Konflikt auf den Philippinen Flucht aus der Hölle

Kriegszustand in Marawi

  • Seit sechs Tagen herrscht in der südphilippinischen Stadt Marawi Kriegszustand. Islamistische Rebellen und Regierungstruppen bekämpfen sich in den Strassen.
  • Bis jetzt sind mindestens 105 Menschen ums Leben gekommen. 61 Extremisten, 20 Soldaten und mindestens 24 zivile Opfer. Der Katastrophenschutz geht von einer noch höheren Opferzahl aus.
  • Zivilisten werden zudem von Dschihadisten hingerichtet. Die Gotteskrieger halten Dutzende Menschen als Geiseln.
  • Bis zu 90 Prozent der rund 200'000 Stadtbewohnern ist auf der Flucht. Mehr als 2000 Bürger sollen in umkämpften Stadtbezirken in der Falle sitzen.

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat vergangene Woche das Kriegsrecht über die gesamte Insel Mindanao verhängt. Er droht aber damit, das Kriegsrecht auf das ganze Land auszuweiten. Damit wolle er verhindern, dass die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) auf den Philippinen weiter an Einfluss gewinnt.

Lokale Kämpfer – aber auch Dschihadisten aus dem Ausland

Bei den Dschihadisten handelt es sich überwiegend um Angehörige einer lokalen Terrorgruppe namens Maute, die dem IS Treue geschworen hat. Darunter sind aber auch Mitglieder der Terrorgruppe Abu Sayyaf, die seit vielen Jahren durch die Entführung von Ausländern international Schlagzeilen macht.

Nach Angaben eines philippinischen Militärsprechers haben sie Unterstützung von Islamisten aus anderen asiatischen Staaten wie Singapur, Indonesien und Malaysia. Von den bislang getöteten Rebellen stammt demnach rund ein Fünftel aus dem Ausland. Wie eng die Kontakte zum IS tatsächlich sind, ist jedoch umstritten.

Vereinigung der Terrorgruppen

Die Gefechte in Marawi begannen, nachdem Sicherheitskräfte ein Haus angriffen, in dem sie Isnilon Hapilon vermuteten, einen Kommandanten der Islamistengruppe Abu Sayyaf und Anführer des philippinischen IS-Ablegers.

Fahndern zufolge will dieser alle Gruppen vereinen, die dem IS die Treue schwören. Die USA haben auf Hapilon ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Die Verhaftung Hapilons misslang jedoch, die Terroristen überrannten Marawi. Das war ihre Rache.

Das sagt Südostasien-Korrespondentin Karin Wenger:

Laut der Regierung kontrollieren die Soldaten inzwischen zwar den grössten Teil von Marawi, die Kämpfe sind jedoch nicht vorbei. Das weckt Ängste. Die Angst zum Beispiel, dass die islamistischen Terroristen im Süden des Landes immer stärker werden, oder die Angst, dass Präsident Duterte die falschen Prioritäten gesetzt hat. Denn statt sich um die brutalen Islamisten zu kümmern, verhandelte er mit den viel schwächeren kommunistischen Rebellen. Und statt sein Augenmerk auf Mindanao zu richten, wo seit Jahrzehnten muslimische Separatisten für mehr Rechte kämpfen, galt seine ganze Aufmerksamkeit dem Krieg gegen Drogen. Der Angriff auf Marawi ist nun ein Weckruf.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Gefechte auf den Philippinen

    Aus Tagesschau vom 26.5.2017

    Bei Kämpfen zwischen Armee und islamistischen Rebellen in der philippinischen Stadt Marawi sind mindestens 46 Menschen getötet worden. Tausende flüchten aus dem Kampfgebiet.

  • Duterte verhängt Kriegsrecht in den südlichen Philippinen

    Aus Tagesschau vom 24.5.2017

    Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat im Süden des Landes das Kriegsrecht verhängt. Anlass ist eine bewaffnete Aktion islamistischer Rebellen in einer Grossstadt der Region.