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International Fast zwei Drittel der Iren sagen Ja zur Homo-Ehe

Historischer Volksentscheid: Als erstes Land liess Irland das Volk über die gleichgeschlechtliche Ehe abstimmen. Da Ja zur Homo-Ehe fiel überaus deutlich aus.

Legende: Video Irland sagt Ja zur Homo-Ehe abspielen. Laufzeit 1:33 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.05.2015.

1,2 Millionen Iren sagten beim historischen Urnengang Ja zur Verfassungsänderung, welche die gleichgeschlechtliche Ehe ermöglicht. Damit sprachen sich 62,1 Prozent der Stimmenden für die Homo-Ehe aus. Dies teilte die Wahlkommission am Abend mit.

Eine Menschenmenge mit Regenbogenfahnen.
Legende: In einzelnen Bezirken der Hauptstadt Dublin sprachen sich bis zu 80 Prozent für die Homo-Ehe aus. Keystone

Bereits die ersten Auszählungen hatten im Verlaufe des Tages gezeigt, dass die Hauptstadt Dublin den Vorschlag mit überwältigender Mehrheit angenommen hat. Auch in anderen Städten zeichneten sich früh klare Mehrheiten für die Befürworter ab, während die ländliche Bevölkerung weit knapper entschied. Nur in vereinzelten Dörfer wurden Nein-Mehrheiten beobachtet.

Minister mit Coming-Out

Die Gegner gratulierten den Befürwortern zu ihrem Sieg. «Glückwunsch an die Ja-Seite. Gut gemacht», sagte der Leiter der Gegenkampagne, David Quinn, und räumte damit die Niederlage ein.

Die Regierung von Premierminister Enda Kenny hatte sich vehement für die Zulassung der Homo-Ehe eingesetzt. «Das ist ein grosser Tag für Irland», sagte Gesundheitsminister Leo Varadkar. Er hatte erst im Januar seine eigene Homosexualität öffentlich gemacht. «Für mich persönlich ist das nicht nur ein Referendum, sondern eine soziale Revolution.»

Entscheidend für das klare Ergebnis war die ungewöhnlich hohe Stimmbeteiligung, die 60 Prozent erreichen könnte. Allein 60'000 Menschen hatten sich eigens für die Abstimmung ins Wahlregister eingetragen. Dazu trugen auch zahlreiche irische Emigranten bei, die für diesen Urnengang aus aller Welt heimgekehrt waren.

Angesichts der Tatsache, dass die Homosexualität in Irland erst 1993 entkriminalisiert wurde, und dass es erst seit 2011 eingetragene Partnerschaften gibt, ist der Meinungsumschwung bemerkenswert.

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

88 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Gratulation an Irland, somit sind wir nach gut 2000 Jahren Unterdrückung durch die Kirche, fast wieder bei den Römer angekommen. Zeit für die Schweiz endlich auch liberaler zu werden, um ihre antiquierten Gesetze zu revidieren.
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Eines sei klargestellt: Irland ist keineswegs das erste Land der Welt mit diesem neuen Gesetz. Das war schon im Römischen Reich so und auch die alten Römer hatten das von den Griechen übernommen. Nur ging es nicht über eine Abstimmung wie jetzt, das ist der einzige Unterschied. Vor allem unter den Patriziern in Rom nahmen die Homo-Ehen derart überhand, dass Kaiser Augustus vorübergehend ein neues Gesetz einführte, das die jungen Männer zur Heirat mit einer Frau verpflichtete.
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    1. Antwort von C. Szabo, Thal
      An anderer Stelle habe ich schon einmal kommentiert, dass sich gewisse antike Reiche über das "moderne" Europa wundern würden. Ein in der Natur ganz normales Verhalten haben wir ihn unserem Kulturkreis (auch mit Hilfe der Kirchen) kriminalisiert. Und die Aufhebung von anti-Homo-Gesetze in der EU ist wenige Jahre her (z.B. in DE Gesetz § 175 etc.). Europa brauchte also ziemlich lang bis zum heutigen Zustand.
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    2. Antwort von Erwin Jenni, Ottikon
      @Szabo: Nicht alles was die alten Römer praktizierten war gut. U.a. zerfiel das unsterbliche - ewige Rom an den Auswüchsen der Sexualität und der Sittenlosigkeit der Oberschicht. Sodom und Gomara lässt grüssen, oder nicht alles was erlaubt ist, ist automatisch gut.
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    3. Antwort von C. Szabo, Thal
      @E. Jenni: Das Römische Reich zerfiel aus vielerlei Gründen. Die römische Oberschicht war dekatent. Die Sexualität hatte damit nur am Rande zu tun. Hauptgründe waren eher die Überheblichkeit gegenüber den römischen Provinzen und besetzten Gebieten, das überbordende Sklavensystem und Streiteren innerhalb der Regierenden und anderen Eliten. Die "Brot und Spiele"-Shows lenkte das Volk von erheblichen Problemen im Staat ab. Die Provinzen fühlten sich von Zentralrom verarscht und verraten.
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  • Kommentar von Christa Wüstner, Reinach
    Das war eine interessante Sonntagslektüre. Habe mich köstlich amüsiert. Lasst doch die Menschen leben wie sie wollen. Was geht es mich an, wie mein Nachbar lebt, ich begegne ihm als Menschen wie jedem anderen auch. Aber einmischen , Ordnung schaffen wollen nach seinen Vorstellungen, liegt fast in allen Menschen.
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