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International In Paris steigt die Seine – Gefahr für die Kunst im Musée d'Orsay

Die Lage an der Seine in Paris bleibt angespannt. Der Fluss erreicht den höchsten Wasserstand seit fast 35 Jahren. Bis zum Pegel Jahrhunderthochwasser von 1910 fehlen aber noch gut 2,5 Meter. Zahlreiche Sehenswürdigkeiten blieben in der französischen Hauptstadt geschlossen.

Der heftige Regen der vergangenen Tage hat die Seine in Paris so stark ansteigen lassen wie seit fast 35 Jahren nicht mehr. Der Pegelstand des Flusses erreichte laut Umweltministerium die Sechs-Meter-Marke und sollte bis zum Abend weiter steigen.

Legende: Video Hochwasserlage in Frankreich und Deutschland bleibt angespannt abspielen. Laufzeit 2:16 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.06.2016.

Wegen der Überschwemmungen wurden der Louvre und weitere Museen geschlossen. Uferstrassen und eine Bahnlinie blieben gesperrt. Auch Schiffe durften auf der stark angeschwollenen Seine nicht mehr fahren – betroffen davon sind sowohl die beliebten Ausflugsboote als auch Frachtschiffe.

Hohes Niveau das ganze Wochenende

Nach Angaben des Umweltministeriums wurde am Mittag bei einer Messstation ein Wasserstand von sechs Metern gemessen. Bis zum Abend wurde ein neuer Höchststand von bis zu sechseinhalb Metern erwartet. Zum Vergleich: Vor einer Woche lag der Pegelstand noch unter 1,30 Meter.

Einen vergleichbaren Wasserstand wie am Freitag hatte die Seine in Paris 1982, damals wurden 6,15 Metern gemessen. Bei der Jahrhundertflut im Jahr 1910 waren es 8,62 Meter. Der Wasserstand dürfte das gesamte Wochenende auf einem sehr hohen Niveau bleiben und erst dann langsam zurückgehen.

Wegen des Hochwassers blieben das weltberühmte Louvre-Museum und das Impressionisten-Museum Musée d'Orsay am Seine-Ufer am Freitag geschlossen: Aus Angst vor Überschwemmungen wurden in den Untergeschossen gelagerte Werke in höhere Etagen gebracht. Am Nachmittag schloss auch der für seine Ausstellungen bekannte Grand Palais als Vorsichtsmassnahme seine Pforten.

Enttäuschte Touristen

Viele Touristen reagierten enttäuscht. «Wir wollten heute in den Louvre und dann bei einer Bootstour auf der Seine zu Abend essen. Beides wurde gestrichen», sagte eine US-Touristin.

Auch zwei schottische Touristinnen, die vergeblich zum Musée d'Orsay gekommen waren, zeigten sich «sehr enttäuscht». «Das ist schade, aber es gibt in dieser Stadt so viel zu tun, dass wir uns nicht langweilen werden.»

Sorge um Clochards

Zugleich zog das Schauspiel der Wassermassen, die Uferstrassen, Bootsstege und Promenaden überflutet haben, zahlreiche Schaulustige an. Bürgermeisterin Anne Hidalgo betonte, derzeit gebe es «keine Bedrohung für die Bevölkerung». Es müsse niemand seine Häuser verlassen.

Das Hochwasser in Paris legte zudem den Betrieb der Regionalbahnlinie RER C streckenweise lahm. Wegen der Überschwemmungen haben in ganz Frankreich bereits 5500 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen. Das berichtete der Sender France Info unter Berufung auf das Krisenzentrum der Regierung. «Die Situation bleibt angespannt», sagte Premierminister Manuel Valls. Weitere Evakuierungen seien nötig.

Sorgen bereitete aber das Schicksal von Obdachlosen, die häufig am Ufer der Seine unter Brücken schlafen. Umweltministerin Ségolène Royal sagte dem Sender France 2, sie fürchte, dass nach einem Sinken des Wasserspiegels «Opfer entdeckt werden könnten». Mitarbeiter des Rathauses versuchten Obdachlose zu überreden, von Überschwemmungen gefährdete Orte zu verlassen. Zwei Turnhallen wurden als Schlafplätze geöffnet.

Schwere Verwüstungen

Die Überschwemmungen haben auch in der Region um Paris und in der Loire-Region zu schweren Verwüstungen geführt. Am Donnerstag wurde ein Reiter im südwestlich von Paris gelegenen Evry-Grégy-sur-Yerres von den Wassermassen fortgerissen. Die Leiche des 74-Jährigen wurde zwei Stunden später geborgen. Seit Beginn der heftigen Regenfälle am vergangenen Wochenende rückte die Feuerwehr landesweit zu 16'000 Einsätzen aus. 20'000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

Frankreichs Staatschef François Hollande hat angekündigt, dass die betroffenen Gebiete bei der nächsten Kabinettssitzung am Mittwoch zu Katastrophengebieten erklärt werden soll. Das ist wichtig für eine Entschädigung der Betroffenen.

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