Helikopter landen im Minutentakt

Die Zahl der Toten steigt weiter. Über 4460 Menschen haben «Haiyan» nicht überlebt, wie die UNO mitteilte. Nach jüngsten Berichten sollen allein in Tacloban 4000 Tote zu beklagen sein. Für die hungernden Überlebenden trafen nach Tagen endlich Wasser und Essen ein.

Eine Woche nach dem Taifun «Haiyan» auf den Philippinen ist die Zahl der registrierten Opfer auf mehr als 4400 gestiegen. Mindestens 4460 Tote seien nun bestätigt, teilte ein UNO-Sprecher in New York mit. Der Sprecher des philippinischen Katastrophenschutzes sprach jedoch von 3621 Toten. Die Zahl der Vermissten lag der Regierung zufolge bei 1140.

Opferzahl wird weiter steigen

Jüngsten Berichten zufolge soll allein die Zahl der Todesopfer in der schwer verwüsteten Stadt Tacloban auf mindestens 4000 gestiegen sein. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl weiter anwächst.

Die Katastrophenbehörden der Philippinen haben noch keinen Überblick über die genaue Zahl der Todesopfer. Die Behörde für Katastrophenschutz meldete als Stand Freitagmorgen 2360 Tote. Das Büro für Zivilschutz in der betroffenen Region nannte die Zahl von 3621 Toten.

Grösster humanitärer Einsatz aller Zeiten

Unterdessen erreicht die internationale Hilfe zunehmend auch abgelegene Regionen des Katastrophengebiets. Helikopter der US-Marine flogen am Donnerstag vom Flughafen Tacloban tonnenweise Care-Pakete zu Tausenden Menschen.

Karte der Philippinen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Humanitäre Lage in Taifun-Gebieten (14.11.) Die UNO-Hilfsorganisation OCHA hat anhand von Karten die Situation am gestrigen Tag illustriert. OCHA

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich betroffen und rief die internationale Gemeinschaft zur Hilfe auf. «Es herrscht furchtbare Verwüstung, und die Menschen suchen verzweifelt nach Essen, Wasser, Schutz, Proviant und Informationen über diejenigen, die ihnen lieb sind», sagte Ban in der lettischen Hauptstadt Riga. «Die internationale Gemeinschaft muss das philippinische Volk jetzt unterstützen. Es beweist grossen Mut und Durchhaltefähigkeit, aber es braucht unsere Hilfe, es braucht sie jetzt und es braucht sie schnell.»

Vor der Küste traf der Flugzeugträger «USS Washington» mit weiteren 80 Maschinen an Bord ein. Im Hafen lief ein US-Marinefrachtschiff mit Trinkwasser ein - die USA sprachen von dem wohl grössten humanitären Einsatz ihrer Armee aller Zeiten.

Helis landen im Minutentakt

Deutschland stockte seine Hilfe für humanitäre Sofortmassnahmen um drei Millionen Euro auf 4,5 Millionen auf. Der Sprecher der deutschen Hilfsorganisation I.S.A.R. Germany, Mark Rösen, sagte in der stark verwüsteten Stadt Tacloban: «Hier landen jetzt Helikopter im Minutentakt, die Hilfspakete rausfliegen.»

Er war mit seinem 24-köpfigen Team aus Ärzten und Pflegern auf dem Weg nach Palo 15 Kilometer weiter südlich, um dort ein Feldlazarett aufzubauen. «Wir können bei Wundbrand auch Amputationen durchführen», sagte er. «Aus Einsätzen in anderen Katastrophengebieten wissen wir, dass sich durch die Wärme, das verseuchte Wasser und die Bakterien Wunden sehr schnell entzünden. Amputationen sind Massnahmen, um Leben zu retten.»

Kaum Zeit für würdigen Abschied

Zeit für Trauer und einen würdigen Abschied der Toten gibt es kaum. Ausserhalb von Tacloban fand ein grosses Begräbnis von etwa 300 Leichen statt. In strömendem Regen zogen junge Männer die meist in Leichensäcke verpackten Toten an einem Friedhof von einem Lastwagen in eine ausgehobene Lehmgrube. Arbeiter schaufelten Erde darüber.

Es war weder ein Priester anwesend noch blieb Zeit für Gebete. Bürgermeister Alfred Romualdez war dabei: «Ich hoffe, ich muss so eine Katastrophe nie wieder erleben.»

Nach Angaben der Armee wurden bis Donnerstag mehr als 700 Tonnen Hilfsgüter verteilt. 6000 Menschen seien aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen worden. Mit der Ankunft des US-amerikanischen Flugzeugträgers sollte die Verteilung der Hilfsgüter deutlich schneller vorangehen. An Bord sind 5000 Soldaten und mehr als 80 Flugzeuge und Helikopter.

Ein Mann vor einem Regal mit einem Notizblock Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: An Bord des US-Flugzeugträgers George Washington stellt Medizin-Offizier Wayne Simmonds Hilfsgüter zum Abtransport zu... Reuters

Hilfe im Akkord

Die Crew unterstützt die US-Truppe, die bereits am Flughafen von Tacloban mit «Black Hawk»-Helikoptern im Einsatz ist. Die Helikopter-Kapazität verdreifache sich dadurch, sagte Brigadegeneral Paul Kennedy. Die Black-Hawk-Helikopter können am Seil mehr als 1000 Kilogramm Gewicht transportieren. Sie starteten vom Flughafen aus den ganzen Tag über mit Hilfspaketen, die vor allem Nahrungsmittel und Trinkwasser enthielten.

Im Hafen legte das Frachtschiff «USNS Charles Drew» mit 7000 Litern Trinkwasser und Nahrungsmitteln an. Grossbritannien schickte ein weiteres Marineschiff in die Krisenregion, am Samstag soll es eintreffen. Hilfsorganisationen arbeiten im Akkord, um Nahrung und Hygieneartikel wie Seifen oder Desinfektionsmittel zu den Überlebenden zu bringen.

«Wir haben die Menschen im Stich gelassen»

Dass den Opfern in ihrer desolaten Lage nicht viel schneller geholfen wurde, setzt die Regierung unter Druck. Hunderttausende mussten tagelang ohne Wasser und Essen zeitweise bei strömendem Regen und ohne Toiletten in Trümmerbergen auskommen, ohne Hilfe zu bekommen.

Die UNO-Nothilfekoordinatorin Valerie Amos sagte nach einem Besuch in Tacloban: «Ich habe den Eindruck, wir haben die Menschen im Stich gelassen.»

Tweets zur Lage auf den Philippinen

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Reportage aus den Philippinen

    Aus 10vor10 vom 15.11.2013

    Die Sturmopfer auf den Philippinen müssen für kleinste Nahrungs-Notrationen stundenlang anstehen. In manchen Gegenden sind 80 Prozent der Häuser zerstört. Ganze Quartiere leben nun in einer Schule. Eine Reportage aus der Stadt Ormoc, wo so viele Menschen Leben wie in Basel.

  • «USS George Washington» beschleunigt Hilfe auf den Philippinen

    Aus Tagesschau vom 15.11.2013

    Die Hilfe für die Taifun-Opfer auf den Philippinen wird immer effizienter. Wesentlich ist dabei die Ankunft des amerikanischen Flugzeugträgers «USS George Washington» mit über 80 Flugzeugen, Helikoptern und tausenden Soldaten. Für viele Überlebende ist inzwischen das Ziel, mitten im Chaos in irgendeine Form von Alltag zurückzufinden. Aus Omroc auf der Insel Leyte die Reportage von SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser.

  • Massenbegräbnisse auf den Philippinen

    Aus Tagesschau vom 14.11.2013

    Allmählich läuft die internationale Hilfe an in den Gebieten, die der Taifun Haiyan verwüstet hat. Inzwischen wurden erste Todesopfer in Massengräbern bestattet. Aus Ormoc auf der Insel Leyte, die ganz besonders von Haiyan getroffen wurde, meldet sich SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser.