Flugzeugabsturz in Kolumbien «Ich kann mir nur einen Planungsfehler der Piloten vorstellen»

Aviatik-Experte Olav Brunner erklärt, warum zu wenig Treibstoff wahrscheinlich zum Flugzeugabsturz geführt hat.

Flugzeug-Trümmerteile und Rettungsarbeiter Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das Flugzeug ist am Dienstag in Kolumbien abgestürzt. 71 Menschen kamen ums Leben, 6 haben überlebt. Reuters

SRF News: Erste Auswertungen zeigen, dass offenbar zu wenig Treibstoff die Absturzursache war. Was spricht dafür?

Olav Brunner: Die Bilder der Absturzstelle sprechen klar dafür. Auf den Fotos sieht man, dass das Flugzeug nicht Feuer gefangen hat. Es ist nicht explodiert. Das wäre anders, wenn noch Treibstoff im Tank gewesen wäre.

«  Das Flugzeug ist nicht explodiert. Das wäre anders, wenn noch Treibstoff im Tank gewesen wäre. »

Wie kann es sein, dass einem Flugzeug das Kerosin ausgeht?

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Olav Brunner

Olav Brunner

Der 76-jährige Aviatik-Experte startete seine Laufbahn als Militärpilot. Später war er 28 Jahre Co-Pilot und Flugkapitän bei der Swissair.

Ich kann mir eigentlich nur einen Planungsfehler der Piloten vorstellen. Entweder haben sie zu wenig Treibstoff mitgenommen oder die Strecke falsch berechnet. Denkbar ist natürlich auch, dass der Tank defekt war.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gibt es, damit so etwas nicht passiert?

Die Piloten berechnen vor jedem Flug, wie viel Treibstoff für die Strecke benötigt wird. Hinzu kommt noch eine Reserve, damit man mindestens 30 Minuten länger in der Luft bleiben und einen anderen Flughafen anfliegen kann. Während des Flugs wird die Tankfüllung zudem immer wieder überprüft. Im Notfall weicht man auf einen anderen Flughafen in der Nähe aus. Die Piloten des Unglückflugzeugs haben aber offenbar gehofft, es noch nach Medellín zu schaffen. Beim Absturz spricht für mich deshalb vieles für menschliches Versagen.