Island kann nach Bank-Pleite aufatmen

Beim Banken-Crash 2008 schützte das Land nur einheimische Anleger. Ausländer gingen zunächst leer aus. Das war rechtens, hat nun das EFTA-Gericht entschieden.

Isländer spenden im Jahr 2009 symbolisch Münzen zur Rettung der Icesave-Bank Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Hat Leck geschlagen: Isländer spenden im Jahr 2009 symbolisch Münzen zur Rettung der Icesave-Bank. Reuters

Mehr als nur ein Achtungserfolg: Island hat vor dem EFTA-Gerichtshof einen Rechtstreit im Zusammenhang mit dem Icesave-Skandal gewonnen. Das Gericht der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) hat entschieden: Das Land hat nicht gegen Gesetze zum Schutz von Kontoinhabern verstossen, als es beim Zusammenbruch der Online-Bank Icesave 2008 zunächst die britischen und niederländischen Sparer nicht entschädigte.

Rückendeckung vom Gericht

Die Klage wurde damit abgewiesen. Island muss keine Entschädigungen zahlen. «Die isländischen Steuerzahler werden nicht zur Kasse gebeten für Verluste, die Privatbanken im Ausland einfahren», sagt Bruno Kaufmann, Nordeuropa-Korrespondent für Radio SRF. Der EFTA-Gerichtshof urteilt, Island habe die Rechtssituation korrekt angewandt.

Im Zuge der Finanzkrise waren die drei führenden Banken Islands binnen Tagen zusammengebrochen. Dazu zählte im Oktober 2008 die Mutter der Direktbank Icesave.

Rasches Handeln

Der Staat sprang in die Bresche. «Island handelte im Unterschied zu anderen Ländern schnell», sagt Kaufmann. Der Staat übernahm die Inlandgeschäfte der Banken und entschädigte die isländischen Sparer für ihre Verluste. Ausländische Anleger gingen hingegen zunächst leer aus. Rund 400'000 Briten und Niederländer hatten Konten bei Icesave.

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Leben in der Krise

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2009 zeichnete das Wirtschaftsmagazin «ECO» die Entstehung der isländischen Krise nach – und zeigte, wie Unternehmer damit leben.
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Sie wurden in ihren Heimatländern in voller Höhe für ihre Verluste entschädigt. Seitdem fordern Grossbritannien und die Niederlande eine Rückzahlung von Island. Island schuldet den Ländern rund 3,5 Milliarden Euro.

Langes Leiden

Trotz des Urteils ist für Island der Albtraum der Finanzkrise noch nicht ausgestanden. Zwar konnte die Staatspleite abgewendet werden. Aber viele Haushalte sind verschuldet, die Wirtschaft schwächelt weiterhin an den Folgen der Krise. Oder wie SRF-Korrespondent Kaufmann sagt: Die Isländer leiden noch heute.