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International Gerangel um Standort der EU-Bankenaufsicht

Noch sind die Briten in der EU. Ihren Austritt haben sie formal noch nicht eingereicht. Doch schon jetzt buhlen verschiedene EU-Staaten um die europäische Bankenaufsichts-Behörde. Die hat ihren Sitz in London – bei einem Brexit muss sich das ändern.

Eine britische Flagge weht vor einer Turmuhr. Sie zeigt Fünf vor Zwölf.
Legende: Fünf vor Zwölf: Sobald die Briten den EU-Austrittsantrag eingereicht haben, muss die Bankenaufsicht aus London weg. Reuters

Streng genommen geht es lediglich um 160 Arbeitsplätze: Die Europäische Bankenaufsicht EBA ist keine grosse Behörde. Sie sorgt für eine einheitliche und wirksame Aufsicht der Banken in der EU. Dennoch buhlen verschiedene EU-Mitgliedstaaten schon jetzt eifrig darum, diese Behörde nach einem Brexit zu sich zu holen. Es geht ums Prestige.

Spanien, Italien, Frankreich...

So will Spanien ein Bewerbungs-Dossier verfassen, das hat die Vize-Ministerpräsidentin am Freitag gesagt. Aber auch Italien soll Presseberichten zufolge Interesse angemeldet haben. Und Luxemburg wirft in die Waagschale, dank des starken Finanzplatzes geradezu prädestiniert zu sein für die europäische Bankenaufsicht: Das hat der luxemburgische Premierminister jüngst durchblicken lassen.

Frankreich wiederum wäre ebenfalls nicht abgeneigt, Sitz der Europäischen Bankenaufsichts-Behörde zu werden. In Paris befindet sich bereits die europäische Wertpapier-Aufsicht: Das kann – je nach Argumentation – ein Vor- oder ein Nachteil sein.

...und Frankfurt wäre praktisch

Und dann wäre da noch Deutschland: Der bayerische Finanzminister möchte, dass die deutsche Regierung offiziell um die EBA buhlt. Ihm schwebt naturgemäss München als neuer Behörden-Sitz vor. München würde so als zweitwichtigster deutscher Finanzplatz gestärkt, so die Überlegung des Finanzministers aus Bayern. Andere möchten hingegen gleich Frankfurt ins Rennen schicken. Das wäre zweifellos die praktischste Lösung, ist in Frankfurt doch bereits die Europäische Zentralbank angesiedelt, die die 130 grössten Banken der Eurozone überwacht.

Doch die Standorte für politische Behörden werden selten nur nach praktischen Gesichtspunkten ausgewählt. Da stehen vielmehr politische Überlegungen im Vordergrund. Das Ränkespiel um die Europäische Bankenaufsicht läuft bereits. Bald könnte übrigens auch das Buhlen um die Arzneimittelbehörde EMA losgehen, denn auch sie hat ihren Sitz derzeit noch in London.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Maligan Jury (jury maligan)
    Am einfachsten würde man doch diese Institutionen in England lassen. Aber Egoismus und Prestige stehen in der EU im Vordergrund - Jetzt scheint mir auch klar, warum eine Brüsseler Diktatur und keine Demokratie gewünscht wird. Diese würde wohl in einem Bürgerkrieg enden.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      .......nach dem BREXIT bleibt in England keine EU-Institution mehr, die Briten verlieren an ihrem Bankenplatz London auch die EU/EURO-Lizenz, weshalb heute schon Finanzdienstleister in London die Hühner Richtung Rest-EU satteln. Geht hier für London um mehrere 10.000 Stellen, die dann abgehen. Wenn Sie schon von "Brüsseler Diktatur" reden, sollten Sie zur Kenntnis nehmen, dass diese natürlich nur auf das Gebiet der EU beschränkt ist. Nach dem BREXIT gibt es für GB kein Rosinenpicken mehr.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Wer sich wie GB durch den BREXIT, insbesondere bei der Finanzierung europäischer Solidarität und Personenfreizügigkeit einen schlanken Fuß macht, hat keinerlei rechtlich begründbaren Ansprüche mehr geltend zu machen, nicht mal auf die paar Stellen der Bankenaufsicht. Da warten schon andere drauf. Diesbezüglich wird die Schweiz auch noch in Kalamitäten kommen. Sonderprivilegien für Nichtmitglieder wie GB oder CH , sind den ordentlichen EU-Mitglieder überhaupt nicht zu vermitteln.
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  • Kommentar von Udo Gerschler (UG)
    Warum so viel Wind.Der Zustand der Banken und deren Finanzen in der EU lässt vermuten das es keiner Finanzaufsicht brauch.Pleite ist und bleibt pleite.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      ......würde mal sagen, dass durch permanentes Heißlaufen der Schweizer Notenpresse eine Geldblase entstanden ist, die durch Ihre Mini-Volkswirtschaft in keiner Weise gedeckt ist. Über solche Risiken und Ihre auf den Export angewiesene Wirtschaft sollten Sie sich mal Sorgen machen, nicht darüber, ob die EU pleite ist.
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  • Kommentar von A. Moser (AM)
    Wieso nicht in der CH? OK, wir sind kein EU-Land... Aber vielkeicht täte der EU eine "Aufsicht" von Aussen, von neutraler Seite ganz gut? ;-)
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Ich würde das sogar befürworten, da man bei den südeuropäischen Ländern oder Frankreich, die den Sitz der Bankenaufsicht für sich reklamieren, den Bock zum Gärtner machen würde. Aber die Schweiz als hervorragender Finanzplatz hat durch ihre Nichtteilnahme an der EU leider viele Chancen verloren, beispielsweise als Sitz der EZB.
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Wir sind schon mit der FIFA usw. genug bestraft, da brauchen wir jetzt nicht noch eine EU-Bankenaufsicht.
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    3. Antwort von u. Felber (Keule)
      stimmt chauvet. ich meinerseits habe mal gelernt, dass man nicht bei jeder hundsverlochete dabei sein muss ;)
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