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International Frauen und Kinder warten auf Evakuierung aus Homs

Die Syrien-Konferenz in Genf tritt auf der Stelle. Der grosse Streitpunkt bleibt die künftige Rolle von Staatschef Baschar al-Assad. Bis jetzt einziges Ergebnis: Die eingeschlossenen Menschen in der Stadt Homs sollen Hilfe erhalten. Doch selbst diese humanitäre Geste lässt auf sich warten.

Die Vertreter der syrischen Opposition wollen, dass Staatschef Assad abtritt und dass sich die Verhandlungen darauf konzentrieren. Das syrische Regime will davon nichts wissen: Seine Vertreter sprechen nur vom Kampf gegen Terroristen und wollen internationale Anerkennung dafür. Über diesen Punkt sind die Syrien-Verhandlungen in Genf auch am sechsten Tag nicht hinaus.

Hilfe blockiert

Selbst kleinste humanitäre Verbesserungen wie die Versorgung der Eingeschlossenen von Homs lassen bisher auf sich warten. Ein Lastwagenkonvoi mit Hilfsgütern wartet ausserhalb der Stadt.

Das Welternährungsprogramm stünde bereit. Und auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz könnte sofort Hilfe leisten, wie die IKRK-Delegation in der syrischen Hauptstadt Damaskus bestätigt. Doch noch immer fehlen die nötigen Garantien.

Kein Ende der Belagerung in Sicht

Am Sonntag schienen die Konfliktparteien, die in Genf verhandeln, noch zu einer humanitären Geste bereit. Das Regime habe zugestimmt, dass Frauen und Kinder die belagerte Altstadt von Homs verlassen könnten. Ein erster positiver Schritt.

Ein Mann, zwei Frauen und ein Kind gehen eine von Schutt gesäumte Strasse entlang.
Legende: Zivilisten hoffen, die Hölle von Homs bald verlassen zu können. Reuters

Vertreter der syrischen Opposition aber dementierten bald, äusserten die Befürchtung, dass Assads Truppen danach nur umso hemmungsloser gegen die verbliebenen Rebellen in der abgeriegelten Zone vorgehen würden. Sie verlangten statt der Evakuierung von Frauen und Kindern ein vollständiges Ende der Belagerung. Oder zumindest humanitäre Korridore und damit Zugänge für Hilfsgüter.

3000 bis 6000 Menschen in Altstadt eingeschlossen

Nawraz Sammour leitet von Damaskus aus das Hilfswerk der Jesuiten in Syrien. Auch er hat keinerlei Zugang zu den Notleidenden, ist aber seit Beginn der Belagerung in Kontakt mit einem niederländischen Glaubensbruder, der mit Zivilisten und Rebellen in der Altstadt ausharrt.

Offenbar seien die letzten Vorräte aufgebracht. Die Lage der Eingeschlossenen sei dramatisch, sagt Sammour. Vor einigen Tagen tauchte im Internet eine Videobotschaft seines Glaubensbruders auf. Der Jesuit sprach darin vom Hunger in Homs. Von Kranken und Verletzten, denen nicht geholfen werden könne.

Es geht ums das älteste Quartier im Zentrum der Altstadt. Die allermeisten sind längst geflohen. Doch 3000 bis 6000 Menschen harren gemäss Schätzungen aus. Auch das IKRK hat seit über einem Jahr keinen Zugang mehr zu den Eingeschlossenen. Der Rest der drittgrössten Stadt Syriens ist weitgehend unter der Kontrolle von Assads Truppen.

Strategisch wichtig

Homs gilt als eine der Geburtsstätten des Protests. Hier fanden einige der ersten und grössten Kundgebungen gegen das Regime statt wie auch einige der schwersten Gefechte. Assads Truppen bombardierten früh und ohne Rücksicht die Rebellenquartiere.

Die Industriestadt liegt auf einer entscheidenden strategischen Achse für das Regime. Sie verbindet Damaskus mit den alawitischen Küstengebieten, Assads Stammlanden. Und sie liegt an der Autobahn in die Handelsmetropole Aleppo im Norden.

Appell des IKRK

Doch Homs sei deswegen kein Einzelfall, sagt Sammour. Die Not sei gewaltig in verschiedenen Gegenden Syriens. Im Norden etwa belagern auch Rebellen Wohnquartiere, während in und um Damaskus die Armee offensichtlich mehrere aufständische Quartiere abschnürt.

Das IKRK appelliert dringend an alle Kriegsparteien, Zugang zur notleidenden Bevölkerung zu ermöglichen. Dazu bräuchte es in jedem Einzelfall verschiedene und verbindliche Garantien im Terrain – wegen der verworrenen Kriegslage und der zersplitterten Rebellenfronten.

Doch bisher gibt es dafür noch nicht einmal ein eindeutiges Bekenntnis vom Genfer Verhandlungstisch.

brut;lin

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5 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    2) Und warum ist Saudi Arabien nicht bei den Verhandlungen vertreten? Diese hätten den entscheidenden Einfluss auf die islamistischen Einheiten, sowohl ideologisch als auch finanziell.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Saudi Arabien hat kein Interesse daran, dass der Krieg aufhört und Assad an der Macht bleibt (was den Todfeind Iran stärkt). Deshalb ist Saudi Arabien der Hauptgeldgeber für diese ganzen sunnitischen Terroristen von Al-Nusra bis ISIS. Ohne saudisches (und katarisches) Geld wäre Syrien niemals so eskaliert. Saudi Arabien ist der grösste Unruhestifter in der ganzen islamischen Welt, von Mali und Libyen bis Aegypten, Syrien und Afghanistan. Die Saudis wollen das weltweite Wahhabi-Kalifat.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    1) Gespräche sind immer gut. Ebenso ist es das Interesse der internationalen Gemeinschaft, wie auch immer verschieden deren Ideen sind, aber es ist ein Zeichen, dass alles was geschieht, wahrgenommen wird. Weder werden Assads Menschenrechtsverbrechen noch die der Rebellen ignoriert oder reingewaschen. Allerdings bestehen doch Zweifel, ob die Vertreter der Opposition Einfluss auf die Kämpfer vor Ort in Syrien ausüben können.
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  • Kommentar von Reto Huber, Zürich
    Man sollte um ganz Syrien eine grosse Mauer bauen und warten bis den Leuten die Kampflust vergeht.
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