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International Hochwasser in Niederbayern – fünf Tote

Bei der Hochwasserkatastrophe in Niederbayern sind bisher mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Mehrere Personen werden zudem weiter vermisst. Meteorologen künden erneut schwere Regenfälle an – auch im Westen und Norden Deutschlands.

  • die Zahl der Unwetter-Opfer in Niederbayern steigt auf fünf an
  • die Opfer wurden in den Gemeinden Simbach und Julbach geborgen
  • im dem Landkreis (Rottal-Inn) wurde der Katastrophenalarm ausgerufen
  • die Soforthilfe läuft am Freitag an
  • Meteorologen künden erneut Unwetter für die Region an
  • auch in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gilt Land unter

Von der Hochwasserkatastrophe am meisten betroffen sind die Gemeinden Simbach am Inn, Triftern bei Pfarrkirchen und Tann. Die Ortschaften wurden teils meterhoch überflutet. In dem Landkreis Rottal-Inn wurde der Katastrophenalarm ausgelöst.

Opferzahl steigt auf fünf

In Simbach sind bereits am Vortag drei Menschen tot geborgen worden. Die Leichen wurden von Tauchern in einem überschwemmten Haus entdeckt. Dies teilten Polizei und das Landratsamt in Pfarrkirchen mit. Nach Angaben des Polizeisprechers handelte es sich um drei Frauen einer Familie: Tochter, Mutter und Grossmutter.

Ein weiteres Opfer wurde heute in Simbach in einem Haus geborgen. Unklar ist, ob der Tote als vermisst gemeldet galt.

Denn in dem Ort gelten weiter drei Personen als vermisst. «Da befürchten wir Schlimmeres», sagte Michael Emmer vom Polizeipräsidium Niederbayern. In dem Ort stehen zahlreiche Häuser nach wie vor unter Wasser.

Viele Menschen sind noch in Sorge, weil sie Angehörige nicht erreichen können. Taucher suchen im überfluteten Gebiet nach weiteren möglichen Opfern.

Krieg. Wie im Krieg sieht das aus.
Anwohner aus Simbach

Am frühen Morgen wurden die Einsatzkräfte weiter aufgestockt. Vor allem in Triftern und Tann werden derzeit die Wassermassen abgepumpt. In der Stadt Griesbach richtete das Technische Hilfswerk eine Notstromversorgung ein.

Unterdessen hat sich in Simbach die Hochwasserlage etwas entspannt. Die Pegelstände sinken. Viele Häuser stehen aber nach wie vor unter Wasser.

Vermisste auch in Julbach

Im Nachbarort Julbach wurde ebenfalls ein Opfer geborgen. Die Leiche einer 80-jährigen Frau hing über einem Baumstamm in einem Bach. Sie wurde offenbar weggeschwemmt, als ihr Haus einstürzte. Auch in Julbach werden noch mindestens vier Personen vermisst.

In der Nacht sank der Pegelhöchststand von 3,61 Meter leicht ab, weil es zeitweise nicht mehr geregnet hatte.

Soforthilfe ist angelaufen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme ausgesprochen. Merkel sagte, sie verfolge die Entwicklungen in den Katastrophengebieten in Süddeutschland genau. Die Katastrophenhilfe sei in vielen Orten im Einsatz, um zu helfen und wieder aufzubauen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte: «Das Ganze kam so überfallartig, da ist mit Hochwasserschutz nichts zu machen.» Man werde die Geschädigten nicht alleine lassen und unbürokratisch helfen.

Ähnlich wie beim Hochwasser 2013 werden wir 1500 Euro zur Verfügung stellen – und zwar schon ab morgen (Freitag).
Autor: Markus SöderBayrischer Finanzminister

Der Bayrische Finanzminister hat nach einem Überflug über das betroffene Gebiet am Morgen für Freitag Soforthilfe für die Opfer angekündigt.

Weitere Unwetter angekündigt

32 Liter Regen pro Quadratmeter fielen binnen sechs Stunden allein in Pfarrkirchen bei Triftern. «Das ist schon ein kräftiger Dauerregen», sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes. Die Meteorologen erwarten am Donnerstag vor allem im Westen und Norden Deutschlands die stärksten Niederschläge und Gewitter. Mit Unwettern zu rechnen sei im Lauf des Tages erneut in Teilen Niedersachsens und in ganz Nordrhein-Westfalen.

Heikle Lage in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

In Teilen Nordrhein-Westfalens heisst es aber bereits jetzt Land unter. Im Landkreis Wesel wurde in der Nacht zum Donnerstag wegen der starken Regenfälle ein Krisenstab eingesetzt. Besonders betroffen sind die Innenstadtbereiche von Sonsbeck und Xanten. Hier fliesst das Wasser nicht mehr ab.

Legende: Video Das Ufer der Issel (NRW) wird verstärkt abspielen. Laufzeit 00:24 Minuten.
Aus News-Clip vom 02.06.2016.

Im Bereich Hamminkeln spitzt sich die Lage zu. Der Pegel der Issel stieg auf über zwei Meter. Dadurch ist ein Damm in Gefahr. Dem Landkreis zufolge wurden 20'000 Sandsäcke für den Notfall vorbereitet.

In der Landeshauptstadt Düsseldorf war die Feuerwehr in der Nacht im Dauereinsatz. Insgesamt rückte sie zu rund 440 Einsätzen aus. Sie war mit 240 Rettungskräften im Einsatz. Keller und Strassenunterführungen waren überflutet und mussten ausgepumpt werden. Menschen kamen nicht zu Schaden. Zum Donnerstagmorgen hin habe sich die Lage deutlich entspannt, sagte ein Feuerwehrsprecher.

Auch in Rheinland-Pfalz mussten nach heftigem Regen Keller ausgepumpt werden. In Altenahr (Kreis Ahrweiler) rettete die Polizei am Donnerstag zahlreiche Camper mit dem Helikopter – teils von den Dächern ihrer Wohnwagen – nachdem der Fluss Ahr über die Ufer getreten und die Zeltplätze geflutet hatte.
In Müsch holten Feuerwehrleute zwei Männer vom Dach ihres Lastwagens, der im tiefen Wasser auf einer Strasse nicht mehr weiterkam.

Auf Unwetter folgt Unwetter

In Baden-Württemberg und Franken hatte das Tief «Elvira» schon am Sonntagabend schwere Verwüstungen angerichtet. Vier Menschen waren bereits bei diesem Unwetter ums Leben gekommen.

Hochwasser auch in Frankreich

Seit Sonntag ist es auch in Frankreich zu Überschwemmungen gekommen, die mindestens ein Todesopfer forderten. Südöstlich von Paris wurde die Leiche einer Frau gefunden. Die Lage ist aber auch im nördlichen Zentrum des Landes angespannt. Bereits 5500 Menschen mussten ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Weitere Evakuierungen sollen folgen.

Millionenschwerer Sachschaden

Der Sachschaden im Landkreis Rottal-Inn geht nach ersten Schätzungen in den dreistelligen Millionenbereich. Mindestens 500 Häuser beschädigt.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Hermann (michel039)
    Besser würde man Ursachen anstelle von Symptomen bekämpfen. Der Klimawandel wird für uns Mitteleuropäer auch immer mehr spürbar. Und wenn wir so weiter machen, werden solche Extremereignisse in Zukunft sicher nicht weniger häufig.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Wir Ihnen jeder Meteorologe bestätigen, dass derartige Sturzwassermassen nichts mit einem angeblichen Klimwandel zu tun haben.
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    2. Antwort von Aurel Specker (Auspec)
      Es ist weder direkt vom Klimawandel verursacht, noch hat es "nichts" damit zu tun. Das wird Ihnen auch praktisch jeder Meteorologe und Klimatologe bestätigen. Solche Regenfälle sind normal, aber mit höheren Temperaturen passiert es schneller und häufiger. Die Studien zeigen dass die Klimaausprägungen extremer werden, also trocken wird trockener, nass (wie Europa) wird eher nasser. Wobei auch da die Situationen nicht überall gleich sind und auch nicht übers Jahr gleich.
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    3. Antwort von Ramon Gfeller (Tachy0n)
      Stimmt. Ursachen wie Bodenverdichtung, Kanalisierung von Bächen (die zum Teil unterirdisch durch die betroffenen Dörfer geführt wurden) und fehlende Retentionsflächen sollten angegangen werden.
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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    Da solche und andere Katastrophen offensichtlich in jüngster Zeit gehäuft vorkommen, fände ich es wichtig, wenn jede Gemeinde eine genügend grosse und sichere Notunterkunft für die eigene Bevölkerung bereithält. Es ist verantwortungslos, sie zu zweckentfremden.
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    1. Antwort von mario jenny (jenma1)
      wollen wir etwas stimmungsmache reinbringen , das ein CSU land flüchtlinge aufnimmt... das ist extrem dumm und billig und zeugt von null ahnung der situation. die unterkunft für flüchtlinge musste AUCH geräumt werden..also nutzt es mal nichts als Notunterkunft für Deutsche. Basta
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Man muss unterscheiden zwischen Hochwasser und Sturz-Wassermassen infolge massiv auftretenden Sturzregens. In Punkto Hochwasserschutz wurde in den letzten Jahren in Deutschland etliches getan. Aber bei Sturzhochwasser infolge massiver Regenfälle ein realitätsferner Vorschlag bei der dichten Besiedelung Deutschlands mit ca. 82 Millionen Einwohner = 240 Einwohner pro Quadratkilometer und bei lokal nicht vorhersehbaren Extrem-Regen nach Random-Art.
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