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International Flüchtlingslager auf Lesbos von Feuer zerstört

Der Brand in der Einrichtung in Moria wurde vermutlich von Insassen gelegt. Tausende Flüchtlinge haben deshalb das Lager verlassen.

Legende: Video «Brand in Flüchtlingslager auf Lesbos» abspielen. Laufzeit 0:13 Minuten.
Vom 20.09.2016.

Nach einem Brand im Flüchtlingslager «Moria» auf der griechischen Insel Lesbos von gestern Abend sind die mehr als 3000 Bewohner geflohen. Rund 150 Minderjährige, die in dem Lager untergebracht waren, wurden in eine Einrichtung für Kinder auf der Insel gebracht.

Starke Winde hatten das Feuer angefacht. Nach Polizeiangaben wurde es möglicherweise absichtlich gelegt. Bereits am frühen Abend war es im Hotspot zu Auseinandersetzungen zwischen Bewohnern mit verschiedenen Nationalitäten gekommen. Dabei wurde laut Medienberichten auch das Feuer gelegt. Inzwischen wurde bekannt, dass 18 Leute verhaftet wurden.

Am späten Montagabend berichteten griechische Medien dann, im sogenannten Hotspot seien Gerüchte über die drohende Abschiebung von Migranten in die Türkei kursiert, weshalb es zu Aufständen und Brandstiftung gekommen sei.

Das Feuer konnte noch am Abend unter Kontrolle gebracht werden, verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand. Ein Grossteil des Lagers soll nach Augenzeugenberichten aber den Flammen zum Opfer gefallen sein.

Legende: Video «Tausende Flüchtlinge ohne Unterkunft» abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 20.09.2016.

Griechischen Aufnahmezentren in der Kritik

Das Insel-Portal «Lesvos News» berichtete, dass immer mehr Flüchtlinge aus dem Lager geflohen seien und sich auf den Weg zur Inselhauptstadt Mytilini gemacht hätten. Die Migranten fordern, nach Athen reisen zu dürfen.

Die Flüchtlinge werden in den griechischen Hotspots festgehalten, um im Rahmen des europäisch-türkischen Flüchtlingspakts zurück in die Türkei abgeschoben zu werden. Das Lager Moria gehört zu den grössten des Landes.

Menschenrechtsgruppen kritisierten in der Vergangenheit immer wieder die prekären Verhältnisse in den griechischen Aufnahmezentren, besonders auf Lesbos und anderen Ägäis-Inseln. So leben auf insgesamt fünf griechischen Inseln mehr als 13'000 Flüchtlinge, obwohl die Einrichtungen nur für knapp 8000 Menschen ausgelegt sind.

Die Situation auf den Inseln (Hotspots und weitere Lager, Stand 20.9.16)

Hotspots und weitere Lager, Stand 20. September 2016
InselKapazitätFlüchtlinge und Migranten
Lesbos35005708
Chios11003726
Samos
850
1513
Leros1000731
Kos10001714

22 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Unedan (D. Unedan)
    Ich habe Moria gesehen diesen Sommer. Wer unschuldige, traumatisierte Leute in einem solchen Lager einsperrt und ihnen jede Hoffnung nimmt, der provoziert eine solche Reaktion. Erstaunlich ist nur, dass es so lange ging bis die Situation eskaliert! Es ist nicht möglich Lesbos in Richtung europäisches Festland zu verlassen, wenn die hellenische Regierung dies verweigert: Wieso muss man die Flüchtlinge denn zusätzlich inhaftieren?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Da werden Gerüchte gestreut. Daraus entstehen Frust und Panik. Und in dieser aufgeheizten Stimmung gehen Menschen unterschiedlicher Kulturen aufeinander los. Wie früher bei Volksfesten, nur in Gross und mit dramatischen Folgen. Und damit schiessen sich diese Menschen ins eigene Bein. Die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen, wird gesellschaftlich immer verpönter. Verurteile werden zur Tatsache.
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  • Kommentar von Thomas Leu (tleu)
    Die NATO und der UNO-Sicherheitsrat sollen endlich den Krieg in Syrien beenden, dann braucht es keine solchen unsäglichen Lager mehr.
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