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Rückeroberung Mossuls Im Osten Mossuls kehrt so etwas wie Normalität ein

Mossul ist zweigeteilt: Der Westen der Stadt ist immer noch in der Gewalt des IS. Den Osten haben irakische Truppen zurückerobert. Offenbar kehre dort allmählich auch so etwas wie Normalität ein, sagt die Journalistin Inga Rogg.

Legende: Audio Inga Rogg über die Lage im besetzten West-Mossul abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
03:32 min, aus SRF 4 News aktuell vom 02.02.2017.

SRF News: Nach Unicef-Angaben haben im Osten Mossuls rund 30 Schulen ihren Betrieb wieder aufgenommen. Sind das ermutigende Nachrichten?

Inga Rogg: Ja und nein. Dass der Osten Mossuls von den irakischen Truppen wieder zurückerobert wurde, ist sicher eine sehr gute Nachricht. Aber man darf nicht vergessen: In einigen Stadtgebieten ist die Lage prekär. Der IS schiesst in diese Gebiete. Die Sicherheitslage ist nicht stabil. Und vor allen Dingen lebt im Westen der Grossteil der Bevölkerung, es sind nach UN-Angaben 750'000 Menschen, die weiter unter IS-Herrschaft leben müssen.

Was bedeutet die Eröffnung der Schulen für die lokale Bevölkerung?

Das bedeutet ihnen sehr viel. Die Menschen, die ich getroffen habe, haben mir immer wieder erzählt, dass sie ihre Kinder während den zweieinhalb Jahren, in denen sie unter der IS-Herrschaft leben mussten, nicht zur Schule geschickt haben. Und zwar weil sie nicht wollten, dass ihre Kinder indoktriniert werden. Der IS erzieht die Kinder zu Gewalt, und er versucht ihnen seine Vorstellung vom islamischen Staat aufzuzwingen. Insofern ist es enorm wichtig, dass jetzt wieder mit dem Schulaufbau begonnen wird.

West-Mossul ist immer noch unter der Kontrolle des IS. Was weiss man über das Leben der Bevölkerung dort?

Der IS versucht, wie er das im Osten auch schon tat, die Menschen einzuschüchtern und vom Widerstand abzuhalten und möglichst lange dort auszuharren. Der IS hat sich unter die Zivilbevölkerung gemischt. Er hat zum Teil Raketen- und Geschützstellungen IS auf Wohnhäuser gestellt. Alle möglichen Zivilisten werden verdächtigt, Informationen an die Gegner zu liefern. Menschen werden mitten in der Stadt hingerichtet. Es ist schrecklich.

In Ost-Mossul hat die irakische Armee drei Monate gebraucht, um den IS zu vertreiben. Stellt man sich im Westen auch auf einen langen Kampf ein?

Es wird auf jeden Fall nicht nur Tage dauern. Die irakischen Truppen gingen immer davon aus, dass der Osten leichter zurückzuerobern sei, und dass es im Westen schwieriger werde. Es wird also Wochen wenn nicht gar Monate dauern.

Bilder aus dem zerstörten Mossul

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Inga Rogg

Inga Rogg
Legende: ZVG

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin und lebt zeitweise im Irak. Zurzeit ist sie in Istanbul. Seit 2003 berichtet sie für die NZZ und die «NZZ am Sonntag» aus dem Irak, seit 2009 ist sie auch für SRF im Einsatz.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Interessanter Artikel. Bemerkenswert der Vergleich mit der Berichterstattung aus Aleppo: in Mossul wird über die Erfolge der Befreier für die Zivilbevölkerung berichtet, nicht so in Aleppo. In Mossul werden die zivlien Opfer der Befreiung kaum erwähnt, dafür die Gräueltaten auf Seiten des IS. In Aleppo dienten die zivilen Opfer einer beispielslosen Kampagne gegen die Befreier während die Gräueltaten der Rebellen verschwiegen wurden -> geschickte Steuerung der Emotionen der Medienkonsumenten.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, in Aleppo wütete auch nicht der IS sondern die Russen und das Regime Assad.
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    2. Antwort von Philipp Etter (Philipp Etter)
      @AP Soll das ein Witz sein ??? oder glauben Sie,was Sie geschrieben haben ???
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    3. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      @Planta. Weshalb sind dann die Zivilisten, als sie nicht mehr von den Rebellen festgehalten werden konnten, weil diese von der syrische Armee angegriffen worden sind, in den Westen Aleppos geflohen? Dort ist nämlich "Assad-Land". Offenbar waren die "guten Rebellen" doch eher "böse Terroristen".
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Ein ausgewogener Bericht über Ostmossul. Die Bewohner kommen zu Wort und es wird über ihr Schicksal und ihre Eindrücke/Gefühle berichtet. Kein Bild von zerbombten/zerstörten Häuserzeilen. Wieso wird ein ähnlicher Bericht über Aleppo, wo die ganze Staat und ein Teil der Region befreit sind, nicht gebracht? Ist man als Journalist in Mossul/Irak so viel sicherer? Oder war sie gar nie in der Nähe von Mossul, sondern berichtet aus 2. Hand? Was nicht schlimm ist, wenn die Reportage ausgewogen ist.
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  • Kommentar von Cherubina Müller (Fabrikarbeiterin)
    Diese Informationen sind doch sehr dürftig; zivile Opfer und Vertriebene werden erst gar nicht erwähnt. Es sind aber tausende Zivilisten welche alleine durch die Belagerer getötet und über hunderttausend Zivilisten welche vertrieben wurden. Nach der Befreiung von Ost-Aleppo aus den Fängen der Fateh al-Sham (Al-Qaida) wurden dort bis zum 27. Dezember 2016 fünf Schulen wiedereröffnet ohne dass wir das hier erfahren durften. Dasselbe Leid aber nicht dasselbe Intresse.
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