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International «Farage würde selbst über Glasscherben zur Urne kriechen»

Es ist so weit. Heute stimmen die Briten über das historische Brexit-Referendum ab – darüber, ob das Vereinigte Königreich in der Europäischen Union bleiben soll oder nicht. SRF-Korrespondent Martin Alioth fühlt den Puls der Insel und fängt dabei markige Sprüche ein.

Nigel Farage vor einem Union Jack.
Legende: Nigel Farage vor einem Union Jack. Der Vorsitzende der UK Independence Party ist ein «Brexiteer». Keystone

SRF News: Wie ist die Stimmung unter den Briten am heutigen Tag des Urnengangs?

Martin Alioth: Die Anti-Europäer können es kaum erwarten. Für sie ist das der jahrzehntelang ersehnte Tag. Er würde selbst über Glasscherben zur Urne kriechen, sagte einer ihrer Anführer, Nigel Farage, gestern. Die EU-Freunde sind dagegen eher misstrauisch. Wenige von ihnen sind leidenschaftlich. Sie sorgen sich um die wirtschaftlichen Konsequenzen eines Austritts aus der EU. Der Rest ist schlicht erleichtert, dass der Tag der Entscheidung endlich da ist. Die Debatte hat ja nicht nur Wochen oder Monate gedauert, sondern 43 Jahre sind seit dem letzten britischen EU-Referendum vergangen.

Die EU-Spitze hat sich bisher nur sehr zurückhaltend zum Brexit geäussert. Gestern Nachmittag hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker aber gesagt, es werde keine neuen Verhandlungen geben, «out is out». Wie kam das an?

Teilweise wurde das sicher erneut als Einmischung und als Drohung seitens der EU empfunden. Aber es ist auch Wasser auf die Mühlen von Premierminister David Cameron. Er hat nämlich genau dieses Argument in den letzten 48 Stunden mehrfach vorgebracht.

Was sagen denn die letzten Umfragen voraus?

Es ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Drei neue Umfragen sind seit heute Morgen auf dem Markt: 43 zu 41 Prozent respektive 44 zu 42 für den Austritt ist das Ergebnis der ersten zwei. Und es gibt noch eine dritte, breitere Umfrage, die den EU-Freunden einen deutlichen 8-Punkte-Vorsprung prophezeit. Wir sind also so schlau wie zuvor.

Wie läuft das Referendum heute ab?

Die Urnen sind von 8 bis 23 Uhr Schweizer Zeit geöffnet. Die Zahl der Wahlberechtigten ist mit 46,5 Millionen so hoch wie nie zuvor. Es bleibt abzuwarten, wie viele von ihnen an die Urne gehen, wo die Stimmbeteiligung hoch ist und wo nicht. Davon hängt das Resultat ab. Morgen früh um 6 Uhr Schweizer Zeit erwarten wir einen Eindruck davon, wohin der Hase läuft.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Sobald klar ist, dass Grossbritannien in der EU bleiben wird, beginnt die mediale Abrechnung gegen Nigal Farage. Ein gewaltiges Trommelfeuer wird auf ihn niederprasseln, je höher die Zustimmung zum Verbleib, desto heftiger der Beschuss. - Dabei wird ganz vergessen, dass es Cameron war, der die BREXiT-Abstimmung ermöglichte um damals die Wahlen gewinnen zu können.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (robo)
    Auch hier, weit von England entfernt, blasen die Medienleute einheitlich ins gleiche Horn: Dass die EU-Befürworter gewinnen werden! Dazu können fettgedruckte Ueberschriften nicht verunglimpfend und unsachlich genug sein: Nigel Farage ist zum Hassobjekt Nummer EINS geworden! Schadenfreude ist für uns Schweizer Aussenseiter fehl am Platz! Bei uns erginge es (und auch künftig) genau gleich: Die SVP würde bei einer EU-Rahmenvertrags-Abstimmung als das "aller letzte" Uebel fertig gemacht, wie die UK!
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