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International Familiensynode offenbar zu «mutigen» Schritten bereit

Die Bischofssynode im Vatikan schwenkt auf die Zielgerade ein. Der Papst möchte eine offene Diskussion über heikle Themen wie Scheidung, Homo-Ehe und Verhütung. Die Zwischenbilanz aus Rom fällt allerdings zwiespältig aus. Werden die Entscheide der Würdenträger mit ihren Worten Schritt halten?

Der Papst segnet ein Kind, das ein Mann zu ihm hochhebt
Legende: Papst Franziskus hört vor allem zu: Die Kirchenoberen diskutieren im Vatikan über die Haltung der Kirche zu Familie und Sexualität. Keystone

Eine Woche mit intensiven Beratungen liegt hinter den Bischöfen im Vatikan. Es geht um heikle Fragen für die katholische Weltkirche: Soll sie Geschiedenen, die wieder geheiratet haben, weiter die Kommunion verweigern? Wie geht sie mit Homosexuellen um? Wie sehr belastet Armut in den Krisengebieten der Welt den familiären Zusammenhalt?

Der Papst hat gefordert: Redet offen und hört zu. Nun liegt ein zwölfseitiger Zwischenbericht vor, über den bis zum Wochenende beraten wird. Erste grobe Linien zeichnen sich ab.

«Neue pastorale Wege» vonnöten

Der Text macht deutlich: Die Mehrheit der Teilnehmer will «mutige Entscheidungen» und ist offen für neue Wege - doch wie dies konkret aussehen könnte, bleibt abzuwarten. So etwa beim Umgang mit homosexuellen Paaren. Hier heisst es in dem von Kardinal Peter Erdö verfassten Bericht, die Kirche könne ihre Beziehungen nicht mit der Ehe gleichsetzen. Gleichzeitig wird jedoch auch die Möglichkeit erwähnt, Homosexuelle in der Gemeinde brüderlich aufzunehmen.

Auch der Umgang mit Geschiedenen, die ein zweites Mal geheiratet haben, wurde von den knapp 200 «Synodenvätern» in Rom kontrovers diskutiert. Die Teilnehmer hätten die Dringlichkeit «neuer pastoraler Wege» erkannt, schreibt Erdö. Eine allgemeine Lösung werde es in diesem Thema aber wohl nicht geben.

Kein «Alles oder Nichts»

Genau das spiegelt den grundsätzlichen Tenor wider: Die Kirche diskutiert über neue Wege - doch die Grundsätze ihrer Lehre werden weiter gelten. Eine Logik nach dem Motto «Alles oder Nichts» sei nicht angebracht, heisst es. Alles oder Nichts, ein klares Ja oder ein klares Nein, das ist von den katholischen Bischöfen im Abschlusspapier der Synode am kommenden Samstag wohl nicht zu erwarten. Auch wenn der Zwischenbericht aufhorchen lässt, die geltenden Dogmen und Verbote dürften kaum aufgehoben, ihre Absolutheit aber aufgeweicht werden, meint SRF-Korrespondent Massimo Agostinis.

«Man muss Geduld haben, um gemeinsam Dinge zu ändern und gemeinsam zu wachsen», mahnte der italienische Bischof und Sondersekretär der Synode, Bruno Forte. «Gewisse Dinge, vor allem, wenn sie nicht leicht sind, können nicht in einem Moment gelöst werden.» Konkrete Entscheidungen wird es frühestens 2015 geben, wenn im Oktober erneut die Synode zur Familie tagt.

Wirklichkeitsferne der Kirche

Zur Erinnerung: Die Bischöfe treffen sich in Rom, weil die Kirche ihre Lehre zu Familie und Sexualität überprüfen will. Denn viele Gläubige - das hatte eine Umfrage zuvor gezeigt - können die Haltung ihrer Kirche in manchen Fragen von Ehe, Familie und Sexualität nicht nachvollziehen, empfinden sie als zu weit weg von der Wirklichkeit. Geschiedene oder Homosexuelle fühlen sich oftmals als Katholiken zweiter Klasse.

