Skandal um 1MDB-Staatsfonds Gefängnis für Schweizer Banker in Singapur

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«Die Hauptakteure sind andere»

Ein Singapurer Gericht hat einen Schweizer Bankmanager wegen Geldwäscherei zu 28 Wochen Gefängnis und einer Busse von rund 91‘000 Franken verurteilt. Er ist der erste Ausländer, der im Skandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verurteilt wird.

Falsche und unterdrückte Informationen

Das Gericht legt dem früheren Niederlassungsleiter der Zürcher Falcon Private Bank in Singapur Versäumnisse bei der Geldwäscherei-Kontrolle zur Last. Es sieht als erwiesen an, dass der Bankmanager am Entscheid beteiligt war, verdächtige Transaktionen von rund 1,2 Milliarden Franken nicht zu melden. Zudem habe er den Singapurer Behörden bei ihren Untersuchungen zu unerlaubten Transaktionen von 1MDB-Geldern in zehn Fällen falsche Auskünfte erteilt, wie dem Urteil zu entnehmen ist.

Der Angeklagte war im vergangenen Oktober in Singapur verhaftet und gegen Kaution freigelassen worden. Er selbst hatte sich in sechs von insgesamt 16 Anklagepunkten schuldig bekannt.

Der milliardenschwere 1MDB-Skandal

  • Im Zentrum des Korruptionsskandals steht der malaysische Premier Najib Rezak.
  • Er hatte den Staatsfonds 1MDB 2009 gegründet und sass bis vor kurzem noch in dessen Verwaltungsrat.
  • In dieser Zeit sind aus dem Fonds über drei Milliarden Dollar in dunklen Kanälen verschwunden.
  • Najib erklärte, die rund 710 Millionen Franken, die von der Falcon Bank auf sein Privatkonto geflossen sind, seien eine Spende der saudischen Königsfamilie.
  • In verschiedenen Ländern, auch der Schweiz, laufen Verfahren gegen Banken, die Najib bei der Verschleierung der Geldspur geholfen haben sollen.
  • Die frühere Tessiner Bank BSI und die Falcon Private Bank mussten wegen der Affäre ihren Betrieb in Singapur einstellen.
  • Drei frühere angestellte Singapurer der BSI sind im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre bereits zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

Auf Anweisung von oben gehandelt?

Der jetzt verurteilte Schweizer Banker sei nur ein Rädchen in diesem «enorm komplexen» Skandal, sagt Südostasienkorrespondentin Karin Wenger. Die Drehscheibe aber sei die Falcon Bank. Sie hat den Hauptsitz in der Schweiz, gehört aber der International Petroleum Investment Company, die mit dem abu-dhabischen Staatsfonds verbunden ist.

Der Angeklagte hat laut Wenger immer wieder beteuert, auf Anweisung seiner Chefs in Zürich und Abu Dhabi gehandelt zu haben. «Die Hauptakteure sind andere, sicher nicht der Schweizer», stellt Wenger fest.

Zum Beispiel der Geschäftsmann Jho Low

Einer von ihnen sei beispielsweise Jho Low, ein malaysischer Geschäftsmann und Bekannter von Premier Najib. Es wird angenommen, dass Hunderte von Millionen Dollar von Konten der Falcon Bank an Low überwiesen worden sind.

«Er selbst aber geniesst weiterhin das gute Leben auf seiner Yacht – in Freiheit», so Wenger. Ob er nach dem Geständnis des Schweizers nun von den Singapurer Behörden vorgeladen werde, sei noch offen.

Ein Demonstrant hält einen Flyer hoch mit einer Karikatur von Najib mit der Überschrift «Kleptokratie». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitte November forderten tausende Demonstranten Najibs Rücktritt. Reuters

Najibs Stuhl wackelt

Der Druck auf den malaysischen Ministerpräsidenten Najib wächst, doch bisher habe er den Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen können, so Wenger. «Er hat alle bisherigen Geständnisse rund um den Skandal, die ihn kompromittierten, als Verschwörung abgetan.»

In Singapur warten nun weitere Personen auf ihre Anklagen, darunter möglicherweise auch der Sohn Najibs. Das könnte pikante Details ans Licht bringen. «Dann wird sich zeigen, wie ernst es Singapur ist, die guten Beziehungen der malaysischen Regierung aufs Spiel zu setzen und eventuell sogar am Stuhl des Regierungschefs zu sägen.»

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