Hoffnungsträger am Pulverfass: UNO-Syrienvermittler de Mistura

Bisher gab es im Syrienkonflikt bloss Gespräche über Gespräche. Ab heute Montag sollen die syrischen Widersacher in Genf erstmals über die politische Zukunft ihres Landes verhandeln. So will es UNO-Friedensvermittler Staffan de Mistura. Doch wer ist der Mann, der das bisher Unmögliche versucht?

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Bildlegende: Der Mann, der auch im Syrienkonflikt etwas wagt: Staffan de Mistura hat für heute nach Genf geladen. Keystone

Was wurde der Sonderbeauftragte der UNO für Syrien nicht schon schlechtgeredet: Mehr Stil als Substanz biete der 69-jährige italienisch-schwedische Diplomat.

Unbeirrbar

Staffan de Mistura sei ein Mann, der nur Getreue um sich schare und Konflikte scheue. Ein Leichtgewicht, gemessen an seinen ungleich prominenteren Vorgängern als Syrien-Vermittler, Kofi Annan und Lakhdar Brahimi. Die allerdings beide gescheitert sind und bald aufgegeben haben.

Doch De Mistura, der Mann mit dem Zwicker, der Flüchtlingssohn, der sieben Sprachen spricht und den Titel eines italienischen Marchese trägt, lässt sich nicht beirren.

Widerspruch gegen Assad-Regime

Und er geht heute sein bisher grösstes Wagnis ein. Er drängt das syrische Regime und die Oppositionsführer dazu, endlich über die Substanz, über die politische Zukunft ihres Landes zu reden. Konkret: über die Bildung einer nationalen Einheitsregierung, über eine neue Verfassung, über Wahlen in spätestens achtzehn Monaten.

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0:34 min, vom 11.3.2016

Doch das Assad-Regime droht bereits, über Wahlen - und damit auch über die Möglichkeit der Abwahl des Diktators, rede man nicht. De Mistura bleibt beharrlich: Es reiche nun nicht mehr, bloss über humanitäre Hilfe und Feuerpausen zu reden. Zumal die Notversorgung seit zwei Wochen auch in den belagerten Städten besser funktioniert und die Waffenruhe zurzeit zu achtzig oder neunzig Prozent eingehalten wird.

Unterstützung nicht sicher

Der Diplomat mit 45 Jahren Erfahrung auf zwanzig UNO-Posten, darunter auf heiklen wie Afghanistan, Irak oder Somalia, macht auch zeitlich Druck. Maximal zwei Wochen soll verhandelt werden.

Ob er Erfolg hat, hängt nicht zuletzt davon ab, ob ihn die Mächte, die hinter den syrischen Akteuren stehen, voll unterstützen: Saudi-Arabien, Iran, Türkei, vor allem aber Russland und die USA. Sicher ist das nicht.

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Interview bei RTS

Er habe in seiner diplomatischen Karriere und Vermittlungen in 19 Kriegen noch nie eine solch komplexe Situation erlebt, sagte de Mistura in der Sendung «Pardonnez-moi» des Westschweizer Fernsehens RTS. Involviert seien bei den Gesprächen 68 Gruppen, viele Länder und 87 unterschiedliche Positionen.

Der Mann, der etwas wagt

Doch de Mistura gilt als Mann, der etwas wagt: Ein innovativer, kreativer Diplomat. Im Balkankrieg setzte er schon mal Schmuggler ein, um das hungernde Sarajewo zu versorgen, im Sudan brachte er mit Kamelen Impfstoff in notleidende Dörfer. Wo andere nur Krisen sehen, sieht er zugleich Chancen.

Sonst hätte er wohl vor bald zwei Jahren nicht zugesagt, als ihn UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon in der Villa Michele auf Capri anrief und bat, die unmögliche Aufgabe des Friedensvermittlers für Syrien zu übernehmen. Etliche andere vor ihm hatten abgesagt. Er hingegen schob sein Projekt, eine Denkfabrik für Mittelmeerfragen zu gründen, erst mal auf die lange Bank.

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