Firmenchefs segnen Bestechung häufig ab

Korruption in der westlichen Welt, kein Thema? Wer so denkt ist auf dem Holzweg. Erstmals hat die OECD die länderübergreifende Korruption unter die Lupe genommen. Der Befund ist eindeutig: Grosse Firmen zahlen die meisten Bestechungsgelder – und das in der Regel mit Wissen der Geschäftsleitung.

Bankmitarbeiter unter Regenschirm stehend mit einer Aktentasche in der Hand. Tram im Vordergrund Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Häufig waren Finanzinstitute in Übersee in Bestechungsfälle verwickelt. Keystone

Bestechungsgelder grosser Unternehmen fliessen oftmals im Wissen der Geschäftsführung. Empfänger sind zumeist ausländische Behörden. Zu diesem Schluss kommt eine OECD-Studie. Insgesamt wurden über 400 Fälle von länderübergreifender Korruption untersucht im Zeitraum von 1999 bis 2013.

Die meisten Zahler und Empfänger von Bestechungsgeldern stammten aus wohlhabenden Staaten. Das Ziel der Bestechung sei es, Verträge mit staatseigenen oder staatlich gelenkten Unternehmen zu schliessen, stellt die OECD fest. Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • 427 Fälle länderübergreifender Korruption wurden untersucht. Zwei Drittel der Vorfälle ereigneten sich in den vier Bereichen Rohstoffindustrie (19 Prozent), Baugewerbe (15 Prozent), Verkehr und Lagerung (15 Prozent) sowie Kommunikation (10 Prozent).
  • Im Durchschnitt flossen knapp 14 Millionen US-Dollar pro Bestechungsfall.
  • In 41 Prozent der Fälle wurde die Bestechung von Führungskräften vorgenommen oder abgesegnet, in 12 Prozent war die Unternehmensleitung involviert.
  • Angestellte staatseigener Betriebe führen die Liste derer an, denen Geld versprochen oder gezahlt wurde. Weit oben auf der Bestechungsliste stehen auch Zollbeamte sowie Mitarbeiter von Gesundheits- und Verteidigungsbehörden. In 5 Prozent der Fälle waren aber auch Staats- und Regierungschefs, beziehungsweise Minister Ziel von Bestechung. Sie bezogen gar 11 Prozent aller illegalen Zahlungen.
  • 31 Prozent der Untersuchungen resultierten aus Selbstanzeigen. 2 Prozent wurden durch Whistleblower ausgelöst. 5 Prozent wurden durch Medien aufgedeckt.
  • In 57 Prozent der Fälle ging es um Bestechungsgelder im öffentlichen Sektor.
  • In 75 Prozent der Fälle waren Vermittler verwickelt. Dies können beispielsweise Anwälte, Finanzinstitute in Übersee, Berater, Makler oder örtliche Vertriebspersonen sein.
  • 80 Personen wurden zu Haftstrafen verurteilt. Die längste Strafe betrug 13 Jahre. 38 Personen wurden zu bedingten Haftstrafen verurteilt.
  • 261 Mal wurden Geldstrafen für Einzelpersonen und Unternehmen ausgesprochen. Die höchste Busse für ein Unternehmen betrug rund 2,4 Milliarden US-Dollar. 149 Millionen US-Dollar Strafe war der höchste Betrag in einem Korruptionsfall einer Privatperson.
  • Im Durchschnitt dauerten die Ermittlungen pro Fall 7,3 Jahre. In einem Fall dauerte es 15 Jahre, bis eine endgültige Entscheidung der Justizbehörden vorlag.
  • 69 Prozent der Fälle wurden durch juristische Vergleiche beendet. Bei 31Prozent kam es zu Verurteilungen.

Für OECD Generalsekretär Angel Gurrià ist klar: «Korruption schwächt Wachstum und Entwicklung. Wer sie ausübt oder von ihr profitiert, muss zur Rechenschaft gezogen werden.» Wirtschaftskriminalität vorzubeugen müsse im Zentrum der Unternehmensführung stehen.

Korruptionsbericht der OECD

5:33 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.12.2014

Die OECD fordert deshalb: Regierungen weltweit sollten die Strafen bei Auslandsbestechung und Korruption verschärfen. Aber auch der Schutz der Informanten müsse gestärkt werden.