In Kiew stehen die Zeichen weiter auf Sturm

Die Demonstrationen in der Ukraine gehen weiter. In Kiew harren die Gegner der Regierung trotz Kälte aus. Im Zentrum haben sie eine Zeltstadt errichtet.

Demonstranten stehen hinter einer Barrikade auf einer Strasse Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Demonstranten haben die Hauptstrasse in Kiew sowie den Zugang zum Regierungsgebäude blockiert. Keystone

Zusatzinhalt überspringen

Bei Protesten gegen die Regierung sind am Sonntag mehr als 150 Polizisten und Demonstranten verletzt worden. Vermummte hatten mit einem Bulldozer Polizisten angegriffen. Zuvor hatten über 100'000 Personen friedlich demonstriert. Alles über den Tag der Gewalt in Kiew lesen Sie hier.

Bei erneuten Protesten in der Ukraine haben Tausende Oppositionsanhänger in Kiew den Rücktritt von Ministerpräsident Nikolai Asarow gefordert. Ein Amtsverzicht des engen Vertrauten von Staatschef Janukowitsch wäre ein «erster wichtiger Schritt», sagte Arseni Jazenjuk von der Partei der Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Beobachter sprachen von deutlich weniger Demonstranten als am Vortag.

Hunderte Demonstranten hielten am Montag weiter die Gewerkschaftszentrale und das Rathaus besetzt. Die Polizei rief die Oppositionsanhänger auf, die Gebäude unverzüglich zu räumen.

Ausharren im zentrum von Kiew

0:15 min, vom 2.12.2013

Nach den gewaltsamen Protesten am Sonntag war es in der Nacht relativ ruhig geblieben. Auf dem Kiewer Unabhängigkeitsplatz errichteten Oppositionelle ein Zeltlager nach dem Vorbild der orangenen Revolution von 2004 und 2005.

Nach Einschätzung von SRF-Korrespondent Peter Gysling dürfte es die Bewegung von der Strasse aber diesmal erheblich schwerer haben sich durchzusetzen, als dies vor neun Jahren der Fall gewesen ist. Laut Gysling ist die Opposition zerstritten und bringt derzeit keine parlamentarische Mehrheit auf die Beine.

Friedliche Demonstranten distanzieren sich von Gewalt

Man werde sich dem Druck von oben nicht beugen und ausharren, hat Boxweltmeister Vitali Klitschko erklärt. Er ist einer der Anführer der ukrainischen Opposition. Die rechtsnationale oppositionelle Swoboda-Partei, die am Sonntag das Bürgermeisteramt in Kiew unter ihre Gewalt brachte, will gar einen landesweiten Generalstreik ausrufen.

Weit über hunderttausend Menschen hatten sich am Sonntag trotz behördlichem Demonstrationsverbot zum Maidan begeben. Das brutale Durchgreifen einer ukrainischen Polizeieinheit gegen friedliche Demonstranten am Samstag früh hatte in der Bevölkerung für zusätzlichen Zorn gegenüber der Staatsführung gesorgt.

Am Sonntagabend allerdings führten Randalierer und Provokateure vor dem Amtssitz des Staatspräsidenten schwere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Sie forderten auf beiden Seiten Dutzende von Verletzten. Die friedlichen Demonstranten auf dem Freiheitsplatz distanzierten sich von diesem Vorgehen.

Opposition fühlt sich gestärkt

«Präsident Janukowitsch hat bisher zu allem geschwiegen», sagt Peter Gysling. Offensichtlich wisse er nicht so recht, wie er reagieren solle und mauere sich deshalb ein. «Er fürchtet sich natürlich vor einer Wiederholung der orangen Revolution und wird vermutlich alles tun, um die Oppositionsbewegung kaltzustellen», glaubt der SRF-Korrespondent.

Noch in dieser Woche will Janukowitsch angeblich nach Moskau fliegen, um mit Russland weitere Abkommen zur bilateralen Zusammenarbeit zu unterzeichnen. Dieses Vorhaben dürfte die Gegner des Präsidenten in ihrem Protest noch bestärken.

Proteste in der Ukraine

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Demonstrationen in der Ukraine

    Aus Tagesschau vom 1.12.2013

    In der Ukraine halten die Demonstrationen gegen Präsident Janukowitsch und dessen Regierung weiter an: Seit der Orangenen Revolution vor neun Jahren hat das Land eine solch grosse Kundgebung wie heute nicht mehr erlebt.

  • «Die Ukraine gehört zu Europa»

    Aus Echo der Zeit vom 1.12.2013

    Aus Wut über die Europa-Politik der Regierung haben weit über 100‘000 Menschen in Kiew protestiert. Die Demonstranten forderten den Rücktritt des ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch. Am Rande der Kundgebung kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.

    Peter Gysling