Fifa sperrt früheren Vize Warner lebenslänglich

Die Ethikkommission des Fussball-Weltverbandes hat Jack Warner lebenslänglich gesperrt. Der frühere Fifa-Vizepräsident aus Trinidad und Tobago hat gemäss der Kommission eine Hauptrolle rund um illegale Zahlungen gespielt. Fifa-Präsidentschaftskandidat Zico fordert derweil rasche Klarstellungen.

Jack Warner verlässt das Gericht in Port of Spain. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Jack Warner verlässt das Gericht nach einem Verhör in Port of Spain, der Hauptstadt von Trinidad und Tobago. Keystone

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Auslieferung von Eduardo Li

Auslieferung von Eduardo Li

Das Bundesamt für Justiz hat das Auslieferungsgesuch der USA für den Costa Ricaner bewilligt. Li ist einer der sieben Fifa-Spitzenfunktionäre, welche Ende Mai in Zürich festgenommen wurden. Der Präsident des Verbandes Costa Ricas galt als designiertes Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees.

Jack Warner habe in seiner Zeit als Funktionär eine Hauptrolle beim Anbieten, Annehmen und Akzeptieren von illegalen Zahlungen gespielt – so der Schluss der Fifa-Ethikkommission. Letztere hat den ehemaligen Fifa-Vizepräsident aus Trinidad und Tobago nun lebenslänglich für jegliche Tätigkeiten im Fussball gesperrt.

Die Entscheidung, die durch den deutschen Richter Hans-Joachim Eckert als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer verkündet wurde, sei auf Basis der Untersuchungen der WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar) erfolgt. Chefermittler Cornel Borbély ermittelte seit Januar 2015 gegen den früheren Präsidenten des Kontinentalverbandes CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik), der in seinem Heimatland derzeit gegen eine Auslieferung in die USA kämpft.

Warner gehört dort zu den angezeigten Fifa-Funktionären, denen ein Strafverfahren droht. Er trat im Juni 2011 als Fifa-Funktionär zurück. «Herr Warner hat kontinuierlich viele und verschieden Verfehlungen begangen», teilte die Kommission mit.

Warners Name tauchte auch in der Strafanzeige gegen Fifa-Präsident Joseph S. Blatter auf. Dem Schweizer wird vorgeworfen mit Warner, damals Präsident des karibischen Verbandes KFU, im Jahr 2005 einen für die Fifa ungünstigen Vertrag abgeschlossen zu haben.

Präsidentschaftskandidat Zico verlangt «sofortige Klarstellungen»

Nach der Einleitung eines Strafverfahrens gegen Joseph Blatter hat der frühere brasilianische Nationalspieler Zico von der Ethikkommission des Fussball-Weltverbandes «sofortige Klarstellungen» verlangt. «Vor allem deshalb, weil es den Uefa-Präsidenten und Vorkandidaten für die Fifa-Präsidentschaft, Michel Platini, betrifft», schrieb das einstige Fussballidol in einem offenen Brief auf seiner Facebook-Seite. «Die Fifa-Ethikkommission kann sich nicht ihrer Verantwortung entziehen!», fügte der selbsternannte Fifa-Präsidentschaftskandidat an .

Bisher keine Massnahmen der Ethik-Kommission gegen Blatter

Blatter und Platini hatten am Montag nochmals betont, nichts Illegales getan zu haben. Blatter hatte sich vor Fifa-Mitarbeitern in Zürich geäussert. Wenig später erklärte sein früherer Intimus Platini in einem in drei Sprachen verschickten Brief an die europäischen Mitgliedsverbände, sich wegen umstrittener Millionen-Zahlungen durch Blatter der Fifa-Ethikkommission stellen zu wollen.

Er habe das im Fokus stehende Einkommen «den zuständigen Behörden vollumfänglich und wie gesetzlich vorgesehen deklariert», schreibt Platini im Brief.

Brief von Platini

Weiterhin unklar blieb, wann die Ethikkommission des Weltfussballverbandes Ermittlungen und mögliche Konsequenzen gegen den eigenen Präsidenten oder Platini publik macht.

Eine Suspendierung Blatters hätte den vorzeitigen Amtsverlust des 79-Jährigen zur Folge.

Sperren durch Fifa-Ethikkommission: Strafen im Überblick

Sperren durch Fifa-Ethikkommission: Strafen im Überblick
29. Sept. 2015
Jack Warner (lebenslang)
9. Juli 2015
Chuck Blazer (lebenslang)
6. Juli 2015
Harold Mayne-Nicholls (sieben Jahre)
1. Juni 2015
Enrique Sanz, Jean Guy Blaise Mayolas, Badji Mombo Wantete
(alle provisorisch bis auf Weiteres)
28. Mai 2015
Aaron Davidson (provisorisch bis auf Weiteres gesperrt)
27. Mai 2015
Jeffrey Webb, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Jack Warner,
Eugenio Figueredo, Rafael Esquivel, José Maria Marin, Nicolas Leoz,
Daryll Warner, Chuck Blazer (alle provisorisch bis aus Weiteres gesperrt)
12. Mai 2015
Reynald Temarii (acht Jahre)
27. Nov. 2014
Alberto Colaco (drei Jahre)
10. Nov. 2014
Edmond Bowen (drei Jahre)
15. Okt. 2014
Ganesh Thapa (provisorische 120-Tage-Sperre, verlängert um 90 Tage
am 20. März 2015)
13. Juni 2014
Franz Beckenbauer (provisorische 90-Tage-Sperre, widerrufen am
27. Juni 2014)
30. April 2013
Vernon Manilal Fernando (erst acht Jahre, dann lebenslang)
17. Dez. 2012
Mohamed bin Hammam (lebenslang)
17. Nov. 2010
Amos Adamu (drei Jahre), Reynald Temarii (ein Jahr, Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro)

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Vetternwirtschaft bei der Fifa

    Aus Rundschau vom 30.9.2015

    Die undurchsichtigen Geschäfte der Fifa, die Rundschau mit weiteren Enthüllungen: Funktionäre des Weltfussball-Verbandes vergaben höchst lukrative Verträge zu Dumpingpreisen an Freunde und Verwandte. Es ging um millionen-schwere Deals für die Fussballweltmeisterschaften in Russland und Katar. Fachleute fordern jetzt eine Ausweitung der Untersuchungen durch die Ermittlungsbehörden.

  • FOKUS: Ist dies das Ende von Platini?

    Aus 10vor10 vom 25.9.2015

    Die Bundesanwaltschaft hat auch den UEFA-Chef Michel Platini vernommen. Er soll eine dubiose Zahlung in Millionenhöhe von Sepp Blatter erhalten haben. «10vor10» fragt den Fifa-Experten Jean François Tanda, ob dies das Ende von Platini sei.