Katar gelobt Besserung für WM-Baustellen – später

Zahlreiche Arbeiter verloren auf den Baustätten für die Fussball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar ihr Leben. Seit den Enthüllungen über die Todesfälle ist eine Woche vergangen. Katar gelobt Besserung. Schnelle Hilfe dürfen sich die Gastarbeiter aber kaum erhoffen.

Hochhäuser und Baustellen in Katar. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Grösser, höher, sportlicher: Katar arbeitet an seinem Status – erbauen müssen diesen aber andere. Keystone

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Public Viewing im Schnee

Die Fifa will die WM 2022 in den Winter verlegen. «Für Fans, die nicht nach Katar reisen, bedeutet dies Public Viewing auf Schlittschuhen», sagt Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger. «Am dritten Advent soll das Finale stattfinden. Abstruser kann man die Weltgeschichte nicht durcheinanderbringen», so die Sportseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz.

Vor der Exekutivkomitee-Sitzung des Weltverbandes Fifa beauftragte die Führungsspitze des Emirats eine Anwaltskanzlei mit der Aufarbeitung der Meldungen des «Guardian». Dieser spricht von 44 toten Gastarbeitern vom 4. Juni bis zum 8. August.

Fifa schaut lieber in die Agenda

«Die Baufirma hat uns keine Helme gegeben, von Sicherheitswesten ganz zu schweigen. Um Schuhe mussten wir kämpfen», so ein Gastarbeiter: «Es hab kein sauberes Trinkwasser. Aber wenn man davon krank wurde, gab es keine medizinische Hilfe.» Zudem habe die Obrigkeit die Reisepässe einkassiert.

Das Arbeitsministerium werde «alle Massnahmen» ergreifen, so der zuständige Minister, «wenn der Bericht fertig ist».

Der Vorsitzende des Nationalkomitees für Menschenrechte in Katar wies die Enthüllungen zurück. «Es gibt keine Sklaverei oder Zwangsarbeit in Katar. Die Informationen des Guardian sind falsch und die Zahlen übertrieben.»

Das WM-Organisationskomitee schweigt zu den Vorwürfen. In einer Stellungnahme bekräftige das OK nur, die Pläne «problemlos» anpassen zu können.

Derweil demonstrierten rund 50 Demonstranten vor dem Fifa-Hauptquartier in Zürich. Der Protest galt den menschenunwürdigen Zuständen auf den Baustellen der WM 2022 in Katar. «Rote Karte für die Fifa – kein Weltcup ohne Arbeitnehmerrechte», war auf Karten zu lesen.

Voraussichtlich wird die Verlegung in den Winter beschlossen. Fifa-Präsident Joseph Blatter will im November/Dezember 2022 spielen, Uefa-Chef Michel Platini im Januar/Februar 2022.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

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    Katar-WM in der Kritik

    Aus Tagesschau vom 3.10.2013

    Heute und morgen treffen sich die wichtigsten Funktionäre des Weltfussballverbandes FIFA am Hauptsitz in Zürich. Offiziell geht es um Terminfragen für die WM 2022 in Katar. Die WM steht jetzt schon in grosser Kritik wegen unglaublichen Bedingungen für die Arbeiter, die an den Fussballtempeln im reichen Golfstaat bauen. Von Sklavenarbeit und Ausbeutung ist die Rede.