Doch nicht nur diese viel beachteten und für die katholische Kirchen heiklen Themen spielen auf der Synode eine Rolle. Zur Sprache kamen auch seelsorgerische Herausforderungen bei Polygamie (Vielehe), Eheschliessungen von Angehörigen verschiedener Glaubensrichtungen oder die Bedrohung der Familien durch Armut und Krieg.

Auflösung der Familien, Einsamkeit der Kinder

So kommt aus Asien der Wunsch, Fragen zu interreligiösen Hochzeiten zu regeln, die dort an der Tagesordnung sind. «Interreligiöse Ehen und die tägliche Frage, wie man die Kinder aufzieht, sind in Asien eine grosse Frage», erklärte Kardinal Luis Antonio Tagle, Erzbischof von Manila.

Ein weiteres Anliegen etwa der indischen Kirche ist die Auflösung der Familien, da viele junge Menschen ins Ausland gehen. Aus Argentinien, dem Heimatland des Papstes, kommt die Sorge um die Einsamkeit vieler Kinder.

Hört man Teilnehmer und Beobachter zu möglichen «Fraktionen» bei den Diskussionen in der Synodenaula, heisst es: Es werde durchaus kontrovers diskutiert, aber Parteien gebe es nicht.

«Freie Synode, blockierte Information»

Kritik gibt es an der Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans. So beklagte der Vatikanist Marco Politi in einem Beitrag für die linke Zeitung «il Fatto Quotidiano», dass vom Papst einerseits schonungslose Offenheit gefordert worden sei, für die Öffentlichkeit aber vieles im Dunkeln bleibe. «Freie Synode und blockierte Information», so sein Tenor. Hintergrund ist, dass die einzelnen Redebeiträge nicht publiziert werden; vielmehr veröffentlicht der Vatikan Zusammenfassungen der Beratungen.

Und wie tritt der Papst bei den Beratungen auf? «Der Papst hört nur zu», sagte Pater Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, seinem Sender. «Während der einzelnen Beiträge schweigt der Papst nicht nur, sondern hört sehr aufmerksam zu und gibt nicht zu erkennen, ob er das gut findet oder schlecht findet.»

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Dem Gerber, dem die Felle davon zu schwimmen drohen, befestigt sie besser.. Die kath Kirche mit ihrem gewaltigen Verlust an "Glaeubigen" versucht nun Dasselbe.. Wenigstens mal ein Papst, der erkennt, was zu tun waere.. wenn "man" ihn laesst!
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  • Kommentar von L.Kernen, Tokyo
    Ich finde es gut, dass sich die Kirche offen und ehrlich Gedanken zu diesen Themen macht und sich damit auseinander setzt, wie damit umzugehen ist. Das heisst aber nicht, dass sie deswegen ihren Glauben und die Autorität der Bibel verleugnen wird. Der Schöpfer steht über dem Geschöpf, und weiss besser was gut für uns ist. Vertrauen wir einem guten Gott, der nicht Spielverderber ist, sondern seinen eigenen Sohn für dich hingegeben hat (Johannes 3,16).
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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Die Botschaft des Papstes Franziskus habe ich verstanden: Dauerküssen und Füsse waschen. Leider wurde Joh. Paul II beim Attentat innerlich so schwer verletzt, dass er am Schuss nur noch dahin siechte. Vor diesem Attentat war er jedoch ein Power-Mann, der den ganzen Ostblock auf den Kopf stellte, er hatte ein mitreissende Ausstrahlung und war bibeltreu in der Theologie. Mit Dauerküssen kann man diesen Papst nicht ersetzen.
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    1. Antwort von G.Beretta, Bern
      sie haben vergessen die Verbindung von Joh.P II zu den Generälen/Diktatoren in Latein Amerika zu erwähnen, und seine nähe zum Opus dei, mit der römischen mafia (banda della magliana); seine Freundschaft mit Marcinkus und dass er evtl mit der Entführung einer 15 jährigen, Tochter eines Vatikan angestellten etwas zu tun hatte. Ohne zu vergessen dass er absolut nichts gegen die pädophile in der Kirche gemacht hat. wirklich ein power mann…….
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