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International Italien: Renzi setzt auf Frauenpower – mit Kalkül

Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi hat die Frauen entdeckt. Schon sein Kabinett besteht zur Hälfte aus Frauen und vier der mächtigsten Staatskonzerne werden künftig ebenfalls von Frauen gelenkt. Italien wird weiblicher. Aber nicht, weil Renzi die Frauenförderung besonders am Herzen läge.

Matteo Renzi am Rednerpult.
Legende: Matteo Renzi ist auf Stimmenfang bei den Frauen. Keystone

Acht der 16 Ministerposten sind mit vornehmlich jungen und politisch unerfahrenen Frauen besetzt. Neider im männlichen Lager müssen freilich eingestehen, dass sie sich ganz wacker schlagen.

Konsternation löste Renzi aus, als er bei den Europawahlen die altgediente Garde auf die hinteren Listenplätze verbannte, jene Männer, die klar zum Umfeld der ehemaligen Parteioberen um Massimo d'Alema, Pier Luigi Bersani oder Rosy Bindi gehören und die Renzi nicht ausstehen können. An ihrer Stelle liess Renzi ebenfalls junge, weitgehend unbekannte Frauen aufstellen.

Nun sein vorerst letzter Coup: Vier der acht grossen Staatskonzerne werden in Zukunft von Frauen gelenkt, wenn auch alle aus dem rechten Lager gehören.

Dass es Renzi tatsächlich um die Förderung der Frauen geht, darf bezweifelt werden. Zyniker sagen, er würde auch 80-jährige Männer portieren, wenn es ihm dienlich wäre.

Europawahlen im Fokus

Renzi hat ein Ziel und das ist der 25. Mai, Stichwort Europawahlen. Alle Umfragen sagen, dass es zum Duell zwischen dem Antipolitiker, Antieuropäer und Komiker Beppe Grillo und Matteo Renzi kommt. Von Silvio Berlusconi spricht derzeit niemand. Der ist mit seinen Prozessen beschäftigt.

Auch Beppe Grillo scheint sich auf Renzi einzuspielen. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass er ihn mit ordinären Beschimpfungen überzieht. Renzi wiederum wiederholt täglich seinen Spruch: Ich mache, der andere brüllt.

Ganz so locker nimmt Renzi die Sache aber nicht. Denn er weiss: Gewinnt er am 25. Mai, schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen könnte er seine parteiinternen Widersacher um die Urgesteine Massimo d'Alema, Pier Luigi Bersani und Rosy Bindi mundtot machen. Zum andern wäre zumindest vorderhand klar, dass es nicht zu Neuwahlen kommt, da Renzi weder intern gemeuchelt, noch von Aussen in Frage gestellt werden kann.

Renzi hätte dann freie Bahn, den Partito Democratico in seiner heutigen Form zu zerstören und einen lockeren Wahlbund zu formen mit einem linken Flügel, der entweder geht oder in der Bedetungslosigkeit verschwindet.

Bei Frauen auf Stimmenfang

Um das zu verhindern, setzt Renzi die Frauen ein. Er hofft auf Stimmen aus dem weiblichen Lager, will mit seiner Politik der Ankündigungen und der angeblich sofortigen Umsetzung jene Linken zurückholen, die bei Grillo gelandet sind, will damit aber auch im Lager des angeschlagenen Berlusconi wildern können.

Am Ende soll er stehen, Matteo Renzi, der Retter Italiens. Bei aller Kritik an ihm: Er scheint zur Zeit der Einzige zu sein, der in diesem Land vielleicht etwas bewegen kann. Scheitert er am 25. Mai, fallen die Alten in seiner Partei über ihn her.

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