«HMS Terror» taucht nach 170 Jahren in der Arktis auf

Der Triumph gilt als sicher: Polarforscher Sir John Franklin will 1845 als Erster die Nordwestpassage durchsegeln. Die Mission scheitert, Franklin und seine 130 Männer verschwinden im ewigen Eis. Jetzt haben Forscher beide verschollenen Schiffe gefunden.

Eine Expedition segelt ins Verderben

19. Mai 1845. Der britische Polarforscher Sir John Franklin sticht mit zwei Schiffen in See. Das Ziel: die erste Durchquerung der Nordwestpassage, des Seewegs in der kanadischen Arktis. Die Erwartungen an Franklin sind hoch.

Doch was folgt ist die schlimmste Tragödie in der Geschichte der Arktisforschung: Beide Schiffe, die «HMS Erebus» und die «HMS Terror», verschwinden spurlos, trotz erstklassiger Ausrüstung und Nahrung für drei Jahre.

Später wird klar: Franklin und die gesamte Besatzung von rund 130 Männer kommen im ewigen Eis elend ums Leben, dahingerafft von Kälte, Hunger und Krankheiten. Es soll sogar zu Kannibalismus gekommen sein.

Zahlreiche Suchaktionen scheitern

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Franklin als Romanfigur

Illustration von John Franklin

Sir John Franklin Getty Images

Der Polarforscher John Franklin ist die Hauptfigur in Sten Nadolnys Roman «Die Entdeckung der Langsamkeit» von 1983. Die im Roman beschriebene Figur ist im Gegensatz zum realen Vorbild ein der Langsamkeit verpflichteter Mensch mit modernen Idealen, der aufgrund seiner Beharrlichkeit zu einem grossen Entdecker wird.

Das mysteriöse Verschwinden der beiden Schiffe lässt Forschern und Politikern keine Ruhe. Zwischen 1847 und 1859 suchen rund 30 Expeditionen nach den verschollenen Männern und Schiffen. Auch später wird immer wieder nach den Wracks gesucht.

Verschiedene Funde bringen nach und nach Licht ins Dunkle. Offenbar bleiben die beiden Schiffe im Herbst 1846 im Eis stecken – zwei Winter und einen Sommer lang. Franklin stirbt im Juni 1847. Die überlebenden 105 Männer verlassen im April 1848 die Schiffe und versuchen, zu Fuss das kanadische Festland zu erreichen. Erfolglos.

Beide Schiffe tauchen auf

2008 startet eine neue Mission, mit Unterstützung der kanadischen Regierung. 2014, die Sensation: Forscher finden die «HMS Erebus» in elf Metern Tiefe auf dem Grund des Queen Maud Gulfs, mitten in der Nordwestpassage.

Jetzt, zwei Jahre später, wollen Forscher auch die «HMS Terror» gefunden haben, bei der King William Island, fast 100 Kilometer weiter südlich als bisher vermutet. Das Schiff sei im eiskalten Wasser der Nordwestpassage perfekt erhalten, melden die Entdecker. Das belegen sie mit Filmaufnahmen einer ferngesteuerten Kamera.

Funde bringen neue Erkenntnisse

Die Entdeckung könnte bisherige Theorien über den Hergang der Tragödie über den Haufen werfen. Der Fundort deutet darauf hin, dass die Besatzung zur «HMS Terror» zurückkehrte und versuchte, sich mit dem Schiff in den Süden zu retten.

Das bleibt aber vorerst Spekulation. Noch sind nicht alle Geheimnisse der Franklin-Expedition gelüftet.