Zum Inhalt springen

International Festnahmen nach Mord an jungem Palästinenser

Nach dem mutmasslichen Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen sind in Israel sechs Verdächtige festgenommen worden. Dabei soll es sich um «jüdische Extremisten» handeln, so eine offizielle Quelle, die aufgrund einer Nachrichtensperre anonym bleiben wollte.

Demonstranten mit Fahne vor Foto des Getöteten
Legende: Der 16-jährige Palästinenser wurde offenbar bei lebendigem Leibe verbrannt. Nun wurden sechs Verdächtige festgenommen. Reuters

Im Fall des in Ost-Jerusalem entführten und ermordeten palästinensischen Jugendlichen sind «jüdische Extremisten» als Tatverdächtige festgenommen worden. Entsprechende Medienberichte wurden von einer offiziellen israelischen Quelle bestätigt, die aufgrund einer Nachrichtensperre anonym bleiben wollte. Da die Ermittlungen noch andauerten, könne sich die Zahl der Festgenommenen noch ändern, hiess es zudem.

Legende: Video Israel sucht nach den Tätern abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.07.2014.

Der Junge war am Mittwochmorgen verschleppt worden. Stunden später wurde seine verbrannte Leiche nahe einem Waldstück im Westteil der Stadt entdeckt. Man geht davon aus, dass es sich um einen Racheakt für die Entführung und Tötung dreier israelischer Schüler handelte.

Laut am Samstag veröffentlichten Autopsie-Ergebnissen wurde der Junge offenbar bei lebendigem Leib verbrannt. Gemäss palästinensischem Generalstaatsanwalt seien in der Luftröhre und in der Lunge des 16-Jährigen Spuren von Rauch gefunden worden. Das zeige, dass er Rauch eingeatmet habe, als er noch am Leben war.

Cousin verprügelt

Derweil wurde bekannt, dass ein Cousin des 16-jährigen getöteten Palästinensers offenbar von israelischen Polizisten misshandelt worden ist. Der Junge ist US-Staatsbürger palästinensischer Herkunft und war mit seinen Eltern zu Verwandten nach Jerusalem gereist.

Der 15-Jährige soll offenbar am Rande von Protesten in Jerusalem von Polizisten geschlagen worden sein. Die israelische Justizministerin sprach nach Angaben der Zeitung «Maariv» von einer «sehr schwerwiegenden Tat von Männern in Uniform».

Ein Jugendlicher mit Verletzungen im Gesicht
Legende: Die Familie des 15-Jährigen hat ein Foto aus dem Spital veröffentlicht. Derzeit sitzt der Junge in israelischer Haft. Keystone

Im Internet kursiert ein Video, auf dem zu sehen war, wie israelische Grenzpolizisten wiederholt auf einen maskierten Jugendlichen einschlagen und ihn danach wegtragen. Später ist der Jugendliche in der Aufnahme mit blauem Auge und geschwollener Lippe zu sehen. Der Jugendliche wurde am Sonntag freigelassen und unter Hausarrest gestellt.

Die USA haben die umgehende Untersuchung der Prügelattacke gefordert. Israelische Medien zitierten Vertreter der Grenzpolizei mit dem Vorwurf, das Video sei «manipuliert» worden. Insgesamt seien bei dem Vorfall sechs maskierte Palästinenser festgenommen worden, von denen drei mit Messern bewaffnet gewesen seien. Sie hätten sich der Festnahme widersetzt und die Polizisten angegriffen.

Erneute Protestaktionen

Am Samstag waren in der Region erneut Proteste aufgeflammt. Nach Medienberichten steckten vermummte Palästinenser in der Kleinstadt Kalansawe Reifen in Brand.

Militante Palästinenser schossen weitere Raketen auf israelische Ortschaften. Die israelische Luftwaffe griff ihrerseits in der Nacht zum Sonntag Hamas-Ziele im Gazastreifen an.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

32 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Seit 14. Mai 1948 (sich die letzten britischen Streitkräfte aus Palästina zurückzogen) und David Ben Gurion die israelische Unabhängigkeitserklärung verlas, steht das Land faktisch im Dauerkrieg mit den Nachbarn. Noch in der Gründungsnacht erklärten Ägypten, Jordanien, Libanon, Irak Syrien und Saudi-Arabien Israel den Krieg. Hier hat sich die intern. Weltpolitik unserer "kurzsichtigen" Väter, selber ein riesen Kuckucksei ins Nahost-Nest gelegt. Das Ding ist heute noch nicht ausgebrütet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter H., Zürich
    Die Selbstwahrnehmung Israels kann man mit der eines Geisterfahrers vergleichen der sich darüber beschwert, dass so viele Falschfahrer entgegenkommen..
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Erika Hoffman, Eschweiler
    alles furchtbar festgefahren . und nun auch noch Kinder als Opfer . ich kann nur beten, egal an wen, dass endlich die Vernunft siegt. wie schrieb aber der Spiegel : Netanaju will nicht Frieden mit den Palästinensern, also kommen diese Untaten gerade recht. Kauf ich! Wer leidet besonders ? - wie immer die Unschuldigen!!! Warum nicht unter einem Dach in Frieden wohnen können ? was ist daran unmöglich? Jedem seinen Glauben zugestehen und einem Nachbarn ein guter Nachbar sein und umgekehrt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      Ja, es gibt viele Opfer und jedes ist zu viel! Aber Frieden ist eine Brücke, die von beiden Seiten gebaut werden muss, sonst kann man sie nicht begehen! Und wir müssen wohl etwas mehr als nur ausgerechnet den 'Spiegel' lesen. Netanjahu den Friedenswillen abzusprechen und gleichzeitig die Friedensbemühungen untergrabende Hamas wegzulassen, ist hier nicht angebracht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen