Korruption in Indien: Der neue Premier beginnt mit Aufräumen

Schmiergelder sind in Indien quasi normal. Aussergewöhnlich ist, dass jemand dafür zur Rechenschaft gezogen werden soll. Der Chef der staatlichen Syndicat Bank ist der erste, dem dies nun droht. Er wurde festgenommen.

Ein dicker Fisch ging der indischen Bundespolizei CBI vergangenes Wochenende ins Netz. Sie hat den Chef der staatlichen Syndicate Bank sowie sieben weitere Personen verhaftet. Anklage: Korruptionsverdacht.

Schmiergeld, um die Kredite zu verlängern

Umgerechnet 74'412 Franken soll Bankdirektor Sudhir Kumar Jain als Schmiergeld erhalten haben, so die indische Bundespolizeibehörde CBI. Sie hatte am Wochenende zwanzig Orte in vier indischen Städten untersucht. Dabei holten sie Geld, Immobilienpapieren und Schmuck aus Jains Haus. Den Bankdirektoren selbst steckten sie hinter Gitter. Das Schmiergeld habe Jain von den zwei Firmen Prakash Industries und Bhushan Steel erhalten, die ihre Kredite nicht rechtzeitig hätten zurückzahlen können. Mit dem Geld hätten sich die Firmen laut der Bundespolizei eine Verlängerung der Kredite erkauft.

Sie verhaftete auch einen der Firmenchefs, weitere Personen sind untergetaucht. Die Aktien beider Konzerne fielen in den Keller. In den kommenden Tagen will die CBI weitere Einzelheiten aus abgehörten Telefongesprächen und dem gesammelten Beweismaterial auswerten.

Wahlversprechen des Premiers

Ein mutmasslich korrupter Bankdirektor, Schmiergeld und undurchsichtige Geschäfte, das sind in Indien keine Neuheiten und das ist auch keine Schlagzeile wert. Hier ist nicht die Korruption die Sensation, sondern, dass der Bankdirektor überhaupt verhaftet wurde. «Er sei fest entschlossen, Korruption auf höchster Ebene zu bekämpfen», sagte Ranjit Sinha, der Chef der Bundespolizei und wiederholte dabei nur, was Premierminister Narendra Modi bereits als Wahlkampfversprechen abgegeben hatte. Er werde korrupte Politiker ausmustern und Indien von Korruption befreien.

Laut der Nichtregierungsorganisation für demokratische Reformen in Indien sitzen jedoch just in Narendra Modis Parlament mehr Abgeordnete, gegen die Strafverfahren laufen, als in irgendeinem Parlament zuvor. Es sind nämlich 34 Prozent aller Abgeordneten.

Glaubwürdigkeit steht noch aus

Mit der Verhaftung von Sudhir Kumar Jain von der staatlichen Syndicate Bank hat die Regierung nun ein erstes Exempel statuiert und ihr Versprechen mit Taten untermauert. Glaubwürdig wird es jedoch erst, wenn auch hochrangige Vertreter aus Narendra Modis eigener Partei und den Reihen seiner wirtschaftlichen Gönner unter die Lupe genommen werden. Das ist bis jetzt nicht geschehen.