Israel greift Forschungszentrum bei Damaskus an

Galt der Luftschlag einem Forschungszentrum oder einem Waffenkonvoi? Weil Israel sich nicht zu dem Vorfall äussert, herrschte Unklarheit. Nun haben aber auch der Opposition nahestehende Medien die offizielle syrische Version bestätigt. Demnach galt der Angriff einem Forschungszentrum bei Damaskus.

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Israel greift Ziele in Syrien an

3:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 31.1.2013

Die Website All4Syria, die der Opposition nahesteht, schrieb unter Berufung auf Augenzeugen, das Forschungszentrum der Armee im Nordosten von Damaskus sei von neun Granaten getroffen worden.
 
Als der Angriff begann, habe ein Offizier besorgten Anwohnern allerdings erklärt, die syrische Luftwaffe mache Jagd auf Rebellen. Diese beabsichtigten, das Zentrum anzugreifen, weil sie dort Angehörige der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah vermuteten.

Opposition bezweifelt offizielle Opferzahlen

Die weitgehend regimetreue Website syriatruth bezeichnete ebenfalls das Forschungszentrum als Ziel des israelischen Luftangriffs. Es liegt nur etwa fünf Kilometer vom Palast des Präsidenten Baschar al-Assad entfernt.

Die Opposition kritisierte, es sei eine Schande, dass Assads Regime nicht in der
Lage sei, einen israelischen Luftangriff abzuwehren. Ausserdem wies All4Syria darauf hin, dass die offizielle Opferzahl nicht glaubwürdig sei.

Die syrische Armee hatte erklärt, bei dem Angriff auf das Zentrum seien zwei Arbeiter getötet und drei Menschen verletzt worden. Anwohner berichteten dem Nachrichtenportal jedoch, auf dem Gelände hätten sich stets rund 200 Menschen aufgehalten.

Keine Chemiewaffen in Händen der Hisbollah

Ein israelischer Militärsprecher sagte, derartige Berichte würden nicht kommentiert. Israel sei aber sehr besorgt, dass Chemiewaffen und hochmoderne Waffensysteme aus dem umkämpften Syrien in die Hand der schiitischen Hisbollah-Milizen im Südlibanon fallen könnten.

Der israelische Minister für Regionale Entwicklung, Silvan Schalom, hatte erst am Sonntag betont, Israel werde Massnahmen ergreifen, um das zu verhindern.

«Angriff ist nicht hinnehmbar»

Russland hat mit «tiefer Besorgnis» auf Meldungen über einen israelischen Luftangriff in Syrien reagiert. «Wenn die Informationen bestätigt werden, wäre dies ein grober Verstoss gegen die UN-Charta», teilte das Aussenministerium in Moskau mit.

Angriffe auf Ziele in einem souveränen Staat seien «nicht hinnehmbar – aus welchen Motiven dies auch immer geschehen mag». Zuvor hatten US-Regierungsbeamte nach Medienberichten einen israelischen Raketenangriff auf einen Konvoi im Nachbarland Syrien bestätigt