Kampfansage an den Organhandel

Europa verstärkt den Kampf gegen den Organhandel: Der Europarat hat den Entwurf für eine erste umfassende Konvention auf den Weg gebracht. Im Visier sind dabei insbesondere Organhändler und Chirurgen.

Vier Männer, fotografiert von hinten links, mit hochgeschobenen Shirts, die Narben sind deutlich zu sehen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Pakistaner zeigen ihre Narben – sie haben eine ihrer Nieren verkauft. Keystone

Im Kampf gegen den internationalen Organhandel soll eine Konvention künftig den Tätern das Handwerk erschweren. Der ständige Ausschuss des Europarats hat die Konvention in Wien einstimmig verabschiedet. Sie muss nun noch im Ministerkomitee der Staatenorganisation gebilligt werden.

Möglichst viele Staaten einbinden

Die wichtigsten Bestimmungen: Es wird unter Strafe gestellt, Organe bei Menschen unter Zwang oder gegen Geld zu entnehmen und damit illegalen Handel zu treiben. Auch illegale Implantationen bei zahlungskräftigen Patienten sollen bestraft werden.

Alle Länder können der Konvention beitreten. Im Gegensatz zu den Ländern in Westeuropa existiert in vielen Staaten der Erde bislang kein solches Verbot. «Wir wollen, dass so viele Staaten wir möglich der Konvention beitreten, deshalb wurden die Bestimmungen massvoll gehalten, um auch Länder zu gewinnen, in denen Organhandel praktiziert wird», sagte Ständerätin Liliane Maury Pasquier. Sie ist Berichterstatterin der Europarats-Versammlung. Die Konvention tritt in Kraft, sobald fünf Länder sie ratifiziert haben, von denen drei Europaratsmitglieder sein müssen.

Strafe für «Organspende» gegen Geld?

Organhändler und Chirurgen, die sich an diesen illegalen Praktiken beteiligen, sollen bestraft werden. Den Regierungen wird allerdings überlassen, wie sie mit Menschen umgehen, die sich aus Armut Organe gegen Geld entnehmen lassen. Meist handelt es sich dabei um Nieren. Gleiches gilt für diejenigen, die sich Organe «kaufen», weil sie in ihren Heimatländern möglicherweise sehr lange auf eine Spende warten müssen.

Maury Pasquier bedauerte zu schwache Bestimmungen, um den «Transplantationstourismus» zu stoppen. Gemeint sind damit Patienten, die auf der Suche nach einem Organ in Länder reisen, wo Geschäfte mit Organen möglich sind oder geduldet werden.

Die Arbeit an dieser Konvention wurde durch Medienberichte über einen verbrecherischen Handel mit Organen serbischer Gefangener nach dem Kosovokrieg Ende der 1990er Jahre vorangebracht. Ihnen sollen Organe entnommen worden sein, die zur Transplantation ins Ausland gebracht wurden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel