«Juristisch liegen die Fakten vor»

Wenn der Bundesanwalt über den Stand der Ermittlungen gegen den Weltfussballverband informiert, wird auch die US-Justizministerin dabei sein. Sie hat die Verfahren gegen mehrere Funktionäre angestossen. Laut Strafrechtsexperte Mark Pieth könnte sie den Fokus auf eine Person legen.

US-Justizministerin Loretta Lynch und Bundesanwalt Michael Lauber haben eine gemeinsame Medienkonferenz angekündigt, um über den Stand der Ermittlungen in der Korruptionsaffäre rund um den Weltfussballverband Fifa zu informieren.

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Mark Pieth

Porträt von Mark Pieth von der Seite.

Keystone

Der Basler Strafrechtsprofessor und Anti-Korruptionsexperte hatte zwischen 2011 und 2013 im Auftrag der Fifa eine Reformkommission geleitet. Mit seinen Vorschlägen zur Erneuerung der Fifa war er am Ende aber gescheitert.

Nach den neuesten Enthüllungen der Sendung «10vor10» im Fall Fifa rechnet Strafrechtsexperte Mark Pieth damit, dass ein Verfahren eröffnet wird – möglicherweise gegen Fifa-Präsident Sepp Blatter. «Juristisch liegen die Fakten vor. Die Frage ist, gegen wen man ermittelt. Das ist noch offen», sagt er zu SRF.

SRF News: Die amerikanische Justiz treibt die Ermittlungen gegen die Fifa intensiv voran. Wie lange wird es dauern, bis die Verfahren abgeschlossen sind?

Mark Pieth: Wenn man sich überlegt, dass man zwei oder drei Leute und gleichzeitig Millionen von Dokumenten hat, und ständig kommen neue Vorwürfe ans Licht – dann ist das eine riesige Sache. Wenn ich an vergleichbare Untersuchungen denke, zum Beispiel an den Fall Behring, so geht das schnell einmal zehn Jahre. So etwas können sich die USA nicht leisten. Oder sie sagen sich, wir nehmen uns ein ganz kleines Segment heraus, untersuchen das, und werfen den Rest weg.

Wäre das eine vernünftige Taktik aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden?

Das ist das amerikanische Vorgehen. Damit meine ich, dass man jene Leute heraussucht, die man will, und die einem politisch ins Konzept passen. Wir haben in der Schweiz mit dem Opportunitätsprinzip zwar auch die Möglichkeit, das so anzugehen. Aber es ist hier nicht Courant normal, derart radikal zu selektionieren.

Glauben Sie, dass Jeffrey Webb, der im Mai wegen Korruptionsverdacht festgenommen und in die USA ausgeliefert wurde, gegen andere Funktionäre aussagen wird?

Ich stecke nicht in seinen Schuhen. Aber es wäre eine gute Taktik, wenn er sich auf diese Weise freikaufen könnte – wahrscheinlich auch aus der Sicht der US-Justiz.

Das Gespräch führte Samuel Burri.