Italiens Parlament lehnt Frauenquote ab

Mittels neuem Wahlgesetz sollten die Parteien in Italien dazu verpflichtet werden, künftig ihre Listen zu 50 Prozent mit Frauen zu besetzen. Mit diesem Vorhaben ist nun Premierminister Matteo Renzi im Parlament gescheitert – ausgerechnet. Sein Kabinett besteht zur Hälfte aus Frauen.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi hat bei der heiklen Frage der Frauenquote vom Parlament eine Abfuhr erhalten. Bei einer Geheimabstimmung lehnte die Abgeordnetenkammer am Montagabend einen Gesetzesartikel von Renzis Wahlmodell «Italicum» mit deutlicher Mehrheit ab. Demnach hätten Wahllisten zu 50 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen.

Gegen den Artikel stimmten 335 Abgeordnete, dafür sprachen sich 227 aus. Nachdem das alte Wahlrecht für verfassungswidrig erklärt wurde, braucht Italien nun ein neues Wahlgesetz.

Premier Renzi und Statspräsident Napolitano stehen in einer Reihe mit Frauen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Regierung von Renzi umfasst zu 50 Prozent Frauen – ein Rekord in einem italienischen Kabinett. Keystone

Erste Verteidigungsministerin

Renzi hatte vor zwei Wochen sein Kabinett vorgestellt, das zur Hälfte aus Frauen besteht. Für die männerdominierten italienischen Verhältnisse erscheint dies fast revolutionär. Dabei übernahmen Frauen wichtige Schlüsselämter und nicht wie in den letzten Jahren irrelevante Ministerien ohne Portefeuille. So hat Italien erstmals in der Geschichte eine Verteidigungsministerin.