Kerry und Lawrow ringen um Konsens

Die USA und Russland verhandeln über die Vernichtung der syrischen Chemiewaffen. Dazu reisten US-Aussenminister John Kerry und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow nach Genf.

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SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser zum Kerry-Lawrow-Treffen

2:13 min, aus Tagesschau am Mittag vom 12.9.2013

US-Aussenminister John Kerry ist in Genf eingetroffen. Dort wollen er und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow über die künftige Strategie in Syrien sprechen. Diese sieht vor, die Chemiewaffen zu beseitigen. Die Gespräche der Minister im Hotel Intercontinental sollten mindestens bis Freitagabend dauern, hiess es in Delegationskreisen.

In einem Vier-Stufen-Plan sollen Chemiewaffenarsenale unter anderem vernichtet werden. Das berichtete die aktuelle Ausgabe der Moskauer Zeitung «Kommersant» unter Berufung auf diplomatische Kreise in Russland. Im Vier-Stufen-Plan schlägt Lawrow weiter vor, dass Syrien seine Chemiewaffen unter internationale Kontrolle stellt. Auch solle das Bürgerkriegsland seine Lager- und Produktionsstätten offenlegen.

Zudem sollen Inspektoren die Arsenale begutachten können. Rückendeckung erhält der Vorschlag von China, Frankreich, den USA und Grossbritannien.

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Chemiewaffen unter Kontrolle

Syrien stellt seine Chemiewaffen nach Angaben von Präsident Assad wegen der russischen Initiative und nicht auf Druck der USA unter internationale Kontrolle. «Die Drohungen der USA haben unsere Entscheidung nicht beeinflusst», sagte Assad in einem Interview. Syrien werde der UNO Dokumente zur Vorbereitung eines Chemiewaffenabkommens vorlegen.

Der Rat der syrischen Rebellen weigert sich hingegen: «Wir lehnen den Anstoss ab, chemische Waffen unter internationale Aufsicht zu stellen», sagte dazu der Oberste des Militärrats in einem Video von Mittwoch.

Putin warnt erneut vor Militärschlag

Derweil hat Russlands Präsident Wladimir Putin die USA erneut gewarnt, in Syrien militärisch einzugreifen. Der Konflikt könne eskalieren, schrieb Putin in einem Artikel für die «New York Times». «Ein Angriff könnte die Gewalt verstärken und eine neue Terrorismus-Welle auslösen.»

Zugleich betonte er erneut, dass der Giftgas-Angriff im August wahrscheinlich eine Tat der Opposition gewesen sei. Putin schrieb weiter: «Wir dürfen die Sprache der Gewalt nicht mehr anwenden.» Er sei Gegner eines Militärschlags ohne Genehmigung durch den UNO-Sicherheitsrat.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Putin sucht internationale Anerkennung

    Aus Echo der Zeit vom 12.9.2013

    Auf dem Tisch liegt der Vorschlag Russlands, Syrien solle seine Chemiewaffen unter internationale Kontrolle stellen und vernichten. Lange hat sich Russland gegen jegliche Einmischung in Syrien gewehrt. Was bezweckt Moskau mit seiner Initiative? Gespräch mit dem Russlandexperten Stefan Meister.

    Roman Fillinger

  • Die Aussenminister Russlands und der USA verhandeln über Syrien

    Aus Echo der Zeit vom 12.9.2013

    Zum ersten Mal sprechen beide Länder direkt über Assads Chemiewaffen. Von einer Chance für den Frieden in Syrien spricht Russland, skeptisch sind die USA. Die Erwartungen an die Verhandlungen zwischen dem US- und dem russischen Aussenminister in Genf sind unterschiedlich.

    Fredy Gsteiger

  • Putin warnt US-Bürger vor Militärschlag

    Aus Tagesschau vom 12.9.2013

    In einem Beitrag in der „New York Times“ richtet sich der russische Präsident direkt an die Bürger der USA. Er warnt diese von der Kriegsbereitschaft ihres Präsidenten Barack Obama.

  • UNO-Sicherheitsrat wartet ab in Syrienfrage

    Aus Tagesschau vom 12.9.2013

    Gestern haben die Vetomächte des UNO-Sicherheitsrates ihre Standpunkte zu Syrien dargelegt. Entschieden haben sie aber vorerst noch nichts. Man möchte zuerst die Verhandlungen von US-Aussenminister Kerry mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow abwarten. Die beiden treffen sich heute im Hotel Intercontinental in Genf.

  • Diplomatische Lösung für Syrien

    Aus 10vor10 vom 11.9.2013

    US-Präsident Barack Obama will einer diplomatischen Lösung in der Syrien-Krise eine Chance geben. Noch heute wollen Vertreter des UNO-Sicherheitsrates über einen französischen Resolutionsentwurf verhandeln. Demzufolge soll Syrien sein gesamtes Giftgas-Arsenal innerhalb von 15 Tagen deklarieren und die Anlagen für Inspektoren öffnen.