Hoffnung für alle Schlafwagen-Romantiker

Nachtzugfans in Deutschland und der Schweiz jammerten, als die Deutsche Bahn Ende vergangenen Jahres bekannt gab, dass sie ihre Nachtzüge einstellen würde. Damit wären auch die Verbindungen von Zürich und Basel aus in Richtung Norden weggefallen. Nun aber gibt es Hoffnung.

Schlafwagen der Deutschen Bahn am HB in Zürich Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Schlafwagen der Deutschen Bahn am HB in Zürich: Retten die ÖBB die Züge? SRF

Zürich – Hamburg, Zürich – Berlin, Zürich – Amsterdam, Zürich – Prag: Mehrere grosse europäische Städte fuhren die Nachtzüge der Deutschen Bahn in der Vergangenheit an.

Und wer schon einmal versuchte, in einem der Citynightline-Züge kurzfristig ein Bett zu ergattern, machte oft die Erfahrung: Es gab allenfalls Restplätze in den Liegesesseln. Oft waren die Züge ausgebucht.

Hoffnung für Schlafwagen-Romantiker

Auch deshalb überraschte viele im vergangenen Jahr die Ankündigung der Deutschen Bahn, alle ihre Nachtzüge auf Ende Jahr zu streichen.

Die Deutschen sprachen von jahrelangen Verlusten – zuletzt im zweistelligen Millionenbereich. Die meisten Züge seien alt, die nötigen Investitionen liessen sich deshalb nicht hereinholen.

Nun aber gibt es zumindest für einige der Schlafwagen-Strecken der Deutschen Bahn Hoffnung. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet unter Berufung auf den deutschen Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel, die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) würden zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember einen Grossteil der Nachtzugverbindungen der Deutschen Bahn ersetzen. Auch die Schweiz würde weiterhin angefahren.

Drei zusätzliche, sechs bestehende Verbindungen

Dem Abgeordneten liegen demnach interne Unterlagen vor, in denen die Trassenanmeldungen für den Nachtzugverkehr im kommenden Jahr dokumentiert sind. Dem Papier zufolge haben die ÖBB drei zusätzliche Verbindungen für Euronight-Züge mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen angemeldet. Sie sollen auf den folgenden Strecken unterwegs sein:

  • Düsseldorf-Köln-Frankfurt-München-Innsbruck
  • Hamburg-Berlin-Frankfurt-Karlsruhe-Basel
  • Hamburg-Hannover-Würzburg-München-Innsbruck.

Auch für die Achse Basel-Zürich-Prag sei ein Nachtzug vorgesehen, heisst es. Sechs andere Nachtreisezüge der ÖBB mit Teilabschnitten in Deutschland sollen unverändert verkehren.

«Das Nachtzugsegment ist interessant für uns, wir wollen es ausbauen», sagte ein ÖBB-Sprecher auf Anfrage der dpa. Konkrete Verbindungen könnten noch nicht genannt werden. «Wir rechnen damit, dass wir im Herbst Nägel mit Köpfen machen können», fügte er hinzu. Die Deutsche Bahn führt nach eigenen Angaben bereits seit Monaten mit den ÖBB Gespräche über den Weiterbetrieb klassischer Nachtzüge.

ÖBB kaufen gebrauchte Waggons

Für die Deutsche Bahn sind die Nachtzüge ein Nischengeschäft. Zuletzt gab es 1,3 Millionen Buchungen pro Jahr. Somit war nur einer von Hundert Fahrgästen mit einem Schlaf- oder Liegewagen unterwegs.

Die ÖBB machen dagegen mit den Nachtreisezügen 17 Prozent ihres Umsatzes. Im Mai hatte der ÖBB-Aufsichtsrat den Kauf von bis zu 60 gebrauchten Schlaf- und Liegewagen und 15 Autotransportwagen genehmigt. Bis Mitte 2019 sollen ausserdem 20 ÖBB-Intercity-Wagen zu Liegewagen umgebaut werden, für die es bereits eine Designstudie gibt.

Nachtzüge: Das Netz wird seit Jahren dünner

Die europäischen Bahnunternehmen haben ihr Nachtzugnetz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgedünnt. Die spanische Renfe strich schon 2012 ihre Talgo-Verbindung von Zürich nach Barcelona. Die SBB und die italienischen Staatsbahnen kappten zuvor bereits die Verbindungen Richtung Süden. Die Deutsche Bahn strich zunächst den Nachtzug nach Kopenhagen. Ende 2015 kündigte sie an, alle ihre Citynightline-Verbindungen einzustellen.