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International Katalonien: Wer abstimmte, ist für die Unabhängigkeit

Die grosse Mehrheit der Bürger, die sich an der Volksabstimmung beteiligt haben, will politisch auf eigenen Füssen stehen und Spanien den Rücken kehren. Darauf deuten erste Ergebnisse der symbolischen Volksbefragung hin. Über zwei Millionen nahmen an der Abstimmung teil.

Legende: Video Katalonien – wie weiter? abspielen. Laufzeit 4:34 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.11.2014.

Bei der symbolischen Volksbefragung zur Unabhängigkeit Kataloniens haben sich laut Zwischenergebnissen 80,7 Prozent der Teilnehmer für die Abspaltung ihrer Region von Spanien ausgesprochen.

Weniger als 5 Prozent gegen Unabhängigkeit

10,1 Prozent sprachen sich für die Bildung eines katalanischen Staates aus, der aber weiterhin zu Spanien gehören sollte. 4,6 Prozent votierten gegen die Unabhängigkeit. Madrid stufte die Abstimmung als «wertlos» ein.

Bei der Volksbefragung haben 2,25 Millionen Menschen ihre Stimme abgegeben. Dies gab die katalanische Vizeregierungschefin Joana Ortega in der Nacht bekannt. Demnach votierten rund 1,65 Millionen Menschen für die Unabhängigkeit. Das Zwischenergebnis basiert auf der Auszählung von 88,4 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Legende: Video Grosse Mehrheit will Unabhängigkeit abspielen. Laufzeit 2:02 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.11.2014.

Boykott der Referendums-Gegner

Die Zentralregierung in Madrid erkennt die Wahl nicht an, die Abstimmung hat aber politisches Gewicht. Geschätzt wurde die Zahl der Wahlberechtigten auf 5,4 Millionen Katalanen. Die Gegner des Votums hatten angekündigt, die Wahl zu boykottieren.

Eigentlich hatte das spanische Verfassungsgericht die nicht bindende Befragung aufgrund einer Verfassungsklage der spanischen Zentralregierung untersagt. Doch die katalanische Regionalregierung hielt an der Abstimmung fest.

Der katalonische Regionalpräsident Artur Mas sagte nach seiner Stimmabgabe in Barcelona, sein Ziel sei eine verbindliche Volksbefragung über die katalanische Unabhängigkeit. «Wir verdienen das Recht, in einem rechtskräftigen Referendum abzustimmen, und das ist etwas, was vielleicht in Madrid verstanden wird», sagte Mas vor Journalisten.

Bindende Abstimmung verboten

Die Katalanen hatten eigentlich – ähnlich wie die Schotten – ein bindendes Referendum über die Unabhängigkeit abhalten wollen.

Doch die spanische Zentralregierung lehnt eine Volksabstimmung der Katalanen strikt ab. Madrid weist darauf hin, dass die Einheit des Landes in der Verfassung festgeschrieben sei. Über eine Änderung des Grundgesetzes könne nur das spanische Volk insgesamt entscheiden.

Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy betonte denn auch noch einmal: «Solange ich Regierungschef bin, wird die Verfassung eingehalten» und «niemand wird die Einheit Spaniens zerbrechen».

Juristischer Kleinkrieg

Pro-spanische Gruppierungen stellten in einzelnen Orten bei dem Justizbehörden den Antrag, die illegale Befragung zu stoppen und die Urnen sicherzustellen. Die zuständigen Richter lehnten die Anträge mit der Begründung ab, dass dies unverhältnismässig wäre.

Die Polizei teilte mit, sie habe fünf Menschen vorübergehend festgenommen, die in ein Wahllokal in Girona eingedrungen waren, Wähler beschimpft und Wahlurnen zerstört hatten. Weitere Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

Die Staatsanwaltschaft in Katalonien leitete zudem auf Geheiss des Madrider Generalstaatsanwalts Ermittlungen ein, ob das Öffnen von Schulen und anderen staatlichen Einrichtungen für die Stimmabgabe einen Verstoss gegen die Entscheidung des Verfassungsgerichts darstellte.

Katalanen immer unzufriedener

Die Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen hat vor allem infolge der schweren Wirtschaftskrise starken Zulauf erhalten. Die autonome Gemeinschaft Katalonien hat 7,5 Millionen Einwohner und erbringt ein Fünftel der spanischen Wirtschaftsleistung.

Eine bedeutende Beschäftigungsquelle ist der Tourismus. Katalonien ist also eine verhältnismässig wohlhabende Region im krisengeplagten Spanien. Die Befürworter einer Abspaltung argumentieren, dass es Katalonien allein wirtschaftlich besser ginge.

Prominente Stimme

Prominente Stimme

Auch Bayern-Trainer Pep Guardiola macht sich seit Jahren für die Loslösung Kataloniens von Spanien stark. Für die inoffizielle Befragung ist der 43-Jährige nach Barcelona gereist, um dort seine Stimme abzugeben. Die Politiker müssten jetzt auf die Mehrheit hören, forderte Guardiola.

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41 Kommentare

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  • Kommentar von M.Berger, Bern
    Der Titel im Audiobeitrag ist unrichtig und tendenziös! 40% Stimmbeteiligung - 14,2 für Unabhängigkeit! Der Präsident Mas verschärft in diesen Zeiten der Krisen die Lage. Von den ca. 25 %, welche für die Unabhängigkeit gestimmt haben sollen, wurden viele über Stimmungsmache erreicht. Völlig deplaziert finde ich, wenn in diesem Zusammenhang Begriffe wie Freiheit und Demokratie benutzt werden und die Animatorin Carme Forcadell in Anlehnung an den Bürgerkrieg als Pasionaria bezeichnet wird.
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  • Kommentar von M. Berger, Bern
    40 % der Stimmberechtigten haben votiert. 4,1 % haben gegen die Unabhängigkeit gestimmt. 10,1 % haben für einen kat. Staat (Kanton) votiert, der aber weiterhin zu Spanien gehören soll. Trotz Riesenpropaganda im Vorfeld, waren demzufolge max. ca. 1/4 der Stimmberechtigten für die Unabhängigkeit von Spanien. "Freiheit, Demokratie" waren die Schlagworte! Nur hat es wenig mit Demokratie zu tun, wenn der katalanische Präsident das Resultat nicht akzeptiert und eine weitere Abstimmung fordert.
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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Klar kommt bei Umfragen unter gleichgesinnten Gruppen meist ein Mehrheits-Ja zustande. Sonst wären sie zerstritten und nicht gleichgesinnt. Mit Repressionen, nur auf Grund von Verfassungsartikeln, sozialpolitischen Volksunmut zu unterdrücken, kommt auf Dauer nie gut. Da hängt Madrid z.Z. den alt gewohnten "Conquistador" über das eigene "Volk" raus. Was daraus werden kann, sehen wir an der Ukraine, wenn auch die Beiden nicht direkt vergleichbar sind. Jeder Gewalt geht aber die Ignoranz voraus.
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