In Köln demonstrieren 30'000 Kurden

Sie fordern die Freilassung von Abdullah Öcalan, dem Anführer der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Gleichzeitig stellen sie sich gegen die Politik des türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Mehr als 1000 Polizisten standen im Einsatz.

Kurden mit Öcalan-Flaggen demonstrieren in Köln. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bis zum Abend stellte die Polizei fünf Fahnen sicher und nahm sieben Anzeigen wegen des Zeigens verbotener Symbole auf. Getty Images

In Deutschland zeigen nach den Erdogan-Anhängern nun auch die Erdogan-Gegner Flagge: Knapp 30'000 Kurden haben in Köln für die Freilassung von PKK-Chef Abdullah Öcalan und gegen die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan demonstriert.

Die kurdische Arbeiterpartei PKK ist in der EU als Terrororganisation eingestuft und in Deutschland verboten – nicht jedoch in der Schweiz. Die Redner der Kundgebung vertraten aber den Standpunkt, nur unter Beteiligung der PKK und Öcalans könne eine Friedenslösung mit der Türkei gefunden werden.

Viele Demonstranten schwenkten Fahnen mit Öcalans Bildnis, auch auf der Bühne hing ein grosses Bild von ihm. Vor fünf Wochen hatten an gleicher Stelle mehrere zehntausend Erdogan-Anhänger demonstriert.

Fahnen und verbotene Symbole sicher gestellt

Der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies äusserte sich gegen Ende der Kundgebung zufrieden über den Verlauf der Kundgebung. Er führte dies auf klare Vorgaben der Polizei und auf zahlreiche Vorgespräche sowohl mit kurdischen wie mit türkischen Gruppen zurück.

Auch die Veranstalter hätten konstruktiv zu einem sicheren Ablauf beigetragen, sagte Mathies. Mehr als 1000 Polizisten seien eingesetzt worden. Bis zum frühen Abend stellte die Polizei lediglich fünf Fahnen sicher und nahm sieben Anzeigen wegen des Zeigens verbotener Symbole auf.

Regierung als diktatorisch kritisiert

Bei der Kundgebung kritisierte der Vorsitzende der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Selahattin Demirtas, die Erdogan-Regierung als «diktatorisch». Erdogan betrachte den gescheiterten Militärputsch «als eine Gelegenheit, die ihm auf dem Silbertablett serviert wurde», sagte Demirtas laut Übersetzung. Die einzigen, die sich ihm noch in den Weg stellten, seien die Kurden.

Der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger forderte: «Sofort raus aus Syrien mit dem türkischen Militär!» Die EU müsse die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei stoppen, Deutschland das Flüchtlingsabkommen mit Erdogan aufkündigen. «Öcalan muss freigelassen werden», forderte Riexinger. «Wir dürfen auch nicht akzeptieren, dass die PKK in Deutschland verboten ist. Wir fordern die Aufhebung des Verbots.»

Der türkische AKP-Abgeordnete Mustafa Yeneroglu warf deutschen Medienmachern und Politikern mit Blick auf die Kurden-Demo in Köln eine Doppelmoral vor. Die gleichen Leute, die die AKP-nahe Kundgebung in Köln Ende Juli kritisiert hätten, seien jetzt «vor der Demo einer Terrororganisation in derselben Stadt plötzlich verstummt», sagte Yeneroglu.