtshilfe im Strafverfahren gegen Sepp Blatter gebeten hatte.

Bei der Durchsuchung wurden Dokumente im Zusammenhang mit der illegalen Zahlung an Michel Platini beschlagnahmt, wie die BA mitteilt. Sie betonte aber, «für Joseph Blatter gilt wie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung».

Fall Blatter-Platini: Razzia in Frankreich

0:23 min, vom 9.3.2016

Verdacht auf ungetreue Geschäftsführung

Am 24. September 2015 hatte die BA wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsbesorgung und eventuell wegen Veruntreuung ein Verfahren gegen den bisherigen Fifa-Präsidenten eröffnet. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Uefa-Präsident Michel Platini unrechtmässig zwei Millionen Franken zu Lasten der Fifa bezahlt zu haben.

Gemäss den Ermittlern besteht neben der angeblich treuwidrigen Zahlung an Platini der Verdacht, dass Blatter im September 2005 mit der Caribbean Football Union – deren Präsident der im US-Verfahren der Korruption und der Geldwäscherei beschuldigte Jack Warner war – einen für den Weltfussballverband Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat.

Blatter bestreitet unrechtmässige Zahlung

Zudem wird Blatter verdächtigt, bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der Fifa respektive der Fifa Marketing & TV AG verstossen zu haben.

Blatter hat die Vorwürfe immer bestritten und die Zahlung an Platini mit geleisteten Diensten des Uefa-Präsidenten für die Fifa zwischen Januar 1999 und Juni 2002 begründet. Platini selbst hatte damals die Zahlung bestätigt und sie wie Blatter mit vertraglich vereinbarten Leistungen für die Fifa gerechtfertigt.

Blatter und Platini sind inzwischen von der Ethikkommission und der Rekurskammer der Fifa gesperrt worden. Beide kündigten an, die Sperren ans Sportgericht in Lausanne weiterzuziehen. Die Rekurskammer hat die Sperre gegen Blatter um zwei auf sechs Jahre gesenkt.

Getrennte Verfahren in der Schweiz und den USA

Die Schweizer Behörden untersuchen die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Katar. Im US-Verfahren geht es um Medien-, Marketing- und Sponsoring-Rechte für Fussballturniere in den USA sowie in Lateinamerika.

Die amerikanischen Behörden und die Bundesanwaltschaft arbeiten jedoch eng zusammen. So wurden in Zürich Ende Mai und im Dezember 2015 auf Ersuchen der USA insgesamt neun Fifa-Funktionäre festgenommen. Die Schweiz hat sie zum Teil bereits an die USA ausgeliefert. Zudem sperrte das Bundesamt für Justiz auf Ersuchen der US-Behörden 80 Millionen Dollar auf Schweizer Bankkonten.