FCKW-Verbot: Ein Erfolg mit starken Nebenwirkungen

Das Montreal-Protokoll von 1987 ist eines der erfolgreichsten Umweltabkommen. Es verbietet Stoffe, die die Ozonschicht schädigen und hat dafür gesorgt, dass sich das Ozonloch inzwischen schliesst. Doch das Abkommen hat unliebsame Nebenwirkungen. Eine Konferenz in Ruanda sucht derzeit nach Lösungen.

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Bildlegende: Klimaanlagen an einer Fassade in Singapur: Die Geräte sind weit verbreitet – und wichtiger Teil des Problems. Reuters

Für einmal handelte die Weltgemeinschaft schnell: Wenige Jahre, nachdem das Ozonloch über der Antarktis entdeckt worden war, beschloss sie das Montrealer Protokoll. Es schrieb vor, dass die Industrie nach und nach auf ozonschädigende Stoffe verzichten musste. Ersetzt wurden die Ozonkiller – die FCKW – in Kühlmitteln, Spraydosen und Isolierschäumen darauf hin mit den unschädlichen FKW.

Unschädlich sind die FKW allerdings nur fürs Ozon, nicht aber fürs Klima. «Es gibt Berechnungen, dass diese FKW in der Mitte dieses Jahrhunderts eine Erwärmung von bis 0,5 Grad Celsius ausmachen könnten», sagt der Atmosphärenchemiker Thomas Peter von der ETH Zürich. «Es handelt sich also um einen signifikanten Effekt.»

Eine Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad entspräche einem Viertel jener zwei Grad, die die Weltgemeinschaft im Pariser Klima-Abkommen als alleroberste Grenze der Erwärmung festgelegt hat.

Tausendfach stärker als CO2

Die FKW heizen das Klima derart massiv an, weil manche von ihnen tausendfach stärkere Treibhausgase sind als das bekannte CO2. Darum soll das Montrealer Protokoll nun ergänzt werden und auch die FKW verbieten. «Man könnte auch sagen, es ist das schlechte Gewissen, das hier zutage tritt», sagt Experte Thomas Peter. «Man hat eine Stoffgruppe in die natürliche Umwelt eingebracht, die es vorher gar nicht gab und die nur aufgrund der Auswirkungen des Montrealer Protokolls entwickelt worden ist.»

Allerdings regte sich das schlechte Gewissen nicht eben schnell, sagt Clare Perry von der Environment Investigation Agency (EIA), einem Umwelt-Think-Tank. Der Einsatz von FKW steige global stark an, vor allem aber in Entwicklungsländern, sagt Perry, die die Verhandlungen des Montrealer Protokolls seit Jahren begleitet.

Schuld sind auch die Klima-Anlagen

Schuld daran sind etwa Klima-Anlagen, die sich wegen der rasch wachsenden Mittelschichten in Asien und Südamerika immer mehr Menschen leisten können. Doch gerade Länder wie Indien, Pakistan und die Golfstaaten sträubten sich seit etwa acht Jahren gegen ein Verbot der FKW, sagt Clare Perry.

Manche Entwicklungsländer zögerten, weil sie immer noch dabei seien, die ursprünglich im Montrealer Protokoll verbotenen Stoffe – die FCKW – auszusondern, sagt Perr. Tatsächlich gibt das Protokoll armen Ländern dafür mehr Zeit als den Industrieländern. Dass die Entwicklungsländer nun ebenfalls die Ersatzstoffe ersetzen, ginge ihnen zu schnell.

Es gibt Bewegung

Doch nun gibt es Bewegung. Die bisherigen Gegner eines FKW-Verbots haben ihr Einlenken signalisiert. Geholfen haben dabei zwei Entwicklungen. Zum einen habe der erfolgreiche Abschluss des Pariser Klima-Abkommens positiv gewirkt, sagt Clare Perry. Hilfreich sei auch die Tatsache, dass es mittlerweile immer mehr Ersatzstoffe für die FKW gebe. So schränkten etwa die EU und auch die Schweiz den Einsatz von FKW bereits ein.

Ein Erfolg bei den Verhandlungen kommende Woche in Ruanda ist greifbar. Wie genau er ausfällt, ist allerdings noch offen. Eine Gruppe von etwa hundert Ländern schlage vor, dass der Einsatz von FKW global ab 2021 zurückgehen müsse, sagt Perry. Es gebe aber auch den Vorschlag Indiens, damit erst 2031 zu beginnen. Welche Lösung im Verhandlungspoker gewinnen wird, ist noch nicht abzusehen.