Aufrüstung zur See Grosses Wettrüsten in den asiatischen Gewässern

China verstärkt seine militärische Präsenz zu Wasser. Dies beunruhigt die Anrainerstaaten der asiatischen Meere.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis 2030 werden im asiatischen Raum 800 zusätzlicheKriegsschiffe verkehren.
  • China will zur See-Grossmacht werden. Selbst gegenüber den USA könnte Peking die Obermacht auf See behalten.
  • Neben Indien verstärken auch Indonesien, Japan, Thailand, Vietnam, Südkorea, Singapur oder Australien ihre Schlagkraft auf See.

Die Begeisterung war gewaltig, als im April 2017 Chinas erster selbstgebauter Flugzeugträger mit vielen Dutzend roten Flaggen geschmückt vom Stapel lief. Zuvor besass das Regime bloss einen hochbetagten Träger aus sowjetischer Fertigung. Von einem «gigantischen Schiff» sprach der Reporter im englischsprachigen Staatsfernsehen. China wird damit zur See-Grossmacht, mit Ambitionen weit über seine Küstengewässer hinaus.

Flugzeugträger sind Symbole der Stärke

Flugzeugträger dienen keineswegs der Landesverteidigung. Sie sind neben der Atombombe das Symbol für militärische Macht. Das Reich der Mitte investiert deshalb viele Milliarden investiert. Bei Zusammenstössen auf See könnte China inzwischen selbst gegenüber den USA, die noch dominierende Macht im Pazifik, die Oberhand behalten, glaubt der Marineexperte Christian Le Mière vom Londoner Institut für strategische Studien IISS.

Pekinge argumentiert, man müsse notfalls die Millionen, auch in Krisenländern tätigen Bürger schützen und evakuieren, sagt Jonas Parello-Plesner, Autor einer Studie zur chinesischen Aufrüstung. In der Tat gab es solche Evakuierungen, etwa aus Jemen 2015 oder aus Libyen 2011.

Handelsrouten schützen

Die wichtigste Rechtfertigung ist aber die Sicherung von Handelsrouten. Damit will China sagen, dass seine Handlungen rein defensiv motiviert sind. Tatsächlich werden vor den Küsten Nordost- und Südostasiens mehr Industriegüter transportiert als sonst wo in der Welt.

Dennoch ist offenkundig, dass es auch um strategische Ambitionen geht. Angetrieben von China zögen nun die umliegenden Länder nach, sagt Le Mière.

Indien rüstet auch auf

Man müsse auf die Aufrüstung ringsherum reagieren, sagt Manohar Parrikar, bis vor kurzem Indiens Verteidigungsminister. Deshalb hat sich die indische Marine nun, unter anderem, auch einen selber hergestellten Flugzeugträger zugelegt. Rahul Roy-Chaudhury vom IISS erklärt, die Inder seien besorgt über Chinas Forschheit. Es irritiere sie, dass sich die chinesische Marine immer stärker auch im Indischen Ozean tummle.

Japan wiederum besitzt seit kurzem einen vierten Helikopterträger, auf dem nach ein paar baulichen Anpassungen ebenfalls Jets landen könnten.

Auch die anderen Länder ziehen mit

Doch damit ist noch lange nicht Schluss mit der Aufrüstung der Streitflotten: Thailand, Vietnam, Südkorea, Singapur oder Australien blähen ihre Kriegsmarine ebenfalls auf. Im Inselreich Indonesien gab Präsident Joko Widodo gar die Losung aus, man wolle zur Seemacht werden. Seit Jahrzehnten war der militärische Wettbewerb nie so erbittert wie jetzt, sagt Christian Le Mière.

Im ostasiatischen Raum, so hiess es dieser Tage auf der Rüstungsmesse Imdex in Singapur, wachsen die Marinebudgets bis 2020 um sagenhafte sechzig Prozent. Bis zum Jahr 2030 soll es dort mehr als 800 neue Kriegsschiffe geben. Das ist reichlich viel, wenn es tatsächlich nur um den Schutz von Wasserstrassen vor Terroristen und Piraten ginge.

Das Friedensinstitut macht sich Sorgen

Gefährlich findet das Siemon Wezeman vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. «Weit reichende Waffensysteme wie Schiffe und U-Boote erlauben immer mehr asiatischen Ländern, fernab ihrer Grenzen militärisch aktiv zu werden, bis hin zu Angriffen auf benachbarte und gar noch weit entlegenere Staaten», sagt er.

Die eigene Macht in die Ferne zu projizieren, das ist das Ziel. Und es ist bedrohlich.