Fortschritte in der Klimapolitik, aber reicht das?

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat 120 Staats- und Regierungschefs ein Bekenntnis zum Kampf gegen die Erderwärmung abgerungen. Viele Staaten machten auch konkrete Zusagen. Allerdings: Vielfach war die Rhetorik stärker als der konkrete Wille zu handeln.

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Klimagipfel der UNO beendet

1:02 min, aus Tagesschau am Mittag vom 24.9.2014

Man sei nicht nach New York gekommen um zu reden, sondern um zu handeln, sagte Gipfel-Gastgeber Ban Ki-Moon. Das gelang seiner Ansicht nach. Der Klimagipfel habe sehr konkrete Zusagen gebracht. Und nie zuvor hätten sich so viele Staats- und Regierungschefs zum Handeln verpflichtet.

So sagte etwa Frankreich eine Milliarde Dollar für den Klimafonds zu, in den bisher bloss Deutschland eine bedeutende Summe einbezahlt hat. Oder Norwegen will Liberia mit 150 Millionen helfen. Die EU setzt sich neue, ehrgeizigere Klimaziele: EU-Kommissionschef José Manuel Barroso kündigt an, dass die Länder der EU bis 2030 40 Prozent ihrer Treibhausgasemissionen und 30 Prozent ihres Energieaufwands einsparen würden. Bis 2050 sollen sogar bis zu 95 Prozent der Emissionen eingespart werden.

Und US-Präsident Barack Obama verspricht einen Aktionsplan zur Reduzierung des Schadstoffausstosses, wenn auch erst für Anfang nächstes Jahr. Und vor allem will er China in die Verantwortung einbinden. Die beiden grössten Volkswirtschaften und Klimaschädiger müssten mit gutem Beispiel vorangehen, sagte er. Tatsächlich sicherte Peking erstmals energisches Handeln zu und eine massive Schadstoffreduzierung, allerdings erst ab 2020 und «im Rahmen der eigenen Fähigkeiten».

Die beschlossenen Massnahmen

Die Zerstörung der Regenwälder bis 2030 beenden
Die Lebensmittelproduktion verbessern
Den Anteil von Elektrofahrzeugen in Städten erhöhen
Bis Ende 2015 mehr als 200 Milliarden Dollar sammeln, um Klimaschutz-Initiativen zu finanzieren (u.a. Umstieg von Entwicklungsländer auf erneuerbare Energien, Wappnung gegen Hitzewellen, Dürreperioden oder den Meeresspiegelanstieg)
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Weltklimagipfel 2015

Die am diesem Gipfel getroffenen Massnahmen sind nicht bindend. Allerdings soll am nächsten Klimatreffen in Paris ein umfassendes Klimaabkommen geschlossen werden. Dazu werden Vertreter aus 200 Nationen erwartet.

Immerhin: Man kann es eine Art Durchbruch nennen. Doch gerade die USA müssten noch mehr tun, sagt der parteiunabhängige US-Senator Bernie Sanders zu SRF; zumal die Amerikaner die Gefahr des Klimawandels inzwischen begriffen hätten. Aber die Republikaner lehnten trotzig jegliche wissenschaftlichen Erkenntnisse ab und würden Obama ständig Knüppel zwischen die Beine werfen.

Camerons Selbstlob

Doch nicht nur China und die USA bewegen sich nur langsam. Von Indien, Brasilien oder Russland war gar nichts Konstruktives zu hören. Und Grossbritanniens Premier David Cameron lobte sich primär selber, er führe jetzt schon die grünste Regierung, die sein Land je gehabt habe.

Doch das Klima ändere sich rascher als man etwas dagegen tue, sagte Obama zu recht. Dieser Satz gilt, trotz Fortschritten, auch nach dem Klimagipfel.