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Völkermord von Srebrenica Gerichtsurteil: Niederländische UNO-Soldaten teilweise schuldig

Legende: Audio Srebrenica: Niederlande teilweise mitverantwortlich an Völkermord abspielen. Laufzeit 04:31 Minuten.
04:31 min, aus Rendez-vous vom 27.06.2017.

Mehr als 20 Jahre nach den Massakern an Muslimen im bosnischen Srebrenica hat ein Gericht den niederländischen Staat erneut für den Tod 350 Opfern mitverantwortlich gemacht.

Das Berufungsgericht in Den Haag hob allerdings ein Urteil aus erster Instanz teilweise auf. Es stellte nur eine begrenzte Verantwortung des Heimatstaates der damaligen UNO-Soldaten für die von Serben verübten Kriegsverbrechen fest. Angehörige von Opfern hatten eine Zivilklage gegen die Niederlande angestrengt.

Die Vorgeschichte

  • Im ostbosnischen Srebrenica ermordeten bosnisch-serbische Truppen nach der Eroberung der Enklave im Juli 1995 rund 8000 Männer und Jungen. Niederländische Blauhelm-Soldaten hatten den Angreifern unter General Ratko Mladic die UNO-Schutzzone kampflos überlassen.
  • Im Jahr 2014 entschied ein Zivilgericht in erster Instanz, dass die Niederlande ausdrücklich nicht für den Fall der Enklave Srebrenica und den Tod aller Opfer verantwortlich gemacht werden kann. Die UNO-Soldaten hätten allerdings unrechtmässig an der Deportation von mehr als 300 Männern von ihrem Militärgelände mitgewirkt.
  • Für den Völkermord von Srebrenica muss sich Ex-General Mladic in Den Haag vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal verantworten. Ende 2017 wird das Urteil erwartet.

Einschätzung von SRF-Mitarbeiterin Elsbeth Gugger

Erstmals wurde ein Heimatstaat von UN-Truppen für Kriegsverbrechen mitverantwortlich gemacht. Wenn nun ein Staat für Handeln seiner Friedenssoldaten verantwortlich gemacht wird, könnte das eine Signalwirkung für kommende Friedenseinsätze haben. Ein Staat könnte sich sagen: Wenn ich unter dem UNO-Schirm nicht mehr immun bin, schicke ich lieber keine Soldaten mehr in ein Krisengebiet.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Srebrenica ist eine enorme Tragödie für die Opfer, den Hinterbliebenen und auch für die Ex-Soldaten von Dutchbat, die dem General R. Mladic damals nicht gewachsen waren. Man kann nur hoffen, dass das westliche Verteidigungsbündnis und Europa angesichts der akuten instabilen Lage in der Welt endlich Konsequenzen zieht und militärisch endlich aufrüstet um verteidigungs- und einsatzbereit zu sein. Die Verteidigung wird immer noch vernachlässigt. Die Sicherheit der Bevölkerung hat erste Priorität.
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    1. Antwort von Alex Kramer (Kaspar)
      werden Sie doch bitte etwas deutlicher und benennen Sie die Feinde, gegen die man aufrüsten sollte? Oder sprechen Sie doch gleich von der NATO, das wäre dann wenigstens ehrlich.
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  • Kommentar von u. Felber (Keule)
    für mich ist die uno ein ungläubiges gebilde, kein vertrauen. solche Geschichten sind der Beweis in deren Unfähigkeit!
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    1. Antwort von Alex Kramer (Kaspar)
      geht mir auch so, allerdings sehe ich nicht Unfähigkeit, sondern eher Unwillen und kaltes Kalkül. Das neuste derartige Müsterchen in Syrien geht nun dahin, dass man Assad nicht mehr stürzen, aber Syrien trotzdem teilen will. Mit freundlicher Unterstützung von ein paar Atommächten und ein paar regionalen Brandstiftern und Terror-Financiers, die auch unsere Kunden sind....
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