Zum Inhalt springen

International IS beansprucht Anschlag in Nizza für sich

Das Attentat auf die Menschen an der Strandpromenade soll von «einem Soldaten des IS» begangen worden sein. Dies lässt die Terrormiliz über ihre Propaganda-Abteilung Amaq verlauten. Die Erklärung ist noch nicht verifiziert. Derweil haben die Behörden weitere vier Personen festgenommen.

Legende: Video «IS beansprucht Attentat in NIzza für sich» abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.07.2016.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist laut der Gruppe nahestehender Kreise für den Angriff in Nizza verantwortlich.

Der Angreifer sei «ein Soldat des IS» gewesen, teilte die IS-Propaganda-Abteilung Amaq mit. Der Angriff sei eine Folge des IS-Aufrufs, Angehörige der Anti-IS-Koalition anzugreifen, hiess es weiter. Die Erklärung ist noch nicht unabhängig verifiziert worden.

Zunächst keine Hinweise auf IS-Hintergrund

Die französischen Behörden haben noch keine Hinweise darauf, dass der 31 Jahre alte Attentäter Mohamed Lahouaiej-Bouhlel in Verbindung mit Islamisten stand.

Schweizer Institut: Kein Terrorismus

Ein Schweizer Forschungsinstitut widerspricht einer Einstufung der Tat als Terrorismus. Es handele sich um einen Amoklauf, schrieb das Basel Institute of Commons and Economics. «Die zahlreichen Amokläufe von europäischen und US-Bürgern in den USA, Frankreich und Belgien sind keine Taten des ‹internationalen Terrorismus›, sondern Einzeltaten ohne eine konkrete politische Forderung oder ein politisches Ziel», schrieb das Institut. Die Erhebung von «tragischen Amokläufen» zu politischen Taten ermuntere Nachahmer.

Der Tunesier war während des Feuerwerks zum Nationalfeiertag der Franzosen mit einem Laster in die Menschenmenge gerast. Mindestens 84 Menschen starben, über 200 wurden verletzt. 16 Todesopfer konnten bislang nicht identifiziert werden.

Vier Personen im Umfeld des Täters verhaftet

In Frankreich suchten die Ermittler nach möglichen Hintermännern der Bluttat. Vier Männer aus dem näheren Umfeld des Attentäters wurden zur Vernehmung festgenommen. Immer noch in Polizei-Gewahrsam ist auch die frühere Frau des Angreifers.

Legende: Video «Anschlag in Nizza: Die Fakten» abspielen. Laufzeit 5:55 Minuten.
Aus Tagesschau vom 15.07.2016.

Premierminister Manuel Valls hatte sich schon am Freitag überzeugt gezeigt, dass der von der Polizei erschossene Attentäter ein organisierter Islamist gewesen war – auch wenn die Ermittlungen dies noch nicht bestätigt haben. «Das ist ein Terrorist, der ohne Zweifel auf die eine oder andere Weise mit dem radikalen Islamismus verbunden war», sagte Valls. Innenminister Bernard Cazeneuve verneinte dagegen die Frage, ob man Mohamed Lahouaiej-Bouhlel Verbindungen zum radikalen Islam nachweisen könne.

Lahouaiej-Bouhlel hatte psychische Probleme

Der Attentäter lebte nach Angaben der Staatsanwaltschaft seit vielen Jahren in Nizza. Bis Donnerstag war Lahouaiej-Bouhlel nur als Kleinkrimineller aufgefallen.

Nach Angaben seiner Familie war er schon vor seiner Bluttat gewalttätig gewesen. «Er schlug seine Frau, also meine Cousine, er war ein Mistkerl», berichtete ein Familienmitglied der britischen Zeitung «Daily Mail». «Er trank Alkohol, er ass Schweinefleisch, und er nahm Drogen.» Bereits zuvor hatte der Vater berichtet, dass sein Sohn früher wegen psychischer Probleme ärztlich behandelt worden sei.

Radikalisierung hinter Palmen

Nizza gilt als fruchtbares Terrain für Islamisten. Neben Paris, Toulouse und Lyon gehört die Hafenstadt am Mittelmeer zu den Hochburgen islamistischer Radikalisierung in Frankreich.

Omar Omsen – ein Franko-Senegalese – der im Ruf steht, einer der wichtigsten Islamisten-Rekrutierer in Frankreich zu sein, hat in Nizza angefangen, für den Dschihad in Syrien zu werben. Seit 2013 hält sich der selbsternannte Imam in Syrien auf. Er wird aktiv von Frankreichs Geheimpolizei gesucht.

Viele Franzosen, die in Syrien zum Kampf ausgebildet werden, sollen aus Nizza stammen. Warum gerade Nizza? Experten kommen zum Schluss, die grosse Gemeinschaft nordafrikanischer Einwanderer in Nizza sei nicht in die französische Gesellschaft integriert.

Die Zeitung «Libération» schreibt, rund 100 Dschihadisten seien aus dem Département Alpes-Maritimes in den Syrienkrieg gezogen – so viele wie aus keinem anderen französischen Departement.

Auch der französische Parlamentsabgeordnete Sébastien Pietrasanta bestätigte nach dem Angriff am Donnerstag in Nizza, die Stadt sei ein Zentrum der Radikalisierung.

21 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Stimmt schon nachdenklich, dass weder der IS noch die fränzösische Polizei einen Amokläufer von einem Islamisten unterscheiden können. Logisch konnten sie ihn mit den herkömmlichen Mittel nicht entdecken. Hätte ja eher Hilfe vom Staat gebraucht aber der sieht ja nur noch rot.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Lienhard (mazzok)
    Für mich der beste Beweis das Propaganda das modernste Kriegswerkzeug ist um Hass und Gewalt Angst und Unvernunft in die Welt zu Posten. Und wir Menschen machen mit und verändern die Stimmung auf der Erde ins negative. Egal wer es wahr es ist einfach nur krank wen man solche Taten plant und dan auch noch ausführt. "Doch im 3 Weltkrieg anscheinend Standard Waffe." :-((
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Manuel Pestalozzi (M. Pestalozzi)
    Die Erhebung von «tragischen Amokläufen» zu politischen Taten ermuntere Nachahmer, sagt ein Schweizer Forschungsinstitut. Ich habe starke Zweifel, dass das erwiesen ist. Die tragischen Schulmassaker deuten eher darauf hin, dass Amokläufer tout court Nachahmer ermuntern. Politisch oder nicht, ist egal. Hauptsache sie kommen am Fernsehen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Reto Camenisch (Horatio)
      Stimmt bestimmt. Unsere narzisstische Gesellschaft fördert dies auf alle Arten, im Konsum, in den Medien, in vielen Beziehungen. Jeder sucht sich was aus.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen