Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Iran bei der Fussball-WM Zu Gast bei Feinden: «Team Mullah» in den USA

Strenge Einreiseregeln, keine Visa für den Staff: Unter erschwerten Bedingungen reist der Iran zur WM. Dem Regime wäre es aber womöglich lieber gewesen, ganz vom Turnier ausgeschlossen zu werden.

Noch im März wollte der iranische Sportminister von einer Teilnahme an der Fussball-WM nichts wissen. Knapp zwei Wochen nach Beginn der US-Angriffe sagte er in einem TV-Interview: Nachdem «diese korrupte Regierung unseren Führer ermordet» habe, sehe er keine Voraussetzungen, um an einer WM teilzunehmen.

Einreise und Ticketvergabe – der Iran ist sportlich im Nachteil

Box aufklappen Box zuklappen

Nach Angaben des iranischen Botschafters in Mexiko darf sich die Nationalmannschaft nur an ihren Spieltagen in den USA aufhalten. Einige Staff-Mitglieder dürfen gar nicht erst einreisen – unter anderem Verbandschef Mehdi Tadsch. Nach dem Abpfiff müssen die Iraner die USA innerhalb von zwei Stunden verlassen.

Diese Sonderregeln nennt Sportjournalist Ronny Blaschke einen «sportlichen Nachteil». Normalerweise könnten sich die Mannschaften mehrere Tage Zeit lassen, um sich am Spielort zu akklimatisieren. Für das iranische Team sei das nicht möglich.

Ausserdem ist dem iranischen Verband laut eigenen Angaben sein Ticket-Kontingent entzogen worden. Laut den Regeln der Fifa bekäme der Verband jeweils acht Prozent der Tickets für seine Spiele. Die Fifa und die WM-Gastgeberländer äusserten sich dazu bislang nicht.

Nun spielt der Iran doch mit, am Sonntag ist die Mannschaft in ihrem Quartier in Mexiko eingetroffen. Zwei Gruppenspiele des Irans finden aber nach wie vor in den USA statt. Es ist das erste Mal, dass ein Gastgeberland bei einer Fussball-WM einen Kriegsgegner empfängt.

Abschied aus Teheran

In Teheran hat die Staatsführung «Team Melli», wie die Nationalmannschaft auf Persisch heisst, mit einer grossen Kundgebung auf dem Revolutionsplatz verabschiedet. Verbandspräsident Mehdi Tadsch, ein ehemaliges Mitglied der Revolutionsgarden, gab sich kämpferisch. Er erklärte den Spielern: «Bei der WM werdet ihr den Iran als Teil der Widerstandsfront und als Kriegshelden des Obersten Führers vertreten.»

Menschenmenge bei einer Veranstaltung mit einer grossen Wandmalerei im Hintergrund.
Legende: Am 13. Mai wird die iranische Nationalmannschaft in Teheran zur WM verabschiedet. Für das Regime ist die Zeremonie ein hochsymbolischer Akt. Imago / Middle East Images

Die Kundgebung in Teheran demonstriert, was im iranischen Fussball längst Alltag ist: Der Verband und die Vereine sind heute klar ein Instrument der Revolutionsgarden. «Team Mullah» statt «Team Melli» – so formuliert es der Journalist Ronny Blaschke, der auf Gesellschaftsfragen rund um den Sport spezialisiert ist. Tatsächlich habe der Fussball für das isolierte und stark sanktionierte Regime eine spezielle Rolle. «Der Fussball ist eines der wenigen Themen, bei denen der Iran international ein bisschen glänzen kann.»

Die Diaspora ist vorbereitet

In der Vergangenheit kam es bei der Nationalmannschaft aus Sicht des Regimes allerdings schon mehrmals zu Eklats. 2009 solidarisierten sich einige Spieler symbolisch mithilfe einer Armbinde mit der Opposition. 2022 verweigerte die Männer-Mannschaft beim ersten Gruppenspiel geschlossen das Mitsingen der Nationalhymne. Und erst dieses Jahr beantragten beim Asien-Cup in Australien fünf iranische Spielerinnen zwischenzeitlich Asyl, um nicht in ihre Heimat zurückkehren zu müssen.

Bei der Männer-WM rechnet Ronny Blaschke nicht mit so einem Schritt. Aber: Die grosse iranische Diaspora in den USA ist auf das Turnier vorbereitet. Zum Beispiel in Los Angeles, wo der Iran eines seiner Gruppenspiele absolviert. Dort laufen seit Wochen Vorbereitungen für Proteste. «Diese werden sicher auch die WM vor und in den Stadien prägen.»

Menschen halten eine grosse iranische Flagge mit Löwe und Sonne. Im Hintergrund weitere Flaggen.
Legende: In Kalifornien wird schon jetzt protestiert, hier in der Stadt Inglewood. Diese Demonstrantinnen und Demonstranten fordern die Fifa auf, die iranische Flagge zu ersetzen – mit jener vorrevolutionären Löwen-und-Sonnen-Fahne, die hier im Bild zu sehen ist. Die Fifa verbietet dieses Symbol in den Stadien (7. Juni 2026). Imago / Zuma Press Wire

Zwar wird die Fifa kaum Bilder von diesen Aktionen zeigen – und das iranische Staatsfernsehen schon gar nicht. Solche Aktionen könnten sich trotzdem herumsprechen, etwa über die sozialen Medien. «Das Ganze wird ein Propagandarückschlag für die Islamische Republik. Davon kann man ausgehen.»

Das Extremszenario: Ein K.-o.-Spiel gegen die USA

Wahrscheinlich wäre die Staatsführung nicht allzu traurig gewesen, wenn die USA oder die Fifa den Iran ganz ausgeschlossen hätten. Alles in allem gäbe es für den Verband bei dem Turnier, bei dem er wegen der Einreiseregeln auch sportlich im Nachteil ist, wenig zu gewinnen, so der Sportjournalist Blaschke. «Es geht jetzt, glaube ich, einfach um Schadensbegrenzung.»

Noch einmal zuspitzen könnte sich die Causa übrigens, wenn sowohl der Iran als auch die USA die Gruppenphase jeweils auf dem zweiten Platz abschliessen. Dann treffen beide Mannschaften in der ersten Runde der K.-o.-Phase aufeinander.

Wählen Sie SRF als Ihre bevorzugte Quelle bei Google

Box aufklappen Box zuklappen

Schneller das sehen, was für Sie relevant ist: Mit wenigen Klicks können Sie bei der Google-Suche Ihre bevorzugten Nachrichtenquellen hinterlegen. So auch SRF.

Über diesen Link gelangen Sie zu den Quelleneinstellungen in Ihrem Google-Konto, wo SRF zur Auswahl bereit steht. Klicken Sie das Kästchen an – nun wird die Zusammenstellung der Nachrichtenquellen personalisiert. Sie sehen häufiger Inhalte von SRF in den Ergebnissen.

SRF 4 News, 09.06.2026, 16:31 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel