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International Kosovo vor der politischen Feuerprobe

Am Sonntag finden im Kosovo die ersten landesweiten Kommunalwahlen statt. Eine Zerreissprobe für den noch jungen Staat, denn die serbische Minderheit will die Wahl boykottieren. Die EU-Aussenbeauftragte Ashton rief die Serben auf an diesem «Schlüsselmoment» teilzunehmen.

Seit der Abspaltung des Kosovo von Serbien im Jahr 2008 ist der Konflikt zwischen den beiden Nationen nicht zur Ruhe gekommen. Morgen Sonntag sollen nun die Früchte monatelanger EU-Vermittlungen geerntet werden. Serbien und Kosovo haben sich im April unter Federführung der EU in Brüssel auf «Prinzipien zur Normalisierung der Beziehungen» geeinigt.

Karte von Serbien und Kosovo.
Legende: Die Stadt Mitrovica im Norden Kosovos wird im Norden von Serben und im Süden von Kosovaren bewohnt. SRF

Kernstück des Abkommens ist die im ganzen Kosovo durchgeführte Kommunalwahl. Die Wahl soll die serbische Minderheit im Norden des Landes in den Balkanstaat integrieren und die andauernden Krise lösen.

Die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton hat die serbische Minderheit aufgerufen sich an den Wahlen zu beteiligen. «Ich verstehe die Sorgen, aber eine Teilnahme ist der beste Weg sicherzustellen, dass Ihre Stimme gehört wird», meinte Ashton. Die Wahlen seien ein wichtiges Element zur Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Kosovo und Serbien. Sie seien ein «Schlüsselmoment für die Zukunft des Kosovo.»

Die geteilte Stadt

Doch die Serben im Kosovo verweigern die Kooperation mit Pristina. In der Stadt Mitrovica, welche im Süden von Kosovaren und im Norden von Serben bewohnt wird, fanden vergangene Woche Demonstrationen serbischer Nationalisten statt. Sie rufen zum Boykott der Wahlen auf.

In der Zwischenzeit hat die serbische Regierung in Belgrad dazu aufgerufen, die im Kosovo wohnhaften Serben sollen sich an der Wahl beteiligen.

Mehr Autonomie

Ziel der Wahlen ist die Schaffung eines «Verband von Kosovo-Kommunen mit serbischer Mehrheit». Die Organisation soll als verwaltende Organe sowohl einen Präsidenten, Vizepräsidenten, ein Parlament und ein Rat erhalten und so regierungsähnliche Strukturen aufweisen. Die Organisation soll für wirtschaftliche Entwicklung, Bildung, Gesundheit sowie Stadt- und Agrarplanung zuständig sein.

Über den Grad der Kompetenzen herrscht aber Uneinigkeit. Während Belgrad dem Verband eine weitgehende Autonomie einräumt, sieht die kosovarische Regierung in Pristina diese in einer rein beratenden Funktion.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Fadri Pitsch, 8004 Zürich
    Es war ein Fehler, dass man die Grenze so zog. Das Leid das die Kosovaren erleiden mussten ist zu gross um zusammen leben zu können. Damit will ich das Leid der Serben nicht schmälern. Die Spannungen sind verständlicherweise zu gross. Serbien will unbedingt in die EU, das scheint ein Problem zu sein.
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  • Kommentar von Walter Staub, Schwerzenbach
    Der Kosovo, eine fatale Entscheidung der westlichen Staaten, vor allem der USA, einen solchen Staat überhaupt zu schaffen. Ein Staat, der nie auf eigenen Füssen stehen und ewig an den Futtertrögen anderer Staaten hängen wird. Früher haben die Serben die Albaner an der kurzen Leine gehalten und heute ist es einfach umgekehrt.
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    1. Antwort von FZ, Zürich
      @Walter Staub: ''eine fatale Entscheidung'' damit das Foltern und die Unterdrückung hätten weitergehen sollen? Wer sollte wen an der Leine führen bei einem Bevölkerung-Verhältnis von 10 zu 90?
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @ Staub - keine Angst, das Kosovo wird über kurz oder lang eh ein türkischer Satellit. Erdogan war vor ein paar Tagen in Prizren und erklärte in der Gegenwart von Premier Thaci grosskotzig: „Nicht vergessen: Das Kosovo ist die Türkei und die Türkei ist das Kosovo.“ Und dafür bekam er auch noch reichlich Applaus. Die Türken machen ja keinen Hehl daraus, dass sie die alten Gebiete des Osmanischen Reiches wieder zurückerobern wollen und das Kosovo ist der perfekte Brückenkopf auf dem Balkan.
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  • Kommentar von Ardian Azizi, Kaiseraugst
    Die Serben im Kosovo haben mehr rechte als jede Minderheit auf diesen Planeten. Und trotzdem wollen Sie die Wahlen boykottieren?!. Ich frage mich wie lange es dauern wird bis die Albaner in Mazedonien, Serbien, Montenegro, Griechenland reagieren, und etwas vergleichbares fordern werden.
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Gerechterweise bekam der Kosovo seine Unabhängigkeit und Gerechterweise hätte man Mitrovica bei Serbien belassen sollen.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Ardian Azizi: Albanien wird über kurz oder lang ein Grossalbanien fordern, wie auch die Serben ein Grosserbien. Es war m.E. falsch wie die Bundesstaaten von Ex-Jugoslavien gem den Teilrepubliken in die Unabhängigkeit entlassen wurden, anstatt die Grenzen gem. den Bevölkerungsmehrheiten neu zu ziehen. Es funktioniert lediglich in Slovenien, sonst nirgendwo. Hier werden sich die EU und USA noch die Zähne ausbeissen.
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    3. Antwort von Walter Kathriner, Sarnen
      @Harald Girschweiler, die haben wenigstens noch Zähne, die Schweizer haben sie schon beim Bankgeheimnis ausgebissen.
